Verantwortung lernen: Weshalb es wichtig ist, dass Kinder in den Garten pinkeln

Zelten mit Kindern

Kindergeburtstag mit Zelten im Garten. Am Morgen wollen die großen Kinder hinterm Baum pinkeln, eine Nachbarin schimpft. Doch diese kleinen Fehltritte sind wichtig. Ebenso unsere Auseinandersetzungen deswegen mit unsern Kindern. Sie bewahren unsere Kinder vor großen Fehltritten – hoffentlich.

Irgendwie hatten die Jungs vergessen, dass es einen Schlüssel für die Wohnung gibt. Hatte mein Sohn vergessen, dass wir nicht im Garten pinkeln – vor allem nicht, wenn man älter ist. Also älter als zwei Jahre zum Beispiel …

Eine Horde Trolle, äh Jungs

Es gab bei diesem Geburtstag viele Momente, bei denen ich dachte: „Oh, nein!“ oder „Hoffentlich geht das gut!“ Häufig hatte ich schlicht Sorge, dass etwas kaputt geht. Eine Gruppe elfjähriger Jungs kann eine ganz schöne Energie entwickeln. Ich fühle mich dann an Tom, Bert und Bill erinnert,  die drei Trolle aus dem Buch „Der kleinen Hobbit“.

Wieviel Strenge?

„Bin ich zu streng?“, fragte ich mich im Rückblick. Ich habe sie angefahren, als sie über die Schnüre des Zeltes sprangen. Ich war genervt, als sie laut balgend über den Rasen jagten. Meine Schwester erinnerte mich daran, dass es noch Kinder sind. Meine Frau schickte mich mit den (großen) Kindern später noch eine Runde um den Block. Auspowern.

Die Frage blieb: Wann sag ich was? Wann schweige ich lieber? Manchmal ist es angebracht, wenn ich die Jungs einfach machen lassen. Sich austoben lasse. Und manchmal ist es nämlich sinnvoll einzuschreiten, zu erklären, weshalb diese Regel besteht oder jenes Verbot. Wie beim Altkleidercontainer.

Die Sache mit dem Altkleidercontainer

Die Jungs neckten sich und packten einen und drohten im Spaß, ihn in den Altkleidercontainer zu stecken. Da habe ich sie gefragt, was denn dann passieren würde. Und wir haben überlegt, weshalb es lebensgefährlich ist in den Container zu klettern.

Wenn es fürchterlich schief geht

Heute Nacht starben zwei Menschen in Köln. Einer war erst 24, wenn schon kein Kind mehr, so doch noch jung, zumindest aus meiner Sicht. Er starb, weil er nachts um 2 Uhr eine Abkürzung nahm – über die Kupplung einer Straßenbahn. Leider fuhr gerade in dem Augenblick die Straßenbahn los …

Bei solchen Nachrichten bin ich erschüttert. Ich fühle mit denen, die betroffen sind. Eltern, Geschwistern und Freunden. Eigentlich kann ich mir nicht ausmalen, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Ich habe „nur“ einen sehr guten Freund in jungen Jahren verloren. Gleichzeitig hoffe ich, dass meine Kinder nicht zu viele solcher spontanen Entscheidungen treffen, die so tödlich enden können. Vielleicht haben sie aus den vielen kleinen Fehltritten so viel gelernt, dass sie eines Tages den einen großen Fehltritt auslassen. Dass sie für einen Moment überlegen. Hoffentlich.

 

So schaffen wir die Digitalisierung: Tablets für Zweijährige!

Kleinkind mit Tablet in Kita | Christopher End

Hurra. Wir schaffen die Digitalisierung – indem wir 2-Jährige an digitale Medien heranführen! Geht’s noch? Das fordert allen Ernstes der sogenannte „Aktionsrat Bildung“ (Das Gremium ist initiiert von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft …) Mich hat vor allem die zugespitzte Darstellung in der Welt geärgert (zum Artikel Die Durchdigitalisierung von Deutschlands Kindern). Das eigentliche Gutachten „Digitale Souveränität und Bildung“ (PDF) hat auch aus meiner Sicht durchaus sinnvolle Ansätze. Dennoch mangelt es ihr an einem zentralen Punkt, der bei der Digitalisierung wichtig ist.

2-Jährige? Da stelle ma uns mal janz dumm

Okay, zur Erinnerung liebe „Experten“, wer denn diese 2-Jährigen sind: 2-Jährige können schon meist sicher gehen, sie verbessern ihre Feinmotorik, in dem sie Deckel alleine aufschrauben, bauen Türme mit Bauklötzen („Wow – schon 7 Bausteine“), ihr aktiver Wortschatz umfasst 50 bis 200 Wörtern und sie fangen an 1-Wort-Fragen zu stellen. Merkt ihr was? Digitale Medien sind genau das, was Kinder jetzt NICHT für ihre Entwicklung brauche. Ach ja: die meisten Zweijährigen tragen noch eine Windel. Nur falls die Experten immer noch nicht so richtig begriffen haben, mit welcher Zielgruppe sie es hier zu tun haben …

Digitalisierung – da hat die Wirtschaft ganz andere Baustellen …

Wenn wir von Digitalisierung reden und dass Deutschland da echt hinterherhinkt, dann sollten sich Staat und Wirtschaft hierzulande erstmal an die eigene Nase packen. Wie wäre es mal mit einen vernünftigen Ausbau der digitalen Infrastruktur? Ich sag mal: Glasfasernetz (lieber Staat: das war schon mal Anfang der 80er Jahre geplant …) und flächendeckendes verlässliches, schnelles & günstiges mobiles Internet  (liebe Wirtschaft)– so als Grundlage für Digitalisierung. Und ja: Das geht, ein Blick über die Grenze genügt …

Kinder fit machen für die Digitalisierung

Zu meinem eigentlichen Punkt: Damit Kinder fit werden für den schnellen Wandel und die Digitalisierung, benötigen sie vor allem erst einmal bestimmte persönliche und soziale Fähigkeiten. Das ist meines Erachtens viel wichtiger, als im Kindergarten Programmierspiele einzubauen.

Meine Forderung: Das brauchen unsere Kinder!

Was Kinder für später brauchen: Sie müssen sich konzentrieren, ihre Gefühle selbst regulieren, sich Ziele setzen, sich selbst organisieren, stabile soziale Beziehung aufbauen und Konflikte klären können. Dazu brauchen sie im Kindergarten-Alter liebevolle Zuwendung, Halt, Bewegung, Spiel und andere Kinder. Diese innere Kraft macht Kinder fit für eine digitale und sich schnell wandelnde Welt. Auch das fehlt ihnen leider manchmal zuhause.

Programmieren und so …

Ich glaube, dass am Ende des Kindergartens auch punktuell digitale Medien eingeführt werden können – zum Beispiel in einer Vorschulgruppe von 5-Jährigen. Und vorher kann man auch mal Programmierspiele spielen. Und in der Grundschule halte ich es auch für sinnvoll, Kinder zu lehren einen Computer und ein Textverarbeitungsprogramm zu bedienen.  Hier können sie auch schon ans Programmieren herangeführt werden. Aber wenn Kinder im Kindergartenalter nicht gelernt haben, sich selbst anzuziehen und zehn Minuten ruhig sitzen zu bleiben, dann bringt auch der Programmierkurs nix.

Was ich mir wirklich von Bildung wünsche

Doch diese ganze Fähigkeiten kann ich erst dann lernen, wenn ich gelernt habe mich zu konzentrieren. Wenn ich gelernt habe, zu lernen. Wenn ich nicht verlernt habe, mich zu begeistern. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich meine Interessen verfolgen kann. Dann ist da diese Begeisterung etwas eigenes zu schaffen. Diese Begeisterung dranzubleiben. Dann werden Rückschläge zu Herausforderungen. Dann haben wir diese Menschen, die von sich aus Probleme lösen – einfach weil es ihnen ein Bedürfnis ist.

Ja, Bildung muss sich ändern – aber anders als vielfach gedacht

Ich glaube auch, dass wir unser Bildungssystem an die Digitalisierung anpassen müssen, nur geht meine Forderung viel tiefer und weiter als Kinder lediglich den Umgang mit Technik zu vermitteln. Ich glaube, wir brauchen Menschen, die erst einmal als Mensch sehr kompetent sind. Die in sich ruhen, wenn außen der Wandel tobt. Die innerlich so stark sind, dass sie sich dem Zog des Digitalen immer auch entziehen können. Dazu müssen wir unser Bildungssystem radikal umbauen. Aber dann richten wir es nicht auf die Digitalisierung aus – sondern wir richten das Bildungssystem endlich auf den Menschen aus.

PS: Wenn ich einen Aktionsrat Bildung ernst nehmen soll, der über Digitalisierung schreibt, dann erwarte ich auch eine digitale Eigenkompetenz. Das zeigt sich dann unter anderem darin, dass ich eine Studie auch auf dem Smartphone lesen kann – was mit einem doppelseitigen PDF mehr als schwierig wird. Dass das PDF keine  Sprungmarken aufweist, fällt dann schon gar nicht mehr ins Gewicht. Hypertext, vernetzte Welt und Wissen und so …

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Buchtipp Aufklärung: Gucken verboten

Buchtipp: Gucken verboten. Aufklärung für große Kindern.

Aufklärung ist mir wichtig: Sex ist immer noch ein Thema voller Tabus und Unwissen. Das Buch Gucken verboten richtet sich an größere Kinder und Jugendliche. Wofür es gut ist.

Aufklärung: Wir müssen reden

Wir müssen mehr über Sex sprechen. Wir als Paar untereinander. Wir als Väter untereinander. Wir als Eltern mit unseren Kindern. Davon bin ich überzeugt.

Sex ist überall und nirgendwo. Überall im Fernsehen, in Zeitschriften, in Werbung, im Internet, in Witzen. Und nirgendwo in den Gesprächen. Oder sagen wir: mir zu wenig in den Gesprächen.

Ich möchte Sex auch nicht über alles stellen. Ich möchte Sex nur von dem Tabu befreien. Nur so können wir uns befreien – und unsere Kinder.

Kinder sollten früh lernen Nein & Ja sagen zu dürfen

Ich möchte, dass meine Kinder selbstbewusst entscheiden können, was sie wollen und was nicht. Das sie spüren, was für sie gut ist und was nicht. Damit sie nein und ja sagen können, wie es und wann es und mit wem es für sie passt.

Manchmal wollen Kinder aber gar nicht über Sex reden – und manchmal wollen auch Eltern nicht über Sex reden. Dann ist es gut, wenn unsere Kinder auch anders an die „heißen Infos“ kommen. Aufklärungs-Bücher finde ich daher super:

3 Vorteile von Aufklärungs-Bücher

  1. Das Buch ist geduldig. Es ist ein Angebot. Es steht im Schrank und wartet, dass es jemand liest – oder auch nicht.
  2. Wir als Eltern können das Buch selbst auswählen. Im Internet stößt das Kind hingegen auf Dinge, die wir nicht kontrollieren. Auf Pornografie, auf Foren, auf das Extreme, das Künstliche. Das Buch kann ein Gegenentwurf sein.
  3. Bücher bieten eine Konstante: Sie sind bleiben, während im Netz die Dinge beweglich sind, immer neue Eindrücke auf uns einprasseln. Wir vielleicht auch Seiten und Angebote nicht mehr (so schnell) wiederfinden.

Das Buch: Gucken verboten

Das Buch erzählt die Geschichte der beiden Freunde Pia und Paul. Die Sandkastenfreunde sind elf Jahre alt und merken: So richtig Ahnung von der ganzen Sex-Sache haben sie nicht. Trotz Sexualkundeunterricht – denn dort traute sich keiner echte Fragen zu stellen.

Die beiden Freunde beschließen: Wir werden Sexforscher

In ihrem gemeinsamen geheimen Tagebuch tauschen sie sich aus. Dabei erfährt der Leser nicht nur, wie das mit dem Sex geht, was Verhütung ist, wie eine Schwangerschaft verläuft und was sexuelle Identität bedeutet. Es geht noch um etwas viel Tiefergehendes: Es geht um Beziehung und Liebe.

Doppelseite aus dem Aufklärungs-Buch Gucken verboten.

Leseprobe: Diese Doppelseite als PDF herunterladen (3,8 MB) © 2017 S. Fischer GmbH

Denn ganz nebenbei entwickeln sich auch die beiden Freunde weiter – und ihre Beziehung. Die Geschichte zwischen und über die zwei läuft parallel zu den ganzen Entdeckungen, die die beiden zum Thema Sex machen.

Was mit Pia und Paul passiert, wie sich vom Kind zum Jugendlichen entwickeln, das finde ich fast genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als die „harten Fakten“ rund um das Thema Sex.

Ilona Einwohlt, die Autorin, hat das Buch aus der Sicht der beiden Kinder, an der Schwelle zum Teenager-Alter, geschrieben. In ihrer Sprache und in ihren Worten. Sehr verständlich, wie ich finde.

Illustrationen statt Fotos

Vor allem lebt das Buch von den zahlreichen Illustrationen von Katharina Vöhringer, die sich auf jeder Doppelseite finden. Es sind unbeschwerte Zeichnungen, wie mit einem verschmitzten Augenzwinkern.

Übrigens: Ich habe das Buch auch einem Vertreter der Zielgruppe zum Lesen gegeben – der fand allerdings manche Beschreibungen eher abstoßend. Und hat es dennoch gelesen.

Fazit: Ich finde es ein hilfreiches Buch, das aus zwei Gründen einen leichten Einstieg in das Thema sexuelle Aufklärung ermöglicht: Erstens weil es mit Zeichnungen und nicht mit Fotos arbeitet. Und zweitens weil das eigentlich Wichtige die beiden Protagonisten sind, ihre Gefühle und ihre persönliche Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen.

 

Cover Gucken verboten Gucken verboten – Das (fast) geheime Aufklärungsbuch!
Autorin: Ilona Einwohlt
Illustratorin: Katharina Vöhringe

120 Seiten, gebunden
FISCHER Sauerländer
ISBN 978-3-7373-5502-5
Ab 11 Jahren
15,00 EUR

Die Buch-Seite des Verlags.

 

Info: Der Fischer Verlag hat mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Buchbesprechung überlassen.

 

Trösten: Warum „Ist doch nicht so schlimm“ schlimm ist

Trösten schadet manchmal mehr, als dass es nützt. Was dein Kind braucht, wenn es weint oder schreit und wie du es wirklich unterstützt.

Meditation in der Kita: 4 Übungen zur Achtsamkeit

Meditation mit Kleinkindern? Geht das? Aber ja – wenn man weiß wie: Auf die Haltung kommt es an! Dazu 4 praktische Übungen zur Achtsamkeit, die schon kleinen Kindern in der Kindertagesstätte funktionieren.

Spielzeugreduziert: Wie viel Spielzeug brauchen Kinder wirklich?

Wie der Spielzeugflut Herr werden? Welches Spielzeug ist altersgerecht? Die Pädagogin Julia Strohmer lebt spielzeugreduziert und erklärt, wie es geht.

Neue Weihnachts-Wichtel-Geschichte

Weihnachts-Wichtel-Geschichte

Pünktlich zum Fest gibt es die neue Geschichte mit Ribbelwitsch, dem tollpatschigen Weihnachtswichtel.

Dieses Jahr will Ribbelwitsch alles richtig machen. Noch einmal darf das Weihnachtsfest nicht in Gefahr geraten. Und der Weihnachtswichtel weiß schon, wie er diesmal alles schafft. Doch dann kommt ein unerwarteter Gast …

Ein ungebetener Gast am Weihnachtsabend

Bisher hat Ribbelwitsch folgende Abenteuer erlebt:

Ein Weihnachtswichtel im Sommerurlaub

Unglück am Weihnachtsabend

Familientipp Köln: Mittelalter-Ausstellung – mit Comic!

Familien-Tipp: Mittelalter-Ausstellung in Köln Die kalte Jahreszeit ist Museumszeit. Und das Museum Schnütgen in Köln bietet eine Mittelalter-Ausstellung an, die auch große Kinder und Jugendliche begeistert: Denn es gibt einen Comic-Workshop!

Ein diamantbesetztes Kreuz, eine handgeschriebene Bibel oder ein gesticktes Einhorn – das Museum Schnütgen zeigt Schätze und Schätzchen aus dem Mittelalter, die sonst die meiste Zeit im Depot des Museums ruhen. Aus gutem Grund. Sind manche Ausstellungsstücke doch äußerst lichtempfindlich. Wie das Messgewand aus byzantinischer Purpurseide, das aus dem Grab des Kölner Erzbischofs Anno stammt und ungefähr 1.000 (!) Jahre alt ist.

Der Comic zur Ausstellung

Das Tolle: Es gibt einen Comic zur Ausstellung! Die Geschichte: Im Jahr 1515 hilft der Wandergesell Jacob im Kloster St. Cäcilien in Köln aus, wo er auf die angehende Nonne Brid trifft. Eine zarte Liebesgeschichte entspannt sich. Nebenbei erzählt der Comic von Ralf Marczinczik in detailreichen, prachtvoll kolorierten Bildern anschaulich aus dem 16. Jahrhundert.

Der Comic ist allerdings mehr als wunderschönes Begleitbuch, sondern Einladung die Ausstellung spielerisch zu entdecken. So sind in der Geschichte verschiedene kleine Aufgaben eingebaut, bei denen der Leser zum Beispiel das Siegels des Klosters in Jacobs Walzbuch stempeln kann.

Comic Kristall und Rauch Museum Schnütgen

Ansprechender Comic, oder Graphic Novel, mit kleinen Mitmach-Aufgaben.

Der Workshop: Comic selber zeichnen

Jeden Sonntag gibt es während der Sonderausstellung einen Comic-Workshop, indem junge und junggebliebene Menschen selbst einen Comic entwickeln können.

Die ganze Ausstellung ist ein wundervolles Angebot, das auch und gerade Familien mit großen Kindern anspricht. Hut ab.

Expedition Mittelalter. Das verborgene Museum Schnütgen

Comic Kristall und Rauch Museum Schnütgen Die Ausstellung „Expedition Mittelalter. Das verborgene Museum Schnütgen“ geht noch bis zum 28. Januar 2018. Spannendes ergänzendes Material, Texte, Bilder und vor allem einige kurze Videos, gibt es auch online:

http://www.museum-schnuetgen.de/Expedition-Mittelalter

Die offenen Comic-Workshops finden jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr statt und richten sich an Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene. Thema und Referentinnen der Workshops wechseln laufend.

Für Kinder ist der Eintritt frei.

 Exponate Mittelalter Ausstellung Museum Schnütgen

Bildnachweis

Minnekästchen, 2. Hälfte 14. Jh., Museum Schnütgen: © Rheinisches Bildarchiv, Köln/M. Mennicken
Jean de Mandeville, Reisen, Druck: Straßburg 1484, Museum Schnütgen: © Museum Schnütgen
Comic: © Ralf Marczinczik / Museum Schnütgen
Reliquienkreuz mit Stifterinschrift, Westfalen, um 1400: © Rheinisches Bildarchiv, Köln/P. Schwarz

 

Überforderte Eltern: Was mache ich, wenn nichts mehr geht?

Job und Familie – nicht wenige Eltern fühlen sich überfordert. Wenn gar nichts mehr geht, helfen folgende drei Schritte.

Gastbeitrag: Wie Familienkonferenzen helfen, dass unsere Kinder kooperieren!

Zeichnung einer Familie. Text: Familienkonferenz

Gastbeitrag von Annamaria Fisler

Die Familienkonferenz, auch Familienrat genannt, ist eine Möglichkeit, die Kooperationsbereitschaft in der Familie zu fördern. Sie hilft der Familie, über Gefühle zu sprechen, diese mitzuteilen, sich als Team zu fühlen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich gemeinsam auf den Lösungsweg zu begeben. Familienkonferenzen sind für alle Arten von Familien geeignet.

Vielleicht fragen Sie sich, ob eine Familienkonferenz helfen kann, unsere Kinder zur Kooperation zu bringen? Ich kann Sie nur dazu ermutigen, sich auf dieses Experiment einzulassen und sich gemeinsam mit Ihren Kindern auf diesen Weg zu begeben. Sie werden erstaunt sein, wie kooperationsfähig Ihre Kinder sein können.

Die Wirkung einer Familienkonferenz

Die Familienkonferenz bietet einen Rahmen, in dem die Kinder (an-)gehört werden.

Die Familienkonferenz …

  • … gibt jedem die Möglichkeit, über Gefühle zu sprechen und mitzuteilen
  • … gibt der Familie die Möglichkeit, sich als ein Team zu fühlen
  • … fördert den Gemeinschaftssinn, alle unterstützen sich gegenseitig
  • … vermittelt Kindern Respekt
  • … hilft Lösungswege gemeinsam zu finden
  • … bietet Kindern Gelegenheit, sich gehört und geliebt zu fühlen
  • … hilft Eltern, welche schreien oder gar schlagen, damit aufzuhören
  • … gibt der Familie die Möglichkeit, miteinander Spaß zu haben.

Zeichnung einer Familie um einen Tisch mit Fragezeichen

Der Wegweiser für Familienkonferenzen

Wie vieles andere braucht auch die Familienkonferenz Zeit und Geduld, damit sie zu einem Ritual, zu einer Gewohnheit wird. Das heißt, dass wir als Eltern uns Mühe geben müssen, wenn wir wollen, dass sich einerseits etwas verändert und andererseits, dass unsere Kinder kooperieren.

Immer zur gleichen Zeit

Eine Familienkonferenz sollte regelmässig abgehalten werden, idealerweise einmal wöchentlich, immer zur gleichen Zeit und zum gleichen Wochentag. Sie dauert zwischen 20 und 30 Minuten.

„Wir müssen dem Kind dabei helfen, selbst zu handeln, selbst zu wollen, selbst zu denken.“

Dr. Maria Montessori

Auf das Alter der Kinder sollten Sie unbedingt Rücksicht nehmen. Mit Kleinkindern dauert die Konferenz eher kurz und vielleicht genügt es auch alle zwei Wochen, mit Teenagern kann man bis zu 60 Minuten einplanen, hier sind wöchentliche Treffen sicherlich von Vorteil.

Liste/Plakat/Agenda der anfallenden Themen

Wir machen eine Themenliste. Vielleicht ist eines Ihrer Kinder besonders kreativ und möchte diese Aufgabe übernehmen, oder Sie gestalten gemeinsam mit der ganzen Familie die Themenliste.

Wir hängen die Themenliste an einen sichtbaren Ort auf, so können alle Familienmitglieder während der Tage vor der Konferenz Besprechungspunkte hinzufügen. Somit wissen wir auch, was anderen Familienmitgliedern auf dem Herzen liegt. In dieser Phase der Entstehung kommentieren wir die Punkte der anderen nicht!

Die Themen könnten aber auch gemeinsam mit der ganzen Familie während des Abendessens besprochen und festgehalten werden. Ein Familienmitglied übernimmt das Notieren.

Hier ein paar mögliche Themen für die Familienkonferenz:

  • Hausaufgaben
  • Taschengeld
  • Mithilfe im Haushalt
  • Pflege der Haustiere
  • Hausregeln
  • Regeln wenn Freunde zu Besuch sind
  • TV, Computer, Handy

Zeitplanung

Anfangs müssen wir als Eltern die Zeitplanung übernehmen und einführen. Wir schauen uns die Themenliste an und entscheiden, mit welchen Themen wir uns in den ersten Familienkonferenzen beschäftigen können. Um Alternativmöglichkeiten zu erforschen und Entscheidungen treffen zu können, planen wir genug Zeit ein. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es gerade bei der Einführung der Familienkonferenz sinnvoll ist, mit positiven Themen zu beginnen.

Positive Themen einer Familienkonferenz können sein:

  • über gute und schöne Erfahrungen sprechen
  • sich bei einem Familienmitglied bedanken, das in der Woche geholfen hat

Wir geben allen die Möglichkeit, über etwas zu berichten, was gut für sie läuft.

Denken Sie daran, dass die Familienkonferenz für Ihre Kinder etwas Neues ist, sie wissen nicht was auf sie zukommt. Mit positiven Themen zu beginnen, erleichtert Ihnen und der ganzen Familie den Einstieg. So schaffen Sie eine gute Atmosphäre. Das ist eine solide Grundlage, um später auch mal schwierigere Themen zu besprechen.

Zeichnung einer Familie um einen Tisch mit Ausrufezeichen

Abwechselnd Aufgaben erfüllen

Wenn sich das Ritual „Familienkonferenz/Familienrat“ eingespielt hat, sollen die Aufgaben abwechselnd übernommen werden. Die Konferenz wird von einem Familienmitglied geleitet. Dieses liest die Themenliste und achtet darauf, dass nicht von den Themen abgewichen wird. Jedes Familienmitglied sollte die Chance bekommen, einmal die Konferenz zu leiten. Jüngere Kinder werden dafür etwas Hilfe benötigen – das ist völlig in Ordnung. Übrigens: ältere Geschwister übernehmen diese Rolle gerne.

Notizen

Die getroffenen Vereinbarungen werden von einem anderen Familienmitglied schriftlich festgehalten. Auf diese Weise wird niemand etwas vergessen oder sich über etwas im Unklaren sein. Auch dies ist eine Aufgabe, die immer wieder jemand anderes übernehmen sollte. Auch hier können die älteren Geschwister den jüngeren helfen, zum Beispiel indem sie die Notizen vorlesen, wenn die jüngeren Kinder noch nicht lesen können. Jüngere Kinder können die Vereinbarung auch anhand einer Zeichnung festhalten.

Haltung und Regeln bei der Familienkonferenz

Wir lassen jeden zu Wort kommen

Wir lassen zuerst unsere Kinder zu Wort kommen, wenn wir die Themenliste besprechen. Das hilft Kindern, sich verantwortlich zu fühlen. Wenn Sie merken, dass eines Ihrer Kinder nicht zu Wort gekommen ist oder sich nicht traut, fragen wir nach: „Und was meinst du?“

Sind wir der Meinung, dass ein Kind zu viel redet, bleiben wir respektvoll und sagen etwas wie: „Das scheint für dich sehr wichtig zu sein. Wir müssen jetzt aber auch hören, was die anderen darüber denken.“

„Die Familienkonferenz bietet Kindern Gelegenheit, sich gehört und geliebt zu fühlen.“

Annamaria Fisler

Wenn jemand keinen Respekt zeigt, benutzen wir ICH-Aussagen und keine DU-Aussagen, da Du-Aussagen wie Beschuldigungen wirken. Zum Beispiel würde ich sagen: „Wenn ich Beschimpfungen höre, fürchte ich, dass wir keinen gemeinsamen Weg finden werden, um zusammenzuarbeiten.“

Das Maß der Klagen begrenzen

Wir begrenzen das Ausmaß der vorgebrachten Klagen, da diese die Familienkonferenz in eine unerfreuliche Angelegenheit verwandeln. Durch Klagen werden keine Probleme gelöst und der Familie wird nicht geholfen. Das Ziel, miteinander Spass zu haben sollte an erster Stelle stehen. Wenn Klagen ein Problem sind, fragen wir: „Was können wir daran ändern?“, „Wie könnten wir das Problem lösen?“ oder „Hat jemand eine Idee?“ Wir helfen so unseren Kindern aus dem Problemfokus einen Lösungsfokus zu entwickeln.

Wir Eltern kooperieren und gehen mit gutem Vorbild voran

Wir alle wissen, dass bestimmte häusliche Arbeiten nicht gerne erledigt werden. Als Eltern zeigen wir uns daher kooperativ und können uns bei den Aufgaben, die niemand gerne macht, freiwillig melden. Wir könnten sagen: „Ich übernehme das Staubsaugen und das Sauber machen des Badezimmers. Wer übernimmt es, das Altpapier und Glas zu entsorgen?“ Mit der Zeit werden Sie die Erfahrung machen, dass auch die anderen Familienmitglieder einige der unbeliebten Aufgaben übernehmen.

Wir halten uns an die getroffenen Vereinbarungen

Alle Familienmitglieder halten sich bis zur nächsten Konferenz an die Vereinbarungen. Möchte ein Familienmitglied eine Vereinbarung ändern, wird dies nicht geduldet und muss bis zur nächsten Sitzung warten. Es kann auch vorkommen, dass man eine Vereinbarung nicht einhalten kann, weil zum Beispiel an einem Tag die Zeit dafür fehlt. Das könnte übrigens auch einem Kind passieren. Wichtig ist hier, dass man dies der Familie kommuniziert und mitteilt, dass man darum bemüht ist, es besser zu machen. Niemand ist perfekt!

Viel Glück, bei der Umsetzung und erlebnisreiche Stunden wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen!

 

Foto Annamaria FislerAnnamaria Fisler
Die Schweizer Dipl. Erziehungsberaterin/Elterncoach und Dipl. Montessori-Pädagogin steht Eltern zur Seite, welche verunsichert, entmutigt, verzweifelt, müde oder gar genervt sind.