So schaffen wir die Digitalisierung: Tablets für Zweijährige!

Kleinkind mit Tablet in Kita | Christopher End

Hurra. Wir schaffen die Digitalisierung – indem wir 2-Jährige an digitale Medien heranführen! Geht’s noch? Das fordert allen Ernstes der sogenannte „Aktionsrat Bildung“ (Das Gremium ist initiiert von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft …) Mich hat vor allem die zugespitzte Darstellung in der Welt geärgert (zum Artikel Die Durchdigitalisierung von Deutschlands Kindern). Das eigentliche Gutachten „Digitale Souveränität und Bildung“ (PDF) hat auch aus meiner Sicht durchaus sinnvolle Ansätze. Dennoch mangelt es ihr an einem zentralen Punkt, der bei der Digitalisierung wichtig ist.

2-Jährige? Da stelle ma uns mal janz dumm

Okay, zur Erinnerung liebe „Experten“, wer denn diese 2-Jährigen sind: 2-Jährige können schon meist sicher gehen, sie verbessern ihre Feinmotorik, in dem sie Deckel alleine aufschrauben, bauen Türme mit Bauklötzen („Wow – schon 7 Bausteine“), ihr aktiver Wortschatz umfasst 50 bis 200 Wörtern und sie fangen an 1-Wort-Fragen zu stellen. Merkt ihr was? Digitale Medien sind genau das, was Kinder jetzt NICHT für ihre Entwicklung brauche. Ach ja: die meisten Zweijährigen tragen noch eine Windel. Nur falls die Experten immer noch nicht so richtig begriffen haben, mit welcher Zielgruppe sie es hier zu tun haben …

Digitalisierung – da hat die Wirtschaft ganz andere Baustellen …

Wenn wir von Digitalisierung reden und dass Deutschland da echt hinterherhinkt, dann sollten sich Staat und Wirtschaft hierzulande erstmal an die eigene Nase packen. Wie wäre es mal mit einen vernünftigen Ausbau der digitalen Infrastruktur? Ich sag mal: Glasfasernetz (lieber Staat: das war schon mal Anfang der 80er Jahre geplant …) und flächendeckendes verlässliches, schnelles & günstiges mobiles Internet  (liebe Wirtschaft)– so als Grundlage für Digitalisierung. Und ja: Das geht, ein Blick über die Grenze genügt …

Kinder fit machen für die Digitalisierung

Zu meinem eigentlichen Punkt: Damit Kinder fit werden für den schnellen Wandel und die Digitalisierung, benötigen sie vor allem erst einmal bestimmte persönliche und soziale Fähigkeiten. Das ist meines Erachtens viel wichtiger, als im Kindergarten Programmierspiele einzubauen.

Meine Forderung: Das brauchen unsere Kinder!

Was Kinder für später brauchen: Sie müssen sich konzentrieren, ihre Gefühle selbst regulieren, sich Ziele setzen, sich selbst organisieren, stabile soziale Beziehung aufbauen und Konflikte klären können. Dazu brauchen sie im Kindergarten-Alter liebevolle Zuwendung, Halt, Bewegung, Spiel und andere Kinder. Diese innere Kraft macht Kinder fit für eine digitale und sich schnell wandelnde Welt. Auch das fehlt ihnen leider manchmal zuhause.

Programmieren und so …

Ich glaube, dass am Ende des Kindergartens auch punktuell digitale Medien eingeführt werden können – zum Beispiel in einer Vorschulgruppe von 5-Jährigen. Und vorher kann man auch mal Programmierspiele spielen. Und in der Grundschule halte ich es auch für sinnvoll, Kinder zu lehren einen Computer und ein Textverarbeitungsprogramm zu bedienen.  Hier können sie auch schon ans Programmieren herangeführt werden. Aber wenn Kinder im Kindergartenalter nicht gelernt haben, sich selbst anzuziehen und zehn Minuten ruhig sitzen zu bleiben, dann bringt auch der Programmierkurs nix.

Was ich mir wirklich von Bildung wünsche

Doch diese ganze Fähigkeiten kann ich erst dann lernen, wenn ich gelernt habe mich zu konzentrieren. Wenn ich gelernt habe, zu lernen. Wenn ich nicht verlernt habe, mich zu begeistern. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich meine Interessen verfolgen kann. Dann ist da diese Begeisterung etwas eigenes zu schaffen. Diese Begeisterung dranzubleiben. Dann werden Rückschläge zu Herausforderungen. Dann haben wir diese Menschen, die von sich aus Probleme lösen – einfach weil es ihnen ein Bedürfnis ist.

Ja, Bildung muss sich ändern – aber anders als vielfach gedacht

Ich glaube auch, dass wir unser Bildungssystem an die Digitalisierung anpassen müssen, nur geht meine Forderung viel tiefer und weiter als Kinder lediglich den Umgang mit Technik zu vermitteln. Ich glaube, wir brauchen Menschen, die erst einmal als Mensch sehr kompetent sind. Die in sich ruhen, wenn außen der Wandel tobt. Die innerlich so stark sind, dass sie sich dem Zog des Digitalen immer auch entziehen können. Dazu müssen wir unser Bildungssystem radikal umbauen. Aber dann richten wir es nicht auf die Digitalisierung aus – sondern wir richten das Bildungssystem endlich auf den Menschen aus.

PS: Wenn ich einen Aktionsrat Bildung ernst nehmen soll, der über Digitalisierung schreibt, dann erwarte ich auch eine digitale Eigenkompetenz. Das zeigt sich dann unter anderem darin, dass ich eine Studie auch auf dem Smartphone lesen kann – was mit einem doppelseitigen PDF mehr als schwierig wird. Dass das PDF keine  Sprungmarken aufweist, fällt dann schon gar nicht mehr ins Gewicht. Hypertext, vernetzte Welt und Wissen und so …

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Buchtipp Aufklärung: Gucken verboten

Buchtipp: Gucken verboten. Aufklärung für große Kindern.

Aufklärung ist mir wichtig: Sex ist immer noch ein Thema voller Tabus und Unwissen. Das Buch Gucken verboten richtet sich an größere Kinder und Jugendliche. Wofür es gut ist.

Aufklärung: Wir müssen reden

Wir müssen mehr über Sex sprechen. Wir als Paar untereinander. Wir als Väter untereinander. Wir als Eltern mit unseren Kindern. Davon bin ich überzeugt.

Sex ist überall und nirgendwo. Überall im Fernsehen, in Zeitschriften, in Werbung, im Internet, in Witzen. Und nirgendwo in den Gesprächen. Oder sagen wir: mir zu wenig in den Gesprächen.

Ich möchte Sex auch nicht über alles stellen. Ich möchte Sex nur von dem Tabu befreien. Nur so können wir uns befreien – und unsere Kinder.

Kinder sollten früh lernen Nein & Ja sagen zu dürfen

Ich möchte, dass meine Kinder selbstbewusst entscheiden können, was sie wollen und was nicht. Das sie spüren, was für sie gut ist und was nicht. Damit sie nein und ja sagen können, wie es und wann es und mit wem es für sie passt.

Manchmal wollen Kinder aber gar nicht über Sex reden – und manchmal wollen auch Eltern nicht über Sex reden. Dann ist es gut, wenn unsere Kinder auch anders an die „heißen Infos“ kommen. Aufklärungs-Bücher finde ich daher super:

3 Vorteile von Aufklärungs-Bücher

  1. Das Buch ist geduldig. Es ist ein Angebot. Es steht im Schrank und wartet, dass es jemand liest – oder auch nicht.
  2. Wir als Eltern können das Buch selbst auswählen. Im Internet stößt das Kind hingegen auf Dinge, die wir nicht kontrollieren. Auf Pornografie, auf Foren, auf das Extreme, das Künstliche. Das Buch kann ein Gegenentwurf sein.
  3. Bücher bieten eine Konstante: Sie sind bleiben, während im Netz die Dinge beweglich sind, immer neue Eindrücke auf uns einprasseln. Wir vielleicht auch Seiten und Angebote nicht mehr (so schnell) wiederfinden.

Das Buch: Gucken verboten

Das Buch erzählt die Geschichte der beiden Freunde Pia und Paul. Die Sandkastenfreunde sind elf Jahre alt und merken: So richtig Ahnung von der ganzen Sex-Sache haben sie nicht. Trotz Sexualkundeunterricht – denn dort traute sich keiner echte Fragen zu stellen.

Die beiden Freunde beschließen: Wir werden Sexforscher

In ihrem gemeinsamen geheimen Tagebuch tauschen sie sich aus. Dabei erfährt der Leser nicht nur, wie das mit dem Sex geht, was Verhütung ist, wie eine Schwangerschaft verläuft und was sexuelle Identität bedeutet. Es geht noch um etwas viel Tiefergehendes: Es geht um Beziehung und Liebe.

Doppelseite aus dem Aufklärungs-Buch Gucken verboten.

Leseprobe: Diese Doppelseite als PDF herunterladen (3,8 MB) © 2017 S. Fischer GmbH

Denn ganz nebenbei entwickeln sich auch die beiden Freunde weiter – und ihre Beziehung. Die Geschichte zwischen und über die zwei läuft parallel zu den ganzen Entdeckungen, die die beiden zum Thema Sex machen.

Was mit Pia und Paul passiert, wie sich vom Kind zum Jugendlichen entwickeln, das finde ich fast genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als die „harten Fakten“ rund um das Thema Sex.

Ilona Einwohlt, die Autorin, hat das Buch aus der Sicht der beiden Kinder, an der Schwelle zum Teenager-Alter, geschrieben. In ihrer Sprache und in ihren Worten. Sehr verständlich, wie ich finde.

Illustrationen statt Fotos

Vor allem lebt das Buch von den zahlreichen Illustrationen von Katharina Vöhringer, die sich auf jeder Doppelseite finden. Es sind unbeschwerte Zeichnungen, wie mit einem verschmitzten Augenzwinkern.

Übrigens: Ich habe das Buch auch einem Vertreter der Zielgruppe zum Lesen gegeben – der fand allerdings manche Beschreibungen eher abstoßend. Und hat es dennoch gelesen.

Fazit: Ich finde es ein hilfreiches Buch, das aus zwei Gründen einen leichten Einstieg in das Thema sexuelle Aufklärung ermöglicht: Erstens weil es mit Zeichnungen und nicht mit Fotos arbeitet. Und zweitens weil das eigentlich Wichtige die beiden Protagonisten sind, ihre Gefühle und ihre persönliche Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen.

 

Cover Gucken verboten Gucken verboten – Das (fast) geheime Aufklärungsbuch!
Autorin: Ilona Einwohlt
Illustratorin: Katharina Vöhringe

120 Seiten, gebunden
FISCHER Sauerländer
ISBN 978-3-7373-5502-5
Ab 11 Jahren
15,00 EUR

Die Buch-Seite des Verlags.

 

Trösten: Warum „Ist doch nicht so schlimm“ schlimm ist

Bild eines weinenden Kindes. Text: Trösten
Wenn unsere Kinder leiden, dann wollen wir ihnen helfen und das Leiden am liebsten sofort beenden. Schnell kommen uns tröstende Worte über die Lippen. Doch Trösten schadet mehr schadet als es nützt. Dein Kind braucht jetzt etwas ganz anderes von dir.    

Heute Morgen, Wartezimmer beim Kinderarzt. Ein Vater mit Kind kommt herein, die Kleine vielleicht 1,5 Jahre alt, weint. Die beiden kommen von irgendeiner Kindervorsorgeuntersuchung.

Der Vater ist liebevoll besorgt um das Kind. Er nimmt es auf den Schoss, redet beruhigend auf es ein. Dann fällt dieser Satz: „Ist doch nicht so schlimm.“

Wenn trösten schadet

Die Kleine schreit weiter. Der Vater: „Alles ist gut, der Doktor hat gesagt, dass du gesund bist.“ Das Kind weint. Der Vater: „Schau mal, das große Kind da, das weint auch nicht. Wenn du mal groß bist …“ Das Kind weint.

Zugegeben – es ist für uns Eltern auch echt schwierig. Ich finde es sogar DIE größte Herausforderung schlechthin: Das eigene Kind leiden zu sehen.

Alles ist gut – von wegen

Doch die so gut gemeinten Worte des Trostes erzielen selten die erwartete Wirkung. Was dann tun?

Im Wartezimmer ändert der Vater derweilen seine Taktik: „Schau mal, da draußen fährt eine Bahn.“ Das Kind weint.

Ablenken – Fluch und Segen

Ablenken ist eine Taktik. Und sie kann auch wirklich hilfreich sein. Manchmal ist es gut, den Fokus von dem Schmerz wegzulenken. Auch das ist etwas, was Kinder lernen dürfen. Was ihnen später hilft, selbst den Fokus zu verändern.

Unerwünscht: die dunklen Gefühle

Aber im Trösten – wie auch im Ablenken – liegt auch eine Gefahr. Und zwar wenn wir das Gefühl unseres Kindes nicht aushalten können. Wenn wir immer trösten oder ablenken. Wenn das Gefühl des Kindes, die Traurigkeit, die Verletztheit, das Erschrockensein, die Wut, die Verzweiflung, wenn all das nicht da sein darf.

Gefühle sind real und Teil des Lebens

Wenn kleine Kinder weinen, ist das in der Regel nicht gespielt. Ein kleines Kind kann von der Untersuchung beim Arzt durchaus überfordert sein. Die Anspannung fällt vom Kind ab, wenn es aus dem Untersuchungsraum kommt: Es weint.

Weinen ist in diesem Fall eine Reaktion, um Stress im Körper abzubauen. Es ist eine Form, sich selbst zu regulieren.

Das passiert beim Trösten

Wenn wir nun – mit besten Absichten – das Kind mit den Worten „ist doch alles gut“ trösten, dann bringen wir Verwirrung in diese Selbstregulation.

Wir sprechen quasi dem Kind sein Gefühl ab. Das Kind fühlt sich gerade traurig oder überfordert, nur deswegen weint es. Wir aber sagen, es sei alles gut. Das erzeugt ein Dilemma im Kind.

Auf der einen Seite fühlt das Kind, dass es gerade traurig ist. Es weint. Auf der anderen Seite sagt der Vater, dass alles gut sei. Er möchte, dass das Kind aufhört zu weinen.

Dieses Dilemma, dieser Konflikt ist zusätzlicher Stress für das Kind. Wie kann es das auflösen? Es gibt zwei Möglichkeiten …

Entweder vertraut das Kind dem elterlichen Urteil: Damit entscheidet es sich aber gleichzeitig gegen sein eigenes Gefühl.

Oder das Kind vertraut seinem Gefühl – und entscheidet sich gegen die Eltern.

Was das Kind wirklich braucht

Das Vertrackte: Das Kind braucht beides. Es braucht die Sicherheit seinem eigenen Gefühl vertrauen zu können UND es braucht die Sicherheit den Eltern vertrauen zu können.

Das Dilemma lösen und gleichzeitig das Kind stärken

Die Lösung hört sich einfacher an, als sie ist: Wir nehmen das Kind einfach an – mit seinem Leid, seiner Verzweiflung oder seiner Wut. Das ist deswegen nicht so einfach, weil die meisten von uns schlicht nicht gelernt haben, jemand anders und seine Gefühle wirklich anzunehmen.

Die einfachste Art das Kind mit seinem Gefühl anzunehmen, ist dieses zu spiegeln. Das bedeutet, dass ich das, was ich sehe und fühle, meinem Gegenüber widerspiegle. Manchmal sind es aber auch nur Vermutungen …

Bei dem Kind, das weinend aus dem Arztzimmer kommt, könnte das so ganz simple aussehen: „Du bist traurig.“

Übrigens: Es kann gut sein, dass wir mit unserer Vermutung falsch liegen. Vielleicht ist das Kind gar nicht traurig, sondern wütend dass der Arzt es untersucht hat. Oder erschrocken oder die Anspannung fällt gerade von ihm ab. Vielleicht kann das Kind das Gefühl auch gar nicht benennen.

Wenn wir falsch liegen …

Wenn wir nicht richtig liegen mit unserer Vermutung, dann (ver)suchen wir einfach weiter: Wir bleiben am Kind und seinen Gefühlen dran. Notfalls sagen wir es auch, wenn wir nicht weiterwissen. Oder wir den Eindruck, das Kind weiß selbst nicht genau, was los ist: „Du weinst, weißt aber gar nicht wieso.“

Es geht darum, das Kind zu verstehen. Wenn wir uns so bemühen, am Kind und seinen Reaktionen und Gefühlen dran zu bleiben, hat das mehrere positive Effekte:

Das Geschenk an das Kind

Erstens spürt das Kind, dass seine Gefühle okay sind. Zweitens merkt es, dass wir an ihm interessiert sind. Drittens helfen wir ihm, diese Gefühle zu verstehen und sie zu benennen.

Zum Schluss: Dein Geschenk an dich

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Trösten oder Ablenken. Ich will dir nur einen neuen Blick auf die Reaktion deines Kindes geben. Mir hilft es immer wieder, mir erstens bewusst zu machen, was ich da tue – und weswegen ich das tue. Und zweitens mir bewusst zu machen, was meinem Kind gut tut.

Oft nämlich ist es so, dass ICH das Weinen nicht aushalte und deswegen das Weinen am liebsten abschalten möchte. Doch dann verpasse ich die Gelegenheit zu schauen, weshalb ich das Weinen nicht aushalte.

Nehme ich hingegen mein Kind in diesem Moment mit seiner Traurigkeit und seinem Weinen an, dann mache ich mir auch selbst ein Geschenk: Denn indem ich den anderen, in dem Fall das Kind, annehme, nehme ich auch mich an.

Meditation in der Kita: 4 Übungen zur Achtsamkeit

Meditation in der Kita. Zeichnung eines Kindergartens mit einem Kind, das meditiert.Meditation mit Kleinkindern in der Kita? Geht das? Aber ja – wenn man weiß wie: Auf die Haltung kommt es an! Dazu 4 praktische Übungen zur Achtsamkeit, die schon mit kleinen Kindern in der Kindertagesstätte oder im Kindergarten funktionieren.

Viele Kinder können sich heute schlechter konzentrieren, sind unruhig oder sogar auffällig. Dass mehr Ruhe, eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit und mehr Empathie allen Kindern gut tun würde, leuchtet den meisten Erzieherinnen, Pädagogen und Eltern ein. Meditation und Achtsamkeitstraining helfen diese Fähigkeiten zu entwickeln. Dennoch bleiben Zweifel …

 Nur wie bringe ich einem Kind, das unruhig ist, Ruhe bei?

Dazu kommen die Herausforderungen in der Kindertagesstätte: Altersgemischte Gruppen mit teilweise sehr kleinen Kindern bedürfen eine ganz andere Herangehensweise als eine Gruppe Vorschulkinder. Und wie ist das in inklusiven Kita-Gruppen mit Kindern mit Förderbedarf? Ist es unter diesen Umständen überhaupt möglich Stille zu lernen?

Ich habe schon Stuhlkreise begleitet, die 45 Minuten gedauert haben – und das in einer altersgemischten inklusiven Gruppe! Der jüngste Teilnehmer war 1,5 Jahre alt. Das können Sie auch. Okay, aber Sie müssen nicht.  😉 Das ist das Schöne, was Meditation und kindliche Entwicklung vereinen: Je weniger Muss, desto mehr spielerisches Entdecken.

Was ist Meditation?

Ich verstehe unter Meditation die Fähigkeit meine eigenen Gedanken, Gefühle und Körperwahrnehmungen zu beobachten. Meine Gedanken sind dann noch da, aber ich werde von ihnen nicht mehr vereinnahmt. Meine Sorgen sind noch da, aber sie reißen mich nicht fort.

Achtsamkeit zu üben ist dabei ein Teil des Weges der Meditation.

Auch wenn Meditation Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration und Empathie schult – es ist nicht das oberste Ziel. Tatsächlich hat Meditation kein Ziel in dem Sinne. Es geht vor allem darum, einfach zu sein. Jetzt. Ohne etwas zu wollen. Einfach im Moment bleiben.

Meditieren bedeutet: Ich bin da. So wie ich bin. Mit all meinen Sorgen, Gedanken, Hoffnungen, Schmerzen und Gefühlen.

Meditation und Achtsamkeit zu üben hilft mir also im Moment zu sein. Ganz im Hier und Jetzt. Jetzt kommt das Spannende: Diese meditative Erfahrung ist der natürliche Zustand von Kindern.

Kinder, Spiel, Flow und Meditation

Wenn Kinder spielen, versinken sie ganz im Spiel. Wenn sie laufen, dann laufen sie. Sie sind im Flow. Kinder können und kennen also schon einen ganz wesentlichen Aspekt von Meditation!

Wenn wir Kinder also in Achtsamkeit und Meditation unterstützen wollen, dann ist es hilfreich ihre Bewegungsfreude und ihren Spieltrieb zu berücksichtigen.

Das Geschenk der Kinder – und das Geschenk der Erwachsenen

Das ist übrigens auch das Geschenk, das Kinder uns Erwachsenen machen können – seien wir nun ihre Eltern, ihre Erzieher oder ihre Lehrer: Ganz im Moment zu sein und sich im Spiel zu vertiefen!

Kinder sind sich aber meist dieser Fähigkeit nicht bewusst. Das unterscheidet sie von uns Erwachsenen. Und das ist, was sie von uns lernen können: Die Fähigkeit Dinge bewusst zu tun. Zum Beispiel bewusst innezuhalten.

Was braucht es für Meditation und Achtsamkeit mit kleinen Kindern?

Wenn wir Kinder in die Stille und Achtsamkeit führen wollen, brauchen wir drei Dinge:

  1. Das Wissen, dass Kinder einen hohen Bewegungs- und Spieldrang haben – und dass dies eine ihre natürlichen Kompetenzen ist, in den meditativen Zustand zu kommen! Meditation für Kinder sollte Bewegung und Spiel berücksichtigen.
  2. Wir brauchen selbst einen ruhigen Pol, von dem wir aus üben können. Achtsamkeitstraining und Meditation hilft selbstverständlich Erziehern, Pädagogen und Eltern langfristig im Umgang mit Kindern ruhig zu bleiben. Aber es geht mir um etwas anderes:Für das Üben mit den Kindern reicht es, wenn wir uns in einen absichtslosen Zustand versetzten: Also zu wissen, dass die Meditation mit Kindern nicht perfekt sein muss. Wir erwarten nicht, dass Zweijährige eine halbe Stunde still im Lotussitz sitzen – noch nicht einmal 1 Minute 😉 Wir erwarten nichts, sondern sind gespannt, was passiert!
  3. Wir machen diese Übung selbst achtsam: Achtsam uns und den Kindern gegenüber! Sobald wir merken, dass die Aufmerksamkeit einzelner Kinder sich verändert, passen wir die Übungen an oder beenden sie.

Wir wollen mit Achtsamkeitsübungen und Meditation weder uns noch die Kinder überfordern. Im Gegenteil: Wir wollen uns herausfordern, gemeinsam etwas erleben, teilen und lernen – und das geht am besten mit Spiel und Spaß.

Links

Die Spiele habe ich aus diesem, wie ich finde sehr hilfreichen Blogartikel (Englisch) 14 effective Meditation with Children.

4 Übungen für Achtsamkeit in der Kita

Diese Übungen sind wie gesagt sehr spielerisch, ich habe mich an den Vorschlägen des australischen Yoga-Lehrers Gopala Amir-Yaffe orientiert (der Link zu seinem englischsprachigen Blogartikel mit vielen weiteren Spielideen steht am Ende). Sie brauchen für die Übungen eine kleine Glocke und eine Klangschale. Sie können die Übungen gut in Ihren Morgen- oder Stuhlkreis einbauen.

  1. Das Fest der Tiere (bewegtes Spiel)
    Jedes Kind wählt ein Tier, das es darstellt. Dann laufen, springen, schlängeln sich die Tiere durch den Raum. Dabei brüllen, knurren und fauchen sie – bis die Klangschale ertönt. Dann erstarren alle Tiere zu Fels. Erst wenn der Ton der Klangschöne verklungen ist, erwachen die Tiere wieder zum Leben.Wie die Übung funktioniert: Die Kinder können sich zuerst ausdrücken und müssen gleichzeitig auf den Ton der Klangschale hören. Dann geht es darum, die Stille und Unbeweglichkeit auszuhalten, bis der Ton verklungen ist.
  2. Die stille Glocke
    Zuerst wandert die Glocke im Kreis von Kind zu Kind, wobei jedes Kind die Glocke einmal klingelt. Im zweiten Durchgang wandert die Glocke still durch den Kreis. Der erste Durchgang ist vor allem für kleinere Kinder gedacht. Manche können nämlich der Versuchung zu klingeln nicht widerstehen. Mit Vorschulkindern können Sie auch direkt die stille Variante durchspielen.
  3. Die Glocke ruft dich
    Eine Abwandlung von Plumpsack: Alle Kinder sitzen mit geschlossenen Augen im Kreis (das allein kann für einige Kinder schon eine Herausforderung sein…). Ein Kind geht mit der Glocke herum, tritt neben ein Kind und läutet leise an seinem Ohr. Jetzt tauschen diese beiden Kinder die Plätze. Das neue Kind nimmt die Glocke und geht weiter. Am Ende öffnen alle Kinder die Augen wieder. Jetzt können sie erkennen, dass alle ihren Platz getauscht haben.
  4. Wer ist am stillsten?
    Alle Kinder gehen oder rennen durch den Raum. Wenn die Klangschale ertönt, bleiben sie stehen und „frieren ein“. Wer kann am längsten still sein? Die Kinder, die sich bewegen oder etwas sagen, scheiden aus und setzen sich hin. Diese Übung eignet sich für das Ende, wenn die Kinder schon ein wenig mit dem Stillsein geübt haben. Es ist auch hilfreich, wenn Kinder sich Raum und Aufmerksamkeit verschaffen. Der Vergleich spornt manche der lauten Kinder tatsächlich an, plötzlich möglichst lange leise zu sein.

Tipps um Achtsamkeit & Meditation in der Kita zu üben

  • Sehr aufmerksam auf die Kinder schauen: Wann lässt ihre Aufmerksamkeit nach, wann braucht welches Kind was?
  • Wechsel von Bewegung und Stille: Es gibt ruhige Spiele (Die stille Glocke) und es gibt eher bewegte Spiele (Fest der Tiere). Die Spiele verlängere, verkürze oder wechsle ich, so wie es gerade jetzt für die Kinder gut ist.
  • Unperfekt ist perfekt: Nicht alle Kinder machen bei allen Spielen mit, manche sind zurückhaltend, andere wild. Meine Idee von einer durchgehend stillen kontemplativen Atmosphäre loszulassen, ist meine Herausforderung. So kann ich entspannt die Dynamik der Kinder sehen und zulassen.
  • Spiel statt Übungen: Ich spreche den Kindern gegenüber erst einmal nur von Spielen. Fürs Spielen sind Kinder fast immer zu begeistern J (Die Worte Meditation, Achtsamkeit oder Übung lasse ich später und spärlich einfließen.)
  • Einbinden in bestehende Routinen: Wenn es in der Kita bereits einen Stuhlkreis oder Morgenkreis gibt, dann würde ich dort die Spiele einbringen.
  • Auspowern lassen: Es hilft, wenn Kinder sich vor den Achtsamkeits-Spielen schon bewegt haben. Zum Beispiel wenn sie vorher draußen im Garten waren.
  • Übung macht den Meister: Je öfter und regelmäßiger wir etwas üben, desto besser prägt es sich uns ein – das gilt natürlich auch für das Üben von Achtsamkeit. 🙂

 

So, jetzt sind Sie dran! Legen Sie los und probieren Sie es aus. Ich bin gespannt, wie es für Sie und Ihre Kinder ist. Wie sind Ihre Erfahrungen? Haben Sie Fragen? Schreiben Sie mir. Ich freue mich, über Ihre Erlebnisse!


 

Spielzeugreduziert: Wie viel Spielzeug brauchen Kinder wirklich?

Spielzeugreduziert – Gastpost von Julia Strohmer

Gastbeitrag von Julia Strohmer  

Gerade nach Weihnachten gehen Kinderzimmer in der Spielzeugflut unter. Viele Eltern fragen sich: Ist das gut? Und Welches Spielzeug ist altersgerecht? Die Pädagogin Dr. Julia Strohmer lebt spielzeugreduziert und erklärt, wie es geht.

Vor Weihnachten werden Kataloge geblättert, Wunschzettel geschrieben und gehofft, dass das ersehnte Feuerwehrauto, das Buch oder die Playstation unterm Weihnachtsbaum liegen. Natürlich machen Eltern, Verwandte und Freunde Kindern gerne Geschenke, freuen sich über die leuchtenden Augen und die begeisterten Rufe – doch seien wir einmal ehrlich: Oft hält der Zauber nicht lange an, das so dringend gewünschte Spielzeug landet unbeachtet im Eck – dort, wo schon gefühlt hundert andere Sachen ihr Dasein fristen. Doch wie der Spielzeugflut Herr werden? Erst einmal hilft ein Blick auf die Bedürfnisse der Kinder:

Baby: Die Welt begreifen

Bereits für Babys ist das Spielzeugangebot praktisch unüberschaubar. Dabei brauchen Babys nicht viel, um alle Fähigkeiten entwickeln zu können, die in diesem Alter anstehen: greifen, Hand-Auge-Koordination, erstes sortieren, einräumen/ausräumen, Ursache-Wirkung …

Dafür benötigt ein Baby oft nur simple Alltagsgegenstände: ein Tuch (später mit Knoten darin), das es gut greifen kann, ist für das Kind genauso spannend wie ein Schnuffeltuch mit Tierkopf, ein Holzkochlöffel oder Holzringe aus dem Bastelladen. Eine Kette aus großen Holzperlen bieten die selben Erfahrungen wie ein Holzgreifling und zum Ein- und Ausräumen finden Krabbelkinder im Wohnbereich allerhand – dafür benötigt es keine vorgefertigten Spielzeuge. Soll es etwas Bestimmtes, nur für das Kind sein, tut es ein Korb mit Holzwäscheklammern oder Holzringen auch.

Anziehend sind für Babys vor allem die bunten Farben der Plastikspielzeuge weniger die Haptik. Aber Spielzeuge, die bei kleinster Berührung blinken und Musik erzeugen, sind mehr Reizüberflutung als das Kinder dabei Ursache-Wirkungszusammenhänge verstehen – ein einfacher Hampelmann bringt da einen größeren Erfahrungswert.

Kleinkind: erst Alltag nachspielen, später konstruieren

Im zweiten Lebensjahr beginnt die „richtige“ Spielphase. Kinder fangen an mit Objekten zu spielen und erste „als-ob-Spiele“ und die Sprachentwicklung stehen auf dem Entwicklungsplan. Hierzu eignen sich eine Spielküche, ein Kaufmannsladen, usw.

Natürlich können Kinder es auch einfach nebenbei lernen, wenn sie beim Kochen zuschauen oder helfen oder wenn man mit ihnen einkaufen geht. Die Möglichkeit selbstbestimmt (möglichst gefahrlos) etwas nachzuspielen, hat aber einen gewissen Mehrwert.

Dasselbe ist dann im vierten Lebensjahr der Fall, wenn das Konstruieren anfängt. Kinder suchen sich ihre Materialien auch im Park oder Wald oder auch in der Küche und das hat für sie einen großen Wert. Aber auch Bausteine, Lego oder eine Holzeisenbahn bieten viele Möglichkeiten, die ich keinem Kind vorenthalten möchte.

Spielzeugwahl: Qualität vor Quantität

Bei der Spielzeugwahl sollte immer die Qualität vor der Quantität stehen. Besser wenige hochwertige Bausteine als 500 Stück, die nicht ordentlich verarbeitet sind und deshalb nicht gut zu stapeln sind. Die Grundfrage bei jedem Spielzeugkauf sollte sein: wofür interessiert sich mein Kind? Was sind die aktuellen Entwicklungsthemen und welches Spielzeug oder Material ist dafür bestmöglich geeignet?

Foto eines unordentlichen Kinderzimmers. Text: Wie des Spielzeugs Herr werden?

Wie kann ich mit Kinderwünschen umgehen?

Ab dem Alter von etwa drei Jahren fangen Kinder an sich konkretes Spielzeug zu wünschen. Oft entsteht der Wunsch nur aufgrund eines Bildes in einem Katalog oder aufgrund der Verpackung und den Bildern darauf.

Beteiligen Sie Ihr Kind!

Am besten fragen Sie Ihr Kind, was es konkret damit spielen möchte. Nicht selten stellt man dabei fest, dass das Kind gar nicht weiß, was es sich da eigentlich wünscht. Oft bleibt am Ende nur das Thema erhalten (z.B. Autos) und das Kind möchte kein riesiges Parkhaus, sondern nur neue Autos oder ganz bestimmte Autos.

Manchmal wünscht sich ein Kind auch etwas, das es bei anderen Kindern schon gesehen und verwendet hat. Um herauszufinden, ob die Spiellust erhalten bleibt, kann man dieses Spielzeug vielleicht ausborgen. So kann man ein wenig einschätzen, ob es nur der Reiz des Neuen war, oder ob ein Kind längerfristig Freude daran finden könnte.

Lassen Sie Ihrem Kind seine Erfahrung

Auch wenn es schwerfällt: Gehen Sie nicht nur nach Ihren Maßstäben. Kindern gefallen oft andere Materialien oder Farben. Eltern müssen nicht jedes Spielzeug sinnvoll finden, mit denen Kinder gerne spielen. Es ist für Kinder auch ein Erfahrungswert festzustellen, dass Plastikteile leicht abbrechen können und Holz vielleicht robuster ist. Oder sie merken selber, dass sie ein Spielzeug plötzlich nicht mehr brauchen, was sie wenige Tage vorher unbedingt wollten.

Spielzeugfreie Phasen statt komplett spielzeugfrei

Ich bin nicht gegen Spielzeug. Ich finde spielzeugfreie Phasen wie im Wald oder wenn im Urlaub nicht viel zur Verfügung steht, sehr wichtig. Aber ich sehe auch den Mehrwert, den einige kommerzielle Spielzeuge mit sich bringen. Das, was ich bedenklich finde, ist der Überfluss, wenn Kinder vor lauter Auswahl gar nicht mehr die Möglichkeit haben richtig im Spiel zu versinken (und damit zu lernen), weil sie immer von A nach B hetzen, alles anfangen und oftmals keinen Überblick mehr darüber haben, was sie überhaupt alles besitzen.

Mein Geständnis: Auch wir haben viel zu viel

Auch wenn ich als Pädagogin das alles weiß, haben meine Kinder (in den Augen von meinem Mann und mir) viel zu viel Spielzeug. Alleine für das oben beschriebene erste Lebensjahr besitzen wir zwei große Kisten Spielzeug, von dem das meiste Geschenke von Verwandten und Freunden sind.

Es ist das, was ich als „Mitbringfalle“ bezeichne. Fast jeder, der zu uns auf Besuch kommt, sei es länger oder nur zum Mittagessen, bringt den Kindern etwas mit – es sei ja nur eine Kleinigkeit. Und schon füllen sich die Regale – und der Dachboden, denn wir besitzen mittlerweile beispielsweise zwei Memoryspiele oder drei Wackelmännchen.

Geschenke, die sich verbrauchen

Vielleicht kann man Besuch anhalten, dass vor allem Dinge geschenkt werden, die ständig verbraucht werden: zum Beispiel Zeichenblöcke, Papiere oder andere Materialien zum Basteln (Pfeifenputzer, Perlen, Wolle, Garn,…), Stifte, Malfarben und Pinsel, Straßenkreiden, Klebeband, Bastelkleber, usw. Darüber freuen sich Kinder genauso und es entsteht nicht der Spielzeugüberfluss.

„Für Kinder ist nun mal Spiel ihr Leben.“
Julia Strohmer

Wir, als Eltern, handhaben es so, dass unsere Kinder (mit ganz wenigen Ausnahmen, dann sind es vor allem Bücher) nur etwas zu besonderen Anlässen (Geburtstag und Weihnachten) geschenkt bekommen und dann auch nur ein Stück. Wenn nämlich jeder Verwandte ein Stück schenkt, kommt selbst in einer kleinen Familie genug zusammen.

Bild eines ordentlichen Kinderzimmers. text: Spielzeugreduziert: wenn weniger, mehr ist.

Was ist spielzeugfrei und spielzeugreduziert?

Gerade die Weihnachtszeit ist neben Geburtstagen oft die Zeit, in der viel Neues hinzu kommt. Vielleicht ist es aber auch eine Gelegenheit auszumisten? Deshalb möchte ich jetzt noch ein wenig zum Ansatz des spielzeugfreien bzw. spielzeugreduzierten Kinderzimmers schreiben.

Spielzeugfrei: Kein kommerzielles Spielzeug!

Spielzeugfreie Kinderzimmer sind frei von kommerziellen Spielzeugen. Kinder haben Spielmaterialien (z.B. Holzlatten und Holzklötze, Kork, Toilettenpapierrollen, Papier, Seile, Stoff/Tücher, Holzperlen, Holzringe, Körbe, usw.), die sie frei nutzen können. Sehr oft ist dies auch in Verbindung mit Naturmaterialien: Steine, Kastanien, Rinde, Moos,….

Spielzeugreduziert: Nicht immer alles

Spielzeugreduziert leben bedeutet, dass die Kinder Spielzeug und Spielmaterialien haben, aber nicht immer alles zur Verfügung steht. Es gibt dabei sehr unterschiedliche Ansätze: Die einen sagen, es gibt immer 3 Spielzeuge pro Kind (z.b. Autokiste, Puppe und Lego) und das wird alle 14 Tage gewechselt.

Es gibt Familien, die sagen, es kann mehr sein, Hauptsache es wird genutzt und gewechselt wird nach Bedarf. Es gibt Familien, bei denen sind Gesellschaftsspiele und Bastelmaterialien ausgeschlossen und somit immer verfügbar, usw. Hier gilt es seinen eigenen Weg zu finden. Wie das aussehen kann? Lesen Sie hier meinen Erfahrungsbericht.

Spielzeugreduziert leben – ein Erfahrungsbericht

Wie bereits geschrieben, hatten meine Kinder (4 und 2 Jahre, sowie 5 Monate) einfach zu viel Spielzeug. Das Aufräumen war immer ein Gewaltakt und oft mit Tränen verbunden – das wollte ich so nicht mehr. Ein Plan musste her.

1. Einfach mal beobachten

Zunächst habe ich beobachtet, welche Spielzeuge tatsächlich genutzt werden und welche Sachen nur ausgeräumt werden, aber nicht bespielt. Eigentlich wollte ich mir 14 Tage Zeit geben und immer abends notieren, was die Highlights des Tages waren. Die Notizen schienen mir sinnvoll zu sein, weil ich die Idee hatte, dass die Kinder vielleicht andere Dinge gerne bespielen als die Sachen, die mir besonders gut gefallen würden. Bereits nach fünf Tagen war die Lage so eindeutig, dass ich die Beobachtungsphase beendete.

2. Ordnung schaffen

Nun brauchten wir ein System, wie wir die nicht genutzten Spielsachen so verstauen können, damit sie trotzdem jederzeit wieder hergeholt werden können. Wir haben auf dem Dachboden Regale aufgestellt und die Spielsachen sortiert in beschriftete Kisten untergebracht. So gibt es nun Kisten mit Handpuppen, Lego, Playmobil, Puzzle, Fädelspiele, usw.

 3. Die Spielumgebung gestalten

Jene Spielmaterialien, die verbleiben durften, wurden neu platziert. Die meisten Spielmaterialien sind bei uns im Wohnzimmer. Es ist der zentrale Raum im Haus und dort findet das meiste Familienleben statt und für Kinder ist nun mal Spiel ihr Leben. In jedem der drei Regale haben die Kinder die untersten zwei Fächer für sich zur Verfügung. Dort wurden die Sachen nun in offenen Körben oder lose einsortiert (je nachdem um was es sich beim Spielmaterial handelt).

Außerdem haben die Kinder noch große Kisten mit Duplo, Kapla, Bausteinen und einer Holzeisenbahn. Das Spielzelt als Rückzugsort oder für Rollenspiele steht ihnen auch im Wohnzimmer zur Verfügung, eine Spielküche und ein Maltisch im Küchen-Essbereich.

4. Rückblick: Wie viel Spielzeug haben die Kinder nun?

In den Regalen ist nicht viel geblieben. Aktuell hat jedes Kind drei Puzzle (das ist momentan eine ihrer Hauptbeschäftigungen, deshalb die etwas größere Auswahl), es gibt einen Korb mit Tüchern und einen mit Seilen, außerdem ein paar Verkleidungen. Sie haben eine Schachtel mit Knöpfen und Becher mit Schraubdeckel. Oft werden da die Knöpfe eingefüllt. Außerdem gibt es eine Puppe und zwei Steckspiele sowie ein Memory. Bücher haben wir zugegeben wirklich viele (wobei wir da auch tauschen), einfach weil beide Kinder Bücher lieben (zum Anschauen und Vorlesen).

Bild eines aufgeräumten Regals in einem spielzeugreduzierten Haushalt. Text: Die Auswahl zu reduzieren, erhöht die Kreativität

Prinzipien zu spielzeugreduziert

Durchsucht man das Internet nach diesem Thema, so findet man viele „Anleitungen“ wie man spielzeugfrei oder spielzeugreduziert leben kann. Es gibt genaue Konzepte wie viele Spielmaterialien ein Kind haben darf (z.B. je Kind drei Sachen) und in welchem Rhythmus Spielmaterial ausgetauscht werden soll (z.B. alle zwei oder vier Wochen).

Mir war das alles zu starr und eigentlich empfand ich es auch unlogisch, warum es genau drei Sachen sein sollen und warum es in einem genauen Rhythmus getauscht werden soll. Mir geht es nicht um möglichst leere Regale, sondern darum, dass die Dinge, die zur Verfügung stehen, auch bespielt werden. Sollen es halt einmal zehn Sachen sein und einmal nur fünf Sachen.

Schon alleine dadurch, dass die Dinge im Regal nebeneinander und nicht aufeinander liegen, ist der Platz natürlich beschränkt. Kinder im Kindergartenalter ordnen jedoch die Dinge nebeneinander an. Etwas zu stapeln entspricht der Ordnung älterer Kinder/Jugendlicher und Erwachsener.

Der Wechsel erfolgt bei uns nach Bedarf nicht nach dem Kalender

Gewechselt wird immer dann, wenn ich merke, dass Dinge nicht mehr bespielt werden und nur herumstehen. Einmal ist das nach drei Wochen der Fall, einmal nach zehn Tagen. Mein vierjähriger Sohn äußert nun bereits selbst Wünsche, wie dass er ein bestimmtes Spielzeug unbedingt vom Dachboden braucht. Oder auch dass er etwas nicht mehr haben möchte und es gerne weg kann.

Ansonsten beobachte ich vor allem was die Kinder mit bestimmten Materialien und Spielsachen machen und biete dann Dinge an, die mir passend erscheinen. Wird etwas nicht gut angenommen, kommt es auch schon mal nach einer Woche wieder weg.

Unsere Ergebnisse des Projekts spielzeugreduziert

1. Ergebnis: Das Spielverhalten wandelt sich

Das Spiel der Kinder wurde wieder ruhiger, konzentrierter und tiefer. Sie verweilen länger bei einer Sache und probieren mit einem Spielmaterial auch sehr viele Varianten aus. Das Spiel wird somit auch kreativer. Mein Sohn klagt weniger über Langeweile, als würde er nun besser wahrnehmen können, was man alles machen kann.

2. Ergebnis: Unser Haus ist ordentlich

Die Übersichtlichkeit hilft nicht nur den Kindern ins Spiel zu finden, sondern es ist nun eine Leichtigkeit Ordnung zu halten. Aufräumen dauert selten länger als zehn Minuten, eine Zeitspanne, die auch ein Kind im Kindergartenalter gut bewältigen kann. So bleibt natürlich auch mehr Spielzeit übrig.

3. Ergebnis: Aufräumen geht viel schneller

Selbst als wir Besuch hatten und vier Kinder im Alter von anderthalb bis fünf Jahren mit den Spielsachen „auskommen“ sollten, gab es keine Probleme. Fünf Stunden lang wurde ausgiebig gespielt – zehn Minuten gemeinsam aufgeräumt.

Und wenn ich jetzt so diese Zeilen schreibe und ein wenig die letzten Tage Revue passieren lasse, so meine ich, dass es an der Zeit ist, wieder ein wenig zu räumen und zu tauschen.

Porträt Julia StrohmerJulia Strohmer
Julia Strohmer ist Pädagogin aus Überzeugung – angefangen als Erzieherin hält sie mittlerweile einen Doktortitel für Pädagogik. Außerdem ist sie selbst Mutter. Sie bloggt unter erziehungsfragen.lu, wo sie unter anderem auch Online-Kurse zu den Themen Geburtsvorbereitung, Baby und Kleinkind anbietet.

PS: Ein paar Tipps zum Ausmisten habe ich auch schon mal im Blogpost Wie viel Spielzeug ist sinnvoll? erwähnt.

Bildnachweise:

Sketchnote: Christopher End
Foto 1: Nathan CC BY 2.0
Foto2&3: Julia Strohmer

Neue Weihnachts-Wichtel-Geschichte

Weihnachts-Wichtel-Geschichte

Pünktlich zum Fest gibt es die neue Geschichte mit Ribbelwitsch, dem tollpatschigen Weihnachtswichtel.

Dieses Jahr will Ribbelwitsch alles richtig machen. Noch einmal darf das Weihnachtsfest nicht in Gefahr geraten. Und der Weihnachtswichtel weiß schon, wie er diesmal alles schafft. Doch dann kommt ein unerwarteter Gast …

Ein ungebetener Gast am Weihnachtsabend

Bisher hat Ribbelwitsch folgende Abenteuer erlebt:

Ein Weihnachtswichtel im Sommerurlaub

Unglück am Weihnachtsabend

Familientipp Köln: Mittelalter-Ausstellung – mit Comic!

Familien-Tipp: Mittelalter-Ausstellung in Köln Die kalte Jahreszeit ist Museumszeit. Und das Museum Schnütgen in Köln bietet eine Mittelalter-Ausstellung an, die auch große Kinder und Jugendliche begeistert: Denn es gibt einen Comic-Workshop!

Ein diamantbesetztes Kreuz, eine handgeschriebene Bibel oder ein gesticktes Einhorn – das Museum Schnütgen zeigt Schätze und Schätzchen aus dem Mittelalter, die sonst die meiste Zeit im Depot des Museums ruhen. Aus gutem Grund. Sind manche Ausstellungsstücke doch äußerst lichtempfindlich. Wie das Messgewand aus byzantinischer Purpurseide, das aus dem Grab des Kölner Erzbischofs Anno stammt und ungefähr 1.000 (!) Jahre alt ist.

Der Comic zur Ausstellung

Das Tolle: Es gibt einen Comic zur Ausstellung! Die Geschichte: Im Jahr 1515 hilft der Wandergesell Jacob im Kloster St. Cäcilien in Köln aus, wo er auf die angehende Nonne Brid trifft. Eine zarte Liebesgeschichte entspannt sich. Nebenbei erzählt der Comic von Ralf Marczinczik in detailreichen, prachtvoll kolorierten Bildern anschaulich aus dem 16. Jahrhundert.

Der Comic ist allerdings mehr als wunderschönes Begleitbuch, sondern Einladung die Ausstellung spielerisch zu entdecken. So sind in der Geschichte verschiedene kleine Aufgaben eingebaut, bei denen der Leser zum Beispiel das Siegels des Klosters in Jacobs Walzbuch stempeln kann.

Comic Kristall und Rauch Museum Schnütgen

Ansprechender Comic, oder Graphic Novel, mit kleinen Mitmach-Aufgaben.

Der Workshop: Comic selber zeichnen

Jeden Sonntag gibt es während der Sonderausstellung einen Comic-Workshop, indem junge und junggebliebene Menschen selbst einen Comic entwickeln können.

Die ganze Ausstellung ist ein wundervolles Angebot, das auch und gerade Familien mit großen Kindern anspricht. Hut ab.

Expedition Mittelalter. Das verborgene Museum Schnütgen

Comic Kristall und Rauch Museum Schnütgen Die Ausstellung „Expedition Mittelalter. Das verborgene Museum Schnütgen“ geht noch bis zum 28. Januar 2018. Spannendes ergänzendes Material, Texte, Bilder und vor allem einige kurze Videos, gibt es auch online:

http://www.museum-schnuetgen.de/Expedition-Mittelalter

Die offenen Comic-Workshops finden jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr statt und richten sich an Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene. Thema und Referentinnen der Workshops wechseln laufend.

Für Kinder ist der Eintritt frei.

 Exponate Mittelalter Ausstellung Museum Schnütgen

Bildnachweis

Minnekästchen, 2. Hälfte 14. Jh., Museum Schnütgen: © Rheinisches Bildarchiv, Köln/M. Mennicken
Jean de Mandeville, Reisen, Druck: Straßburg 1484, Museum Schnütgen: © Museum Schnütgen
Comic: © Ralf Marczinczik / Museum Schnütgen
Reliquienkreuz mit Stifterinschrift, Westfalen, um 1400: © Rheinisches Bildarchiv, Köln/P. Schwarz

 

Überforderte Eltern: Was mache ich, wenn nichts mehr geht?

Überforderte Eltern – Was hilft, wenn nichts mehr hilftDoppelte Herausforderung Job und Familie – nicht wenige Eltern fühlen sich überfordert. Wenn gar nichts mehr geht, helfen mir folgende drei Dinge.

Wer je nachts zum dritten Mal übermüdet ein schreiendes Baby im Arm hielt, obwohl er am nächsten Tag einen beruflichen Termin hatte, beginnt zu ahnen dass ein Kind nicht einfach ein weiteres Projekt ist, das sich mit der richtigen Strategie optimieren lässt.

Kinder bringen uns an unsere Grenzen – das ist gut, solange es uns herausfordert und wir dadurch wachsen können. Es schadet uns, wenn es uns überfordert!

3 Schritte für Eltern, um sich aus der Überforderung zu lösen

Wenn wir als Eltern an unsere Grenzen gestoßen sind, haben uns folgende drei Dinge geholfen – die Reihenfolge ist dabei nachrangig:

  1. Verständnis: verstehen und nachsichtig sein
  2. Handeln: energisch um Hilfe bitten
  3. Reflektieren: Grundsätzliches verändern

1. Verständnis: verstehen und nachsichtig sein

Mit Verständnis meine ich zwei Dinge: Zum einen verstehen, weshalb es mir – und vielen anderen Eltern – so schlecht geht. Und zum anderen nachsichtig mit mir sein, wenn ich (aus diesen oder andern Gründen) an meine Grenzen stoße.

1.1. Eltern brauchen das Dorf

Ich finde es hilfreich zu verstehen, dass wir als Menschen nicht dafür gemacht sind, so zu leben wie wir zurzeit leben. Wir brauchen – wie Susanne Mierau schreibt – das Dorf, den Clan. Millionen Jahre hat der Mensch in überschaubaren Familienverbänden gelebt.

Im Clan war für jeden gesorgt

Kinder waren im Clan immer dabei: Erst trugen Eltern ihre Babys, dann liefen die Kinder mit ihren Eltern mit, halfen das Essen zuzubereiten, später mit zu sammeln und zu jagen. Waren sie noch nicht groß genug, um zum Beispiel mit auf die Jagd zu gehen, kümmerten sich andere Stammesmitglieder um sie – die älteren Kinder oder die Alten. So war jeder eingebunden und für jeden gesorgt.

Die Schattenseiten der Moderne: Überforderte Eltern

Heute fehlen nicht nur die Großfamilienstrukturen, die uns auffangen. Kinder aufzuziehen ist zwei, manchmal nur noch einem Erwachsenen überlassen. Auch erlauben uns die wenigsten Berufe oder Arbeitgeber unsere Kinder mit auf die Arbeit zu nehmen. Kinder können nicht mehr einfach dabei sein, wenn Erwachsene ihr Tagwerk tun, sondern müssen betreut werden. Dazu kommt ein strikter Terminplan, der sich nach der Arbeitsorganisation richtet und nicht mehr nach den Bedürfnissen der Menschen.

Zurück in den Urwald? Neee …

So sehr ich diese Sehnsucht nach einer heilen Clan-Welt in einer natürlichen Umwelt in mir spüre, will – und kann – ich nicht zurück in den Urwald. Aber mir hilft ein Stück weit allein das Wissen, dass es unter anderem diese gesellschaftlichen Umstände sind, die das Elternsein heute so schwer machen. Ich verstehe, warum ich überfordert bin. Und ich sehe, dass es äußere Gründe gibt.

1.2. Verständnis wächst aus Verstehen

Mir hilft dieses Wissen. Es hilft mit dabei nachsichtiger mit mir selbst zu sein. Selbst wenn du meine Ausführungen bis hierher nicht teilst, so lege ich dir sehr nahe, dieses eine mitzunehmen: Sei nachsichtig mit dir selbst.

Viel zu oft fühlen sich Eltern schuldig. Suchen sie die Gründe für ihre Erschöpfung, ihr als Scheitern empfundenes Handeln nur bei sich selbst. Ich bin überzeugt, dass es beide Seiten gibt: Die gesellschaftliche und die persönliche.

Gelassenheit und Weitsicht

Die gesellschaftliche Seite zu ändern, wie die von mir sehr geschätzte Susanne Mierau hier fordert, ist wichtig. Aber das ist ein langwieriges Projekt. Eltern, die in der akuten Überforderung sind, brauchen auch sofort Hilfe. Zu wissen, was ich ändern kann und was nicht, ist wichtig, wie schon Reinhold Niebuhr in seinem Gebet über Gleichmut formulierte: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Der erste Schritt könnte also eine Erkenntnis in der Art sein: „Ich kann nicht mehr – kein Wunder, wenn ich das alles alleine stemmen soll. Ich muss jetzt gut für mich und meine Familie sorgen.“

Der Weg aus der Überforderung.

2. Handeln: Energisch um Hilfe bitten

„Störungen haben Vorrang.“ Diese Aussage von Ruth Cohn gilt selbstverständlich auch für Familien. Ruth Cohn war Psychologin und Mitbegründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI). In der TZI gibt es eine weitere zentrale Aussage, die ich hilfreich finde, und zwar das Postulat: „Sei deine eigene Chairperson.“ Also die Aufforderung sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für sich selbst einzusetzen.

Wenn meine eigenen Möglichkeiten erschöpft sind, dann empfehle ich dringend nach Hilfe und Unterstützung zu suchen – und zwar energisch! Bitte dein ganzes Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn oder Arbeitskollegen dich zu unterstützen oder zu entlasten. Allerdings: Um Hilfe zu bitten, ist manchmal einfacher gesagt als getan.

Grenzen überschreiten, um Grenzen zu retten

Gerade Menschen, die die Grenzen anderer sorgsam achten – vielleicht sogar besser als ihre eigenen Grenzen – , fällt es schwer „ich brauche dich“ zu sagen. Jetzt müssen sie ja unbequem werden und Grenzen überschreiten.

Wer um Hilfe bitte, zeigt auch seine Schwäche

Mit dem Um-Hilfe-bitten geht einher, dass ich meine eigene Überforderung anderen eingestehe. Davor schrecken viele zurück. Sie haben das Gefühl, es sei nicht angebracht über Scheitern oder Ängste zu sprechen.

Sich öffnen und zeigen birgt Gefahr und Chance

Wenn ich meine Ängste und Schwächen zeige, mache ich mich verletzlich. Deswegen ist es auch legitim und sehr sinnvoll zu schauen, wem ich mich wie weit anvertraue. Gleichzeitig ist das Öffnen immer auch eine Einladung. Jede Gefühlsregung zeigt mir mehr von dem anderen. Es bringt uns einander näher. Und genau das wollen wir doch.

Der Preis für Hilfe ist die eigene Maske

Wenn die Überforderung zu groß wird, würde ich immer den äußeren Schein opfern wenn ich dafür die Unterstützung bekomme, die ich brauche. Die Alternative wäre: Ich behalte die Inszenierung des perfekten Vaters oder Mutter aufrecht und leide weiter. So riskiere ich nicht nur, dass ich irgendwann zusammenbreche, sondern dass auch meine Kinder darunter leiden.

3. Reflektieren: Grundsätzliches verändern

Dieses energische Handeln ist wie eine Art Erste-Hilfe, die schnell Entlastung bringt. Manchmal reicht schon das eine Wochenende, an dem die Kinder bei den Großeltern sind. Es ist die kleine Pause, die wir brauchen, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Aber nicht immer reicht das aus.

Wenn wir nach der Pause zum Atemholen schnell wieder in die Erschöpfung gleiten, dann sollten wir etwas Grundsätzliches ändern. Mütter und Väter, die sich über längere Zeiträume überfordert fühlen, brauchen brauchen ein neues Alltagsgerüst. Ein Gerüst, das sie nicht überfordert, sondern stattdessen herausfordert und Raum für Ruhe bietet.

Wenn wir uns selbst im Weg stehen

Wenn wir immer wieder in die Überforderung kommen, dann steckt dahinter eventuell ein grundsätzliches Muster. Unter Umständen so tief, dass wir es selbst nicht erkennen.

Wenn die Gedanken kreisen

Einzelne Stellschrauben sind uns vielleicht bewusst, aber häufig drehen wir uns im Kreis, wenn wir überlegen, wo wir ansetzen sollen. Eine Mutter könnte zum Beispiel so nach einer Lösung suchen: „Ich flippe immer aus, wenn die Kinder so laut sind. Ich brauche mehr Zeit für mich, um ruhiger zu werden. Also muss ich entweder die Kinder länger betreuen lassen oder weniger arbeiten. Wenn ich die Kinder länger in der Betreuung lasse, dann sind sie noch mehr aufgedreht oder erschöpft. Dann bin ich wieder mehr gefordert. Also gehe ich weniger arbeiten. Dann zahle ich aber noch weniger in die Rente ein. Das stresst mich ja jetzt schon …“

Aus dem Gedankenkarussell aussteigen

Dieses Drehen der Gedanken und Sorgen heißt auch Gedankenkarussell. Es geht immer im Kreis, ohne dass sich etwas ändert. Das Gute: Daraus auszusteigen ist möglich! (Hier habe ich schon mal geschrieben, wie wir aus dem Gedankenkarussell aussteigen können.) Eine weitere Möglichkeit auszusteigen ist der Blick von außen.

Lösungsansatz: Der Blick von außen.

Der Blick von außen kann überraschend wirksam sein. Er bringt uns überhaupt erst auf die Idee, das Karussell zu verlassen, gibt uns den Mut abzuspringen oder hilft uns den Aus-Knopf zu finden.

Methode: Was sagt mein 90-jähriges Ich dazu?

Im Coaching heißt dieses Vorgehen auch Perspektivwechsel. Es hilft innerlich von der Situation zurückzutreten. Das geht zum Beispiel mit einer imaginären Zeitreise. Ich stelle mir vor, es ist 20, 30, 40, oder sogar 50 Jahre später und frage mich: „Wenn ich jetzt hochbetagt als 90jähriger auf die Situation zurückblicke, was war damals (also heute) wirklich wichtig?“

Solch einen Perspektivwechsel oder einen Blick von außen kann ich alleine auf mich werfen, mit meiner Partnerin oder einem guten Freund. Nicht immer braucht es gleich einen Coach, eine Beraterin oder einen Therapeut – aber wenn gar nichts mehr geht, dann hol dir professionelle Hilfe! Und wer sich das Geld dafür nicht leisten kann, es gibt auch gute kostenlose Angebote (z.B. bei Caritas oder Diakonie).

Das Wichtigste: Wenn du merkst, dass es nicht mehr geht, dann such dir bitte Hilfe. Die gute Nachricht: Es ist möglich, dass wir uns ändern!

Gefahr Attachement Parenting!?

Attachment Parenting oder bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung ist eine wunderbare Sache, davon bin ich überzeugt. Dennoch mehrten sich dieses Jahr hierzulande Stimmen von Eltern, die sagten, dass Attachment Parenting sie überfordert. (Eine Diskussion, die in den USA übrigens schon eine ganze Weile geführt wurde.)

Attachment Parenting: Immer alles richtig machen?

Kinder in einer möglichst perfekten Welt aufwachsen zu lassen, ist unmöglich – auch wenn diese perfekte Welt Attachement Parenting heißt. Weshalb gerade Attachment Parenting im Einzelnen zur Falle werden kann, darüber wurde schon viel an anderer Stelle geschrieben. Ich finde es sehr beruhigend zu wissen, dass es für eine sichere Bindung ausreicht, dass die Eltern zu 30% auf das Baby eingestimmt sind. Es reicht also, wenn wir es zu 30% „richtig“ machen!

Chance Attachement Parenting und achtsames Elternsein

Ich denke, dass bindungs- und bedürfnisorientiertem Erziehen immer noch ein großes Geschenk sein kann – wenn wir die Bedürfnisse von Kindern UND uns Eltern beachten. Deswegen spreche ich gerne von achtsamen Elternsein. Wir müssen auf beide achtgeben: Kinder und Eltern.

Gastbeitrag: Wie Familienkonferenzen helfen, dass unsere Kinder kooperieren!

Zeichnung einer Familie. Text: Familienkonferenz

Gastbeitrag von Annamaria Fisler

Die Familienkonferenz, auch Familienrat genannt, ist eine Möglichkeit, die Kooperationsbereitschaft in der Familie zu fördern. Sie hilft der Familie, über Gefühle zu sprechen, diese mitzuteilen, sich als Team zu fühlen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich gemeinsam auf den Lösungsweg zu begeben. Familienkonferenzen sind für alle Arten von Familien geeignet.

Vielleicht fragen Sie sich, ob eine Familienkonferenz helfen kann, unsere Kinder zur Kooperation zu bringen? Ich kann Sie nur dazu ermutigen, sich auf dieses Experiment einzulassen und sich gemeinsam mit Ihren Kindern auf diesen Weg zu begeben. Sie werden erstaunt sein, wie kooperationsfähig Ihre Kinder sein können.

Die Wirkung einer Familienkonferenz

Die Familienkonferenz bietet einen Rahmen, in dem die Kinder (an-)gehört werden.

Die Familienkonferenz …

  • … gibt jedem die Möglichkeit, über Gefühle zu sprechen und mitzuteilen
  • … gibt der Familie die Möglichkeit, sich als ein Team zu fühlen
  • … fördert den Gemeinschaftssinn, alle unterstützen sich gegenseitig
  • … vermittelt Kindern Respekt
  • … hilft Lösungswege gemeinsam zu finden
  • … bietet Kindern Gelegenheit, sich gehört und geliebt zu fühlen
  • … hilft Eltern, welche schreien oder gar schlagen, damit aufzuhören
  • … gibt der Familie die Möglichkeit, miteinander Spaß zu haben.

Zeichnung einer Familie um einen Tisch mit Fragezeichen

Der Wegweiser für Familienkonferenzen

Wie vieles andere braucht auch die Familienkonferenz Zeit und Geduld, damit sie zu einem Ritual, zu einer Gewohnheit wird. Das heißt, dass wir als Eltern uns Mühe geben müssen, wenn wir wollen, dass sich einerseits etwas verändert und andererseits, dass unsere Kinder kooperieren.

Immer zur gleichen Zeit

Eine Familienkonferenz sollte regelmässig abgehalten werden, idealerweise einmal wöchentlich, immer zur gleichen Zeit und zum gleichen Wochentag. Sie dauert zwischen 20 und 30 Minuten.

„Wir müssen dem Kind dabei helfen, selbst zu handeln, selbst zu wollen, selbst zu denken.“

Dr. Maria Montessori

Auf das Alter der Kinder sollten Sie unbedingt Rücksicht nehmen. Mit Kleinkindern dauert die Konferenz eher kurz und vielleicht genügt es auch alle zwei Wochen, mit Teenagern kann man bis zu 60 Minuten einplanen, hier sind wöchentliche Treffen sicherlich von Vorteil.

Liste/Plakat/Agenda der anfallenden Themen

Wir machen eine Themenliste. Vielleicht ist eines Ihrer Kinder besonders kreativ und möchte diese Aufgabe übernehmen, oder Sie gestalten gemeinsam mit der ganzen Familie die Themenliste.

Wir hängen die Themenliste an einen sichtbaren Ort auf, so können alle Familienmitglieder während der Tage vor der Konferenz Besprechungspunkte hinzufügen. Somit wissen wir auch, was anderen Familienmitgliedern auf dem Herzen liegt. In dieser Phase der Entstehung kommentieren wir die Punkte der anderen nicht!

Die Themen könnten aber auch gemeinsam mit der ganzen Familie während des Abendessens besprochen und festgehalten werden. Ein Familienmitglied übernimmt das Notieren.

Hier ein paar mögliche Themen für die Familienkonferenz:

  • Hausaufgaben
  • Taschengeld
  • Mithilfe im Haushalt
  • Pflege der Haustiere
  • Hausregeln
  • Regeln wenn Freunde zu Besuch sind
  • TV, Computer, Handy

Zeitplanung

Anfangs müssen wir als Eltern die Zeitplanung übernehmen und einführen. Wir schauen uns die Themenliste an und entscheiden, mit welchen Themen wir uns in den ersten Familienkonferenzen beschäftigen können. Um Alternativmöglichkeiten zu erforschen und Entscheidungen treffen zu können, planen wir genug Zeit ein. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es gerade bei der Einführung der Familienkonferenz sinnvoll ist, mit positiven Themen zu beginnen.

Positive Themen einer Familienkonferenz können sein:

  • über gute und schöne Erfahrungen sprechen
  • sich bei einem Familienmitglied bedanken, das in der Woche geholfen hat

Wir geben allen die Möglichkeit, über etwas zu berichten, was gut für sie läuft.

Denken Sie daran, dass die Familienkonferenz für Ihre Kinder etwas Neues ist, sie wissen nicht was auf sie zukommt. Mit positiven Themen zu beginnen, erleichtert Ihnen und der ganzen Familie den Einstieg. So schaffen Sie eine gute Atmosphäre. Das ist eine solide Grundlage, um später auch mal schwierigere Themen zu besprechen.

Zeichnung einer Familie um einen Tisch mit Ausrufezeichen

Abwechselnd Aufgaben erfüllen

Wenn sich das Ritual „Familienkonferenz/Familienrat“ eingespielt hat, sollen die Aufgaben abwechselnd übernommen werden. Die Konferenz wird von einem Familienmitglied geleitet. Dieses liest die Themenliste und achtet darauf, dass nicht von den Themen abgewichen wird. Jedes Familienmitglied sollte die Chance bekommen, einmal die Konferenz zu leiten. Jüngere Kinder werden dafür etwas Hilfe benötigen – das ist völlig in Ordnung. Übrigens: ältere Geschwister übernehmen diese Rolle gerne.

Notizen

Die getroffenen Vereinbarungen werden von einem anderen Familienmitglied schriftlich festgehalten. Auf diese Weise wird niemand etwas vergessen oder sich über etwas im Unklaren sein. Auch dies ist eine Aufgabe, die immer wieder jemand anderes übernehmen sollte. Auch hier können die älteren Geschwister den jüngeren helfen, zum Beispiel indem sie die Notizen vorlesen, wenn die jüngeren Kinder noch nicht lesen können. Jüngere Kinder können die Vereinbarung auch anhand einer Zeichnung festhalten.

Haltung und Regeln bei der Familienkonferenz

Wir lassen jeden zu Wort kommen

Wir lassen zuerst unsere Kinder zu Wort kommen, wenn wir die Themenliste besprechen. Das hilft Kindern, sich verantwortlich zu fühlen. Wenn Sie merken, dass eines Ihrer Kinder nicht zu Wort gekommen ist oder sich nicht traut, fragen wir nach: „Und was meinst du?“

Sind wir der Meinung, dass ein Kind zu viel redet, bleiben wir respektvoll und sagen etwas wie: „Das scheint für dich sehr wichtig zu sein. Wir müssen jetzt aber auch hören, was die anderen darüber denken.“

„Die Familienkonferenz bietet Kindern Gelegenheit, sich gehört und geliebt zu fühlen.“

Annamaria Fisler

Wenn jemand keinen Respekt zeigt, benutzen wir ICH-Aussagen und keine DU-Aussagen, da Du-Aussagen wie Beschuldigungen wirken. Zum Beispiel würde ich sagen: „Wenn ich Beschimpfungen höre, fürchte ich, dass wir keinen gemeinsamen Weg finden werden, um zusammenzuarbeiten.“

Das Maß der Klagen begrenzen

Wir begrenzen das Ausmaß der vorgebrachten Klagen, da diese die Familienkonferenz in eine unerfreuliche Angelegenheit verwandeln. Durch Klagen werden keine Probleme gelöst und der Familie wird nicht geholfen. Das Ziel, miteinander Spass zu haben sollte an erster Stelle stehen. Wenn Klagen ein Problem sind, fragen wir: „Was können wir daran ändern?“, „Wie könnten wir das Problem lösen?“ oder „Hat jemand eine Idee?“ Wir helfen so unseren Kindern aus dem Problemfokus einen Lösungsfokus zu entwickeln.

Wir Eltern kooperieren und gehen mit gutem Vorbild voran

Wir alle wissen, dass bestimmte häusliche Arbeiten nicht gerne erledigt werden. Als Eltern zeigen wir uns daher kooperativ und können uns bei den Aufgaben, die niemand gerne macht, freiwillig melden. Wir könnten sagen: „Ich übernehme das Staubsaugen und das Sauber machen des Badezimmers. Wer übernimmt es, das Altpapier und Glas zu entsorgen?“ Mit der Zeit werden Sie die Erfahrung machen, dass auch die anderen Familienmitglieder einige der unbeliebten Aufgaben übernehmen.

Wir halten uns an die getroffenen Vereinbarungen

Alle Familienmitglieder halten sich bis zur nächsten Konferenz an die Vereinbarungen. Möchte ein Familienmitglied eine Vereinbarung ändern, wird dies nicht geduldet und muss bis zur nächsten Sitzung warten. Es kann auch vorkommen, dass man eine Vereinbarung nicht einhalten kann, weil zum Beispiel an einem Tag die Zeit dafür fehlt. Das könnte übrigens auch einem Kind passieren. Wichtig ist hier, dass man dies der Familie kommuniziert und mitteilt, dass man darum bemüht ist, es besser zu machen. Niemand ist perfekt!

Viel Glück, bei der Umsetzung und erlebnisreiche Stunden wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen!

 

Foto Annamaria FislerAnnamaria Fisler
Die Schweizer Dipl. Erziehungsberaterin/Elterncoach und Dipl. Montessori-Pädagogin steht Eltern zur Seite, welche verunsichert, entmutigt, verzweifelt, müde oder gar genervt sind.

Probleme beim Schulanfang: Neue Anforderungen und Freunde

Bild: Kind mit Schulranzen Text: Was Kinder zum Schulstart brauchen
Irgendwann ist die Kindergartenzeit vorbei und aus dem Kind wird ein Schulkind. Vorfreude und Aufregung begleiten die Zeit bis zur Einschulung. Doch der Schulbeginn kann Enttäuschungen und Herausforderungen bereithalten: Es gilt sich zu recht und neue Freunde zu finden.

Eben war ich noch der Größte im Kindergarten, ein Vorschulkind, und nun bin ich in der Schule der Kleinste, nur noch ein Erstklässler. Nicht jeder überwindet diesen abrupten Rollenwechsel gut. Dazu kommt, dass sich in der Regel ein Großteil des sozialen Netzes des Kindes verändert, wenn nicht sogar wegbricht.

Wenn sich mal eben alles ändert

Klar, Sie als Eltern, die Nachbarn und Verwandten bleiben erhalten. Aber für das Kind ist es einschneidend, wenn es aus einer Gruppe kommt, die es seit Jahren kennt, in eine neue, in der es eventuell keinen kennt. Manche Kinder stecken das erstaunlich gut weg und schließen schnell neue Kontakte und Freundschaften. Andere tun sich damit wesentlich schwerer.

Nicht nur der Freundeskreis ändert sich von einem Moment auf den anderen. Auch die erwachsenen Bezugspersonen sind neu. Dazu kommt dass der Betreuungsschlüssel in den meisten Grundschulen schlechter ist als der im Kindergarten. Klar sind die Kinder älter und klar unterscheidet sich Schule meist sehr von Kindergartenalltag – aber die Kinder spüren deutlich, ob sie zwei Ansprechpartner für 18 Kinder oder einen Ansprechpartner für 25 Kinder haben.

Eigentlich ändert sich alles: Der Tagesablauf ändert sich von der Struktur, aber auch von den Freiheiten. An Regelschulen herrscht häufig noch ein sehr strikter Stundenplan. Wenn Kinder hier an ihre Grenzen stoßen, fehlt ihnen einfach die Möglichkeit den Raum oder die Tätigkeit zu wechseln. Natürlich kennen und sehen viele Lehrerinnen und Lehrer die Bedürfnisse der Erstklässler genau und gehen sensibel auf sie ein. Dennoch ist auch das für viele Kinder eine Umstellung und Herausforderung.

Vom spielerischen zum schulischen Lernen

Vor allem die Art der Anforderung ist für manches Kind neu. Der Bruch zwischen spielerischem Lernen im Kindergarten und schulischem Lernen kann groß sein. Ich sage kann, weil in Grundschulen um diesen Übergang gewusst ist und an vielen Schulen auch ganz anders gelernt und gelebt wird – als zu meiner Schulzeit 🙂

Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt meines Erachtens aber das soziale Lernen: Also das Kennenlernen, sich Anfreunden und seinen Platz in der neuen Gruppe zu finden.

Trauer über den Verlust des Alten

Unser Kind brach plötzlich in Tränen aus, als eine ihrer besten Freundinnen aus dem Kindergarten zu Besuch war und wieder ging. Fast eine Viertelstunde später weinte das Kind ununterbrochen. Es war einfach die Trauer darüber, was gewesen war – so unsere Vermutung.

Bild von Schultischen. Text: Schule. Alles neu

Was ein Kind jetzt braucht

Kinder brauchen in Phasen des Umbruches vor allem die Unterstützung und das Verständnis der Eltern. Zu wissen wie es dem Kind geht und wieso, hilft schon oft auf Elternseite mehr Verständnis aufzubringen.

Emotionale Unterstützung

Das wichtigste ist die emotionale Unterstützung: Also der Halt in Form von Zuneigung und Nähe. Nicht selten beginnen Kinder im Phasen des Umbruches mehr oder schneller zu weinen oder zu schreien.

Praktische Unterstützung

Häufig brauchen Kinder auch praktische Hilfe: Zum einen geht es darum sich tagtäglich auf die Schule vorzubereiten: Also Schulsachen packen, an Essen und Sportbeutel denken – das alles ist sehr viel am Anfang. Und Schule und Unterricht wollen auch nachbereitet werden. Vor allem falls es bei Ihnen noch Hausaufgaben gibt. Auch beim sozialen Lernen brauchen Grundschulkinder in der Regel anfangs noch die Unterstützung ihrer Eltern. Wie das geht? Laden Sie die neuen Schulkameraden ein oder verabreden Sie Ihr Kind – und denken Sie auch daran die alten Freundschaften aus dem Kindergarten zu pflegen.

Kinder sind Entdecker

Der Schulstart ist viel für Kinder – und gleichzeitig sind Kinder Meister darin, mit neuen Situationen umzugehen. Wenn sie wissen, dass sie gut gebunden sind, also einen sicheren Hafen namens Eltern haben, die Ihnen bei ihren Schritten in ein neues Land liebevoll begleiten.