Wichtelgeschichte für die Sommerferien: Hörbuch & Text

Bild eines Wichtels. Text: Eine Wichtel-Geschichte. Hörbuch für die Sommerferien. Gratis Sommerferien sind toll: Endlich Pause von der Schule und der Arbeit. Doch manchmal kommt die Langeweile schneller auf, als uns Eltern lieb ist. Gerade auf langen Autofahrten. Daher habe ich eine Geschichte für den Sommer geschrieben – zum Vorlesen oder Anhören als Audio-Datei.

Hier geht es zur Geschichte Ein Weihnachtswichtel im Sommerurlaub – für kleine und große Geschichtenliebhaber, zum Hören oder selber Vorlesen! Wie immer können Sie die Geschichte auch als MP3-Datei und PDF runterladen.

Bild: Wichtelmütze mit Sternen. Text: "Eine mene Fichte, her mit der Geschichte!"

 

Streit ums Zeugnis? So unterstützen Sie Ihr Kind wirklich

Bild eines Zeugnisses. Text: Das Zeugnis

Der große Tag: Es gibt Zeugnisse! Nicht wenigen Kindern graut davor – und auch etlichen Eltern. Denn mit dem Zeugnis kommt häufig der Streit um die Noten und die Leistung. Dabei braucht Ihr Kind jetzt etwas völlig anderes.

„Ich bin wieder zuhause“, hallt es normalerweise fröhlich durch das Treppenhaus. Nicht so heute. Dieser Tag ist anders. Das Kind kommt leise nachhause. Schleicht sich in die Küche. Legt ein Blatt auf den Tisch. Verschwindet wortlos in seinem Zimmer. Es ahnt, was folgt. „Das kann doch nicht wahr sein“, erhebt sich kurz darauf eine Stimme aus der Küche, „komm SOFORT her.“ Heute ist ein besonderer Tag: Heute gab es Zeugnisse.

1. Eigene Gefühle sehen und hintenanstellen

Als erstes finde ich es wichtig, dass wir als Eltern unterscheiden zwischen den Gefühlen unseres Kindes und unseren eigenen. Viel zu oft reagieren wir aus unserem Gefühl und übersehen das Kind. So habe ich mich mal über eine Klassenarbeit meines Sohnes aufgeregt. Ich war der Ansicht, mein Sohn wäre zu schlecht bewertet worden. Meine Frau pfiff mich schnell zurück. Sie fand, dass mein Sohn mit der Note zufrieden war. Hier hatte ich meinen Gefühlen zu viel Raum gegeben. Klar kann ich mich über die Benotung aufregen – aber nicht vor meinem Kind. Zuerst kommt also der Blick auf das Kind.

Ein Zeugnis kann für ein Kind eine hochemotionale Situation darstellen. Selbst wenn wir im Grunde vorher ahnen, wie das Zeugnis ausfällt. Manchmal wissen wir es sogar. In der Schule unseres Sohnes haben die Lehrerinnen und Lehrer sogar fast alle Noten in der Woche davor mit jedem Kind besprochen. Wir kennen das Zeugnis also schon sehr gut. Dennoch ist es ein besonderer Moment: Jetzt steht da schwarz auf weiß, wie meine Leistung war. Oder zumindest, wie die Lehrerinnen und Lehrer glauben, dass meine Leistung ist. Aber Sinnhaftigkeit von Noten ist ein anderes Thema.

Bild eines Zeugnisses mit Dreien und Vieren. Text: Was hast du in Mathe?

Was ist ein schlechtes Zeugnis? Dreien und Vieren? Dieses Exemplar stammt übrigens von mir 🙂

Traurig oder wütend wegen schlechter Noten

Wenn Kinder mit ihrem Zeugnis nicht zufrieden sind, kann sie das belasten. Sie sind vielleicht traurig, verärgert, wütend oder fühlen gar nichts. Sie können sich die Noten nicht erklären, sind perplex, fühlen sich wie vor den Kopf gestoßen. Sind Kinder hochemotional, dann brauchen Sie echten Beistand. Sie brauchen das Gefühl, angenommen und geliebt zu werden – auch und gerade mit schlechten Noten. Dazu kommt eventuell der soziale Druck in der Gruppe.

Der Zeugnis-Vergleich: Und was hast du in Mathe?

Die meisten Kinder vergleichen ihre Noten. Offen oder verdeckt. Zumindest kennen sie die Noten ihrer Freunde. Wer sich am unteren Ende der Skala wieder findet, braucht ein dickes Fell. Vielleicht fallen sogar fiese Bemerkungen? Umso mehr braucht das Kind einen Ort, an dem es sich geborgen fühlt. Einen sicheren Hafen – und das sollten die Eltern sein.

Bild: Zeugnis mit Einsen. Text: Einsen und Zweien – gibt trotzdem häufig Streit.

Studie: Noten sorgen in der Hälfte der Familien für schlechte Stimmung

Vielleicht spielt sich die Zeugnisübergabe bei Ihnen nicht so drastisch ab, vielleicht gehen Sie ganz entspannt mit Noten und Zeugnissen um. Tatsache ist: Bei fast der Hälfte der Familien führen schlechte Noten zu schlechter Stimmung oder sogar zu Streit. Das zeigt eine Umfrage von forsa im Auftrag des Studienkreises (Link unten). Und das Kuriose: Selbst bei einem vergleichsweise guten Notendurchschnitt, das heißt überwiegend Einsen und Zweien auf dem Zeugnissen, kommt es über Noten zum Streit. Und ja, es gibt Kinder, die heute noch befürchten, für schlechte Noten Schläge zu bekommen.

Streit gehört dazu – nur nicht wenn das Kind hochemotional ist

Ich bin weder gegen Streit – in einer lebendigen Beziehung kommen Sie um Konflikte nicht herum – noch dagegen dass Eltern Ihre Gefühle zeigen. Ganz im Gegenteil. Ich finde Eltern sollten authentisch sein. Denn wer etwas anders sagt, als er meint, sendet widersprüchliche Signale an sein Gegenüber. Und die eigenen Kinder sind sehr geschult, diese Signale zu empfangen. Dennoch gilt die Einladung zum Konflikt und die eigene Gefühle zu zeigen, nicht für einen Tag wie die Zeugnisübergabe. Hier haben Sie, haben wir als Eltern eine völlig andere Aufgabe.

Wenn Ihr Kind mit dem Zeugnis nachhause kommt, braucht es jemand, der einfach da ist. Hören Sie einfach zu. Versuchen Sie Ihr Kind zu sehen: Wie geht es ihm? Und seien Sie aufmerksam Ihren eigenen Gefühlen gegenüber. Dies ist nicht der Zeitpunkt, Ihre Gefühle zu zeigen, davon bin ich überzeugt.

Bild eines Zeugnisses mit der Note ausreichend bei Deutsch. Text: Schlechtes Zeugnis = Zukunft verbaut?

Das ist eins meiner Zeugnisse: Die 4 in Deutsch hat mich lange begleitet – dennoch habe ich später eine Ausbildung als Redakteur gemacht. Heute lektoriere ich die Texte anderer Menschen.

Schlechte Noten? Lösungen suchen! Nur halt später …

Mir geht es in diesem Artikel nur um den Tag der Zeugnisübergabe. Wenn Ihr Kind schlechte Noten hat und Sie und Ihr Kind damit unzufrieden sind, dann dürfen und sollten Sie nach einer Lösung suchen. Nur bitte nicht in einer hochemotionalen Situation. Dann braucht das Kind erst einmal diesen sicheren Hafen, der Eltern oder Familie heißt.

 

Links

Studie zu Streit um Noten: Umfrage von forsa im Auftrag des Studienkreises

Frage eines Kindes, das Angst hat wegen seines Zeugnisses geschlagen zu werden

 

 

Liebster Award: Mein 70. Geburtstag

Text: Mein 70. Geburtstag. Bild: feiernde Gesellschaft

Liebster Award Logo
Coach und Tanztherapeutin Andrea Winkler bringt Menschen in Bewegung: Sie hilft Frauen ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Und auf ihrem Blog schreibt sie sehr persönlich über die Auf und Abs im Leben der Mütter. Andrea hat meinen Blog mit dem Liebster Award ausgezeichnet, worüber ich mich sehr freue – vielen lieben Dank dafür!

Beim Liebster Award geht darum, neue Blogs und die Menschen dahinter kennen zu lernen. Hier meinen Antworten auf Andreas Fragen und somit die Gelegenheit, mich ein bisschen besser kennenzulernen:

 

„Stell‘ Dir vor, du hast rüstig dein Rentenalter erreicht und feierst deinen 70’ten Geburtstag.

  1. Mit welchen Menschen und wie feierst du diesen besonderen Moment?

Wow – 70 – endlich 🙂 Ich feiere groß! Natürlich sind meine Frau, meine Kinder und deren Partnerinnen und Partnern da – und die Enkelkinder! Dazu kommen die vielen Freunde und Verwandte. Wir verbringen den Tag zusammen mit Erzählen und Essen, Trinken und Feiern. Ein, zwei Reden werden gehalten, unterhaltsam und auf den Punkt, wie sich das bei Toastmasters gehört. Ich würde mich freuen, wenn einer meiner Kinder etwas sagt, eine kurze Rede hält. Der ein oder andere führt etwas Lustiges auf. Derweil toben die kleinsten Gäste herum, erkunden Gelände und Gebäude. Später als die Dämmerung fällt, greift jemand zu einem Instrument und spielt den ersten Ton. Die Gespräche verstummen und alle lauschen dem Spiel. Als die Melodie kräftiger und freudiger wird, beginnen die ersten in den Mai-Abend zu tanzen.

Foto von Menschen um ein Lagerfeuer

 

  1. Wo wird deine Feier stattfinden?

Die Feier findet in einem großen Haus statt, das neben einem Saal viele Zimmer für die Gäste bietet. Rundherum ist Natur. Ein Garten zum Schauen, eine Wiese zum Spazieren und natürlich große Bäume – zum Klettern für die Jüngsten und zum Anlehnen für die Ältesten. Auf dem Rasen stehen Zelte, in denen die Kinder schlafen. An einer Stelle ist Holz für ein Lagerfeuer aufgestapelt.

 

  1. Was wird es zu essen und zu trinken geben?

„Halt es einfach“ lautet eine von unseren drei Regeln für gute Feiern – und an die werden wir uns an diesem Tag sicherlich zur Abwechslung mal nicht halten. Das heißt wir lassen uns bekochen, bedienen und verwöhnen. Mit 70 darf das mal sein. (Ach ja, wen es interessiert die anderen beiden Regeln für gute Feiern sind: lade erstens nur Menschen ein, die du gerne um dich hast und zweitens feiere in einem kleinen Raum ohne viele Sitzgelegenheiten – das ist in der Regel unsere Küche).

Foto eines Kuchen

 

  1. Welche Lieder und welche Musik dürfen auf gar keinen Fall fehlen?

Am liebsten „selbstgemachte“ Musik – sprich Live-Musik. Ich liebe es, wenn Menschen Musik machen, sei es nun der Musiker auf der Straße, in der Konzerthalle oder halt auf einem privaten Fest. Ich glaube, wir mache zu wenig Musik. Es waren immer ganz besondere Momente, wenn mein Freund Arno auf einer Party auftauchte – meist überraschend – dann zu einer Gitarre griff und anfing zu singen. Arno, du fehlst mein Freund, und nicht nur deine Musik!

 

  1. In deiner blumigen und humorvollen Rede über dein bisheriges Leben wirst du vor allem auf welche Entscheidungen stolz hinweisen?

Ich finde ja, das Reden über sich selbst sollte man anderen überlassen. Aber vielleicht habe ich bis dahin auch gelernt ohne Scham eine Rede über mich zu halten. Worauf ich stolz hinweisen würde? Meine Entscheidungen, Bestehendes aufs Spiel zu setzen und ein Risiko einzugehen – oder „wild und gefährlich zu leben“, wie Arthur Schnitzler einst empfahl. Ganz bestimmt meine Entscheidung meine Wahrheit zu sprechen. Und meine Entscheidung zu dem zu stehen, was ich getan habe. Okay, das war jetzt nicht wirklich humorvoll. Aber ich habe ja noch ein paar Jahre, um an der Rede zu feilen. 😉

 

  1. Was werden im Rückblick die erwähnenswertesten Ereignisse und Momente Deines Lebens sein?

Wichtig war und ist für mich so vieles. Doch am Schluss gleichen die Wendungen und Dramen in meinem Leben wohl denen von Millionen, wenn nicht Milliarden anderer.

Aber okay, wenn es unbedingt konkret sein soll: Für mich bedeutende Momente waren der Mai 1973, der Sommer 1988, eine Reise 1998, ein Abend im August 2001, die Juni in 2006, 2008 und 2011.

Aktuell: Die Entscheidung, einen völlig neuen beruflichen Weg einzuschlagen und als Coach zu arbeiten. Und in den kommenden Jahren: Die Veröffentlichung meiner Kinder- und Fantasy-Bücher. 🙂

 

  1. Dein älteres und vor allem weiseres Ich wird sich in einem unbeachteten Moment kurz von der Party in einen stillen Raum zurückziehen. Es wird deinem aktuellem Ich eine mentale Botschaft übermitteln, die Raum und Zeit überbrücken kann und just in diesem Moment bei dir ankommt. Was ist der Inhalt dieser Botschaft und was für einen weisen Ratschlag enthält sie?

„Lebe wild und gefährlich“! Okay, das hatte wir schon oder? Na gut, wie wär’s dann mit: „Life without danger is a waste of oxygen?“ Das stand auf meinem T-Shirt, als ich 1997 das erste Mal durch den Südwesten der USA reiste. Tatsächlich sprachen mich mehrere Menschen darauf an. Einer wollte mir das T-Shirt sogar abkaufen – es war ein bärtiger Motorradfahrer samt Chopper. Das ist mir in keinem anderen Land der Welt passiert (und ich habe das T-Shirt eine ganze Weile getragen)!

Life without danger is a waste of oxygen

Der Liebster-Award geht an …

Und jetzt habe ich die Aufgabe drei weitere Menschen für den Liebster-Award zu nominieren. Ich verleihe den Liebster-Award an:

Liebster Award LogoTonia von Gunten mit ihrem Blog Elternpower

Peter Wiesejahn mit seinem Blog Projekt David

Karl Goldstein mit seinem Blog Peace Habits

 

Eure Aufgabe: Schreibt einen Blogpost über euch, in dem ihr folgende Fragen beantwortet und auf diesen Blogpost verlinkt:

 

  1. Welches Buch liegt auf deinem Nachtisch (oder sind es gar mehrere?)?
  1. Welches Buch sollt jeder unbedingt einmal gelesen haben – und warum?
  1. Über welches Buch hast du dich so richtig geärgert? Und was hat dich daran gestört?
  1. Sind Bücher wirklich so wichtig oder überbewertet? Und wieso?
  1. Wenn du eine Figur aus Entenhausen wählen müsstest, die dir am ehesten gleicht, welche wäre das? (z.B. Donald, der Unglücksrabe, der glückliche Gustav, der reiche Dagobert, Klaas Klever, der ewige Zweite, die liebevolle Oma Duck, oder oder oder?) Was verbindet dich mit dieser Figur?
  1. In welche Rolle in einem Buch würdest du gerne einmal schlüpfen?
  1. Welches Buch würdest du schreiben wollen?

Die Regeln des Liebster Awards

  • Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat.
  • Füge eines der Liebster-Award-Logos in deinen Post ein.
  • Beantworte die Fragen.
  • Erstelle neue Fragen für die Blogger, die du nominierst.
  • Nominiere andere Blogs
  • Informiere die jeweiligen Blogger über die Nominierung

Fotos: Christopher End

Frohe Weihnachten & einen guten Rutsch!

Weihnachten-2016Ich wünsche Ihnen und Dir ein frohes Fest, erholsame Feiertage und einen guten Rutsch. Fürs 2017 alles Gute – möge Ihre und Deine Wünsche fürs neue Jahr in Erfüllung gehen!

Viele Grüße

Christopher End

PS: Für wen Weihnachten in der Familie eher Stress bedeutet, für den habe ich hier ein kurzes Audio zum Thema Geschenke, Schenken und Beschenkt werden eingesprochen:

 

Wie Sie mit Ihrem Perfektionismus und innerem Kritiker umgehen

Perfektionismus hilft uns im Beruf weiter, zumindest oberflächlich betrachtet. Tatsächlich führt er zu einem inneren Konflikt und der macht im schlimmsten Fall krank. Damit es nicht so weit kommt, weisen Sie Perfektionismus und den inneren Kritiker in die Schranken, und zwar so:

„Du musst noch diesen Blogpost schreiben.“ Dieses „du musst“ hallte am letzten Tag vor unserem Urlaub durch meinen Kopf. Leider war es nicht das einzige „du musst“ und so fiel es am Ende des Tages unter den Tisch beziehungsweise stand noch sehr anklagend auf meiner To-do-Liste. Ich bin mit einem schlechten Gewissen zu Bett gegangen: „Hätte ich doch früher damit angefangen, hätte ich doch …“

Tatsache ist, dass ich an diesem Tag extrem fleißig gewesen bin. Ich hatte unglaublich viel erledigt: letzte Telefonate und E-Mails, Steuererklärung, Buchhaltung, Packen, letzte Vorbereitung wie Auto Waschen und Auftanken. Der Tagesrückblick hätte eigentlich sein sollen: Wow, was habe ich heute alles geschafft! Das wäre eine angemessene Reaktion gewesen. Doch: das „hättest du doch“ und „du musst“ haben mich runtergezogen.

Der innere Kritiker und die Antreiber

„Du musst“ ist ein klassischer Hinweis auf den inneren Kritiker oder den Antreiber „sei perfekt“. Diesen Antreiber in mir kenne ich sehr gut, immerhin begleitet er mich schon sehr lange und ich habe mich schon oft mit ihm beschäftigt. Die Arbeit mit den inneren Antreibern, an dieser Stelle nehme ich mal die Illusion schneller Lösungen, ist – häufig – ein lebenslanges Ringen, ein lebenslanges Wachsen. Die gute Nachricht: Wir können uns verändern, dazu ist es nie zu spät!

Den inneren Kritiker in die Schranken weisen

Der erste Schritt ist, den inneren Kritiker zu erkennen. Der zweite ist, ihm seine Macht zu nehmen. Das geht im inneren Dialog in der direkten Konfrontation, also zum Beispiel: „Nein, du hast mir nichts zu sagen – ich bestimme, wo es langt geht.“ Und es geht wie immer leichter mit Humor, also auf ein inneres „du musst“ zum Beispiel zu antworten: „Ich muss gar nichts – außer mal aufs Klo.“

Reframing: Die Wirklichkeit umdeuten

Mir ist eine nützliche Umdeutung, auch Reframing genannt, im Urlaub zwei Tage später eingefallen. Während ich im Liegestuhl lag, zwischen den Bäumen schien die Sonne Burgunds, die Kinder planschten im Fluss, kam mir plötzlich die Einsicht: Das „ich muss den Blogartikel schreiben“ kann ich positiv nutzen, in dem ich einen Blogartikel über das „ich muss“ schreibe.

Der unperfekte Artikel über Perfektionismus

Und um den inneren Kritiker in seine Schranken zu weisen, mache ich diesen Blogpost ziemlich unperfekt: Statt lang zu planen, spreche ich den Artikel spontan ins Mikro meines Handys, danach schreibe ich ihn ab und halte mich maximal eine halbe Stunde mit dem Layout des Artikels auf.

Perfektionismus erwünscht: Steigere das Brutto-Sozial-Produkt

Die Crux am inneren Kritiker und am Perfektionismus ist die Folgende: Sie helfen uns gerade beruflich weiter. In unserer Gesellschaft ist das Streben nach mehr, der Wunsch, immer mehr erreichen zu wollen, anerkannt und geschätzt. Es ist quasi eine Grundlage unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Um es mit der 80er-Jahre-Band Geiersturzflug zu sagen: Steigere das Brutto-Sozial-Produkt. Lange galt es ja als schlau im Vorstellungsgespräch auf die Frage nach einer Schwäche zu antworten: „Ich bin perfektionistisch.“ Der Nachteil: Gerade der Perfektionismus lässt uns selbst – und andere – ganz schön leiden.

Perfektionismus, Perfektion und perfekt – eine Abgrenzung

„Perfekt“ bedeutet „vollendet“ oder „vollkommen“, sagt der Duden. „Perfektion“ ist damit die „Vollendung“ oder „Vollkommenheit“. Erstmal sind diese Zustände – auch aus meiner Sicht – durchaus erstrebenswert. Interessant wird es, wenn ich mir die Definition von „Perfektionismus“ anschaue, das bedeutet nämlich: „Übertriebenes Streben nach Vervollkommnung.“ Damit ist auch das Problem klar beschrieben: Es ist „übertrieben“.

Das Leben ist an sich nicht perfekt – oder? Es ist ein ewiges Auf und Ab. Mal gelingt uns etwas gut, mal misslingt es. Und wie es im Außen ein Auf und Ab gibt, so gibt es das auch im Innen: Wir haben Stärken und Schwächen, helle und dunkle Seiten. Mal sind wir froh, mal traurig. Und das Leise, das Dunkle, der Schmerz, all das hat seinen Platz in unserem Leben. Der Perfektionismus aber untergräbt dies. Er gaukelt uns vor, wir müssten (!) immer auf der Sonnenseite sein. So erzeugen wir in uns eine Spannung.

Was nicht ins perfekte Bild passt, darf nicht sein

Wir versuchen zu unterdrücken, was die vermeintlich perfekte Fassade stört: Ins Fettnäpfchen zu treten, Wut zu zeigen, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Fehler und Misserfolge. So unterdrücken wir unsere Spontanität, unsere Gefühle. In dem wir unsere Reaktionen durch einen Filter laufen lassen, unterdrücken wir aber auch unsere hellen Gefühle wie Überraschung und Freude. Damit zerstört der Perfektionismus das, auf was er eigentlich abzielt: Zufriedenheit und Glück.

Heißt auf Perfektionismus verzichten auf Ziele zu verzichten?

Ach ja: Ich spreche mich nicht gegen Ziele aus oder den Wunsch etwas erreichen zu wollen. Ganz im Gegenteil. Zu wissen, was ich will und das zu verfolgen, ist sehr wichtig auf dem Weg zu mehr Zufriedenheit und Glück. Gefährlich wird es nur, wenn wir vom „ich will“ zum „ich soll“ und „ich muss“ gehen. Dann wird aus dem freiwilligen Streben nach etwas ein Druck.

Tatsächlich glaube ich, dass es Perfektion gibt und dass uns das Streben danach bereichert – damit stimme ich übrigens mit Peter Wiesejahn überein, der seinen Blogpost zum Thema provokant mit Ich bin Perfektion-ist, und das ist gut so betitelt hat.

Übung: Sei unperfekt – und damit perfekt

Daher bitte ich Sie: Tuen Sie heute eine Sache bewusst nicht perfekt. Lassen Sie eine Aufgabe unter den Tisch fallen, legen Sie sich stattdessen aufs Sofa oder in den Liegestuhl, machen Sie eine Sache nur halb, lassen Sie eine Ihrer dunklen Seiten zu – und wenn es nur ein klitzekleines Stück weit ist. Seien Sie perfekt, indem Sie unperfekt sind.

 

Dem inneren Kritiker Einhalt gebieten: "Nein, jetzt will ich mich erholen" Bild: Koffer

 

 

Übung zu den persönlichen Ressourcen: So finden Sie Ihre Gefährten und magischen Kräfte

Der Weg zu einer neuen Stelle oder sogar zu einem neuen Beruf gleicht manchmal einem Abenteuer: Spannung und Vorfreude wechseln sich ab mit Sorgen und Herausforderungen dazu gesellen sich überraschende Wendungen und unerwartete Gegenspieler. Daher ist es hilfreich, meine eigenen Stärken und die Menschen zu kennen, die mich durch dieses Abenteuer tragen. Herauszufinden, wer und was das ist, dabei hilft die folgende Übung.   

Auf unsere Fähigkeiten und Unterstützter stoßen wir, wenn wir einen Blick in unsere Vergangenheit werfen – weshalb ich diese auch magische Kräfte und Gefährten nenne, können Sie im Blogpost Abenteuer Traumberuf nachlesen. Diese Übung können Sie gut alleine machen, Sie brauchen dazu lediglich etwas Zeit, ungefähr eine halbe Stunde, sowie etwas zu schreiben.

Vorbereitung: Das brauchen Sie für die Übung

Optimal sind Moderationskarten in zwei Farben, Sie können jedoch auch Karteikarten verwenden oder einfache DIN-A4-Blättern. Wenn Sie letztere nehmen, empfehle ich Ihnen, die Blätter zu halbieren oder zu dritteln. Legen Sie sich ruhig rund 30 dieser Blätter oder Karten zur Seite.

1. Das Abenteuer: Welche Krise haben Sie erfolgreich überwunden?

Jetzt suchen Sie sich eine herausfordernde Situation oder Krise aus Ihrer Vergangenheit aus, die Sie erfolgreich bewältigt haben. Nehmen Sie sich Zeit und stellen sich die Situation möglichst genau vor. Was ist damals passiert? Wie ging es Ihnen damit? Wenn Sie die Situation vor Ihrem inneren Auge sehen, nehmen Sie ein Papier und beschreiben die Situation mit zwei, drei Worten. Ich hatte zum Beispiel mit dem Abschluss meines Studiums zu kämpfen und würde auf den Zettel „Magisterarbeit“ schreiben. Diesen Zettel legen Sie vor sich auf den Boden.

2. Die Gefährten: Wer hat Sie begleitet?

As nächstes fragen Sie sich, welche Menschen in dieser Situation, in dieser Krise für Sie wichtig waren. In Beispiel des Abschlusses meines Studiums sind es drei, vier Freundinnen und Freunde, meine Eltern, meine Schwester und ein Coach gewesen. Für jede Person, die für Sie eine Bedeutung hatte, nehmen Sie ein neues Papier und schreiben deren Namen darauf. Diese Zettel legen Sie jetzt nacheinander um den ersten Zettel, der die Situation beschreibt. So wächst langsam ein Netz von Menschen, die Sie durch diese Krise begleitet haben. Wenn Sie merken, dass Sie alle wichtigen Personen aufgeschrieben haben, kommt die zweite Phase der Übung.

Eine Übung in 4 Schritten: Das Abenteuer, die Gefährten, die Magie und der Schatz

3. Die Magie: Welche Fähigkeiten haben Ihnen geholfen?

Jetzt überlegen Sie sich, welche Fähigkeiten Ihnen geholfen haben, diese Krise zu meistern. Jede Fähigkeit schreiben Sie auf einen neuen Zettel und ordnen diese um die Personen. Wenn Sie verschiedenfarbige Karten oder Blättern haben, wählen Sie für die Fähigkeiten eine andere Farbe als für die Personen.

Vielen fällt es schwer die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu sehen. Leichter fällt das anderen, vor allem Menschen, die uns nahestehen. Daher hilft es, wenn ich mich an eine dieser Personen wende. Das kann ich übrigens auch für mich alleine, ganz hypothetisch tun: Was würde diese Person sagen, wenn ich sie frage, welche meiner Fähigkeit mir damals geholfen hat?

Ich würde zum Beispiel überlegen: Was würde meine Schwester antworten, wenn ich Sie frage, welche Fähigkeit mir geholfen hat, meine Abschlussarbeit zu schreiben. Die Antwort, die ich darauf – wenn auch nur in meinem Kopf – ist: Humor!

Die Zettel mit den Fähigkeiten, die Sie über diesen Umweg aufspüren, können Sie gerne der betreffenden Person zuordnen. So wächst um den ersten Ring aus Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern ein zweiter Ring aus Fähigkeiten und inneren Kräften.

Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, treten einen Schritt zurück und betrachtet das Bild, das vor Ihnen auf dem Boden liegt. Fragen Sie sich: Was fehlt noch? Was muss noch gesagt werden? Warten Sie einen Augenblick, dann schreiben Sie auf, was noch kommt.

4. Der Schatz: Was bringen Sie mit zurück aus dem Abenteuer?

Wenn Sie alles Wichtige aufgeschrieben haben, mach Sie wieder einen Schritt zurück und lassen alles auf sich wirken. Spüren Sie, was es mit Ihnen macht, wenn Sie all diese Menschen und Fähigkeiten sehen, die Sie durch die Krise getragen haben.

Zum Abschluss gehen Sie wieder zu dem Bild und nehmen einen Zettel nach dem anderen auf. Vielleicht empfinden Sie dabei so etwas wie Dankbarkeit für Ihre Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter und Ihre Kräfte.

In der Heldenreise ist dieser Abschnitt – die Rückkehr – besonders wichtig: Der Held kehrt zurück in seine normale Welt und bringt etwas mit, das er im Abenteuer, in der Andreswelt errungen hat. In den Sagen und Geschichten sind das der heilige Gral, die Prinzessin oder ein anderer Schatz. In dieser Übung kann uns klar werden, was wir in unserer Krise gewonnen haben. Diese Erkenntnis, wer und was uns unterstützt, ist unser Gral.

Sinn und Ursprung der Übung

Diese Übung dient dazu, dass Sie sich Ihrer Ressourcen bewusst zu werden. Es ist ein Ausschnitt aus einer Übung namens Timeline, die aus dem Systemischen Arbeiten stammt. In der Regel führt Sie ein Coach oder Therapeut durch diese Übung. Meist wirken solche Übungen stärker, wenn Sie jemand begleitet, der die Methode bereits kennt und beherrscht. Sie können die Übung aber auch, wie oben beschrieben, gut alleine durchführen. Sie wirkt auch so.

Wann machen Sie den ersten Schritt? Ihre Heldenreise wartet!

Mit Ihren Fähigkeiten im Gepäck und Ihren Begleiterinnen und Begleitern an Ihrer Seite sind Sie gut gerüstet für Ihre Reise. Wohin sie Sie am Ende führt und was Ihnen unterwegs bevor steht, das erfahren Sie erst, wenn Sie losgehen. Ich wünsche Ihnen ein spannendes Abenteuer.

 

 

Magie? Gefährten? Was soll das denn?

Wieso spreche ich von Gefährten und „magischen“ Kräften? Hört sich nach Fantasy à la Herr der Ringe an – und ja, ein Stück weit stimmt das auch. Ich beziehe auf die Reise des Helden, die jeder Erzählung, jedem Märchen und Sage zugrunde liegt. Dabei ist die Heldenreise mehr als eine Blaupause für gutes Storytelling, sondern eine Richtschnur für unser Leben. Lesen Sie mehr im Blogpost Heldenreise.

Meine Frage an Sie: Wie war es für Sie?

Wie ist es Ihnen mit dieser Übung ergangen? Schreiben Sie mir doch bitte in den Kommentaren, ob sie Ihnen gefallen hat, was hilfreich war und was nicht.

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