Übung zu den Monstern: Schwächen in Stärken verwandeln

Mit diesem Blogpost lernen Sie Schwächen in Stärken zu verwandeln. In Filmen und Geschichten lieben wir den spannenden Moment, in unserem Leben wünschen wir uns hingegen oft weit weg: Der Moment, in dem wir geprüft werden, indem wir in Gefahr sind, indem wir mit unseren inneren oder äußeren Monstern ringen. In dieser Übung zeige ich Ihnen, wie Sie das Monster als Verbündeten gewinnen.

Meine Schwachstelle: Schimpfen im Auto

Nehmen Sie sich eine Sache, bei der Sie sich aufregen. Bei mir ist das das Autofahren. Autofahrer, die es mit den Verkehrsregeln nicht so eng sehen, die zu dicht und schnell auffahren, Radfahrer, die nachts ohne Licht fahren, Fußgänger, die vor Kindern bei Rot über die Ampel gehen, können mich zur Weißglut treiben. Hier bin ich schnell in meiner Wut. Und jetzt kommt die große Frage: Wofür ist das gut?

Es geht darum die Wut umzudeuten. Wir neigen dazu unsere Gefühle zu verdrängen, sie zu unterdrücken, zu leugnen oder gar nicht erst zu spüren. Dabei sind Gefühle ein großartiges Signal des Körpers.

Was ist gut daran, wenn ich mich aufrege?

Es ist wichtig, den Widerstand zu würdigen. Sonst bleibt er da und wird zum Schatten. Würdigen bedeutet anzuerkennen, dass dieses Verhalten oder dieser Charakterzug einen guten Zweck hat oder einmal hatte. Denn alles was wir tun, folgt einem Zweck oder diente mal einem Zweck. Indem wir diesen Zweck herausfinden, erkennen wir an, dass diese Fähigkeit nützlich ist oder war und sie ein Teil von uns ist.

Erst wenn wir diesen Zweck gesehen, gewürdigt und akzeptiert haben, können wir loslassen. Dabei ist das Loslassen nichts, was wir aktiv tun. Es ist die natürliche Folge, wenn wir etwas wirklich annehmen. Deswegen ist es so wichtig und so hilfreich, sich die eigenen dunklen Seiten anzuschauen, die Widerstände und Widersacher.

Widerstand erkannt und sofort gebannt?

Es heißt leider nicht, dass die Sache garantiert verschwindet, wenn ich sie mir einmal angeschaut habe. Manchmal reicht es tatsächlich eine Angewohnheit wahrzunehmen, um sie abzustellen. Oft braucht es allerdings Zeit, Übung und viel Geduld.

Wir können vor unseren Monstern davonlaufen, sie bekämpfen oder sie in Gefährten verwandeln.

Und: Wofür ist die Wut nun gut?

Meine Neigung mich beim Autofahren aufzuregen und jede klitzekleine Grenzüberschreitung in diesem Bereich wahrzunehmen und sofort bereit zu sein – verbal – zurückzuschlagen, stand lange im völligen Gegensatz dazu, wie ich sonst handelte. Wenn jemand im Alltag meine Grenze überschritt, habe ich das erst viel später wahrgenommen und lange nicht so verteidigt, wie ich das beim Autofahren tat.

Der Wert der Wut: Grenzen aufzeigen

Dadurch, dass ich hier und jetzt beim Schreiben darüber nachgedacht habe, habe ich etwas erkannt: Ich sehe jetzt den Wert, der in dieser Wut liegt. Diese Wut erlaubt es mir, mein Leben zu schützen. Und für diese Wut und diese Aufmerksamkeit, wann meine Grenze überschritten ist, bin ich sehr dankbar, wenn ich mich in meinem sonstigen Leben damit abgrenzen kann – zum Beispiel gegen den cholerischen Chef.

Aus einer Schwäche erwächst eine Stärke

Somit wird aus der Wut, meinem maßlosen Aufregen im Auto, plötzlich etwas Positives: Die Fähigkeit zu erkennen, wann meine Grenze überschritten wird und die Kraft, diese Grenze zu verteidigen.

Die Übung: Und jetzt sind Sie dran!

Nun lade ich Sie ein: Schauen Sie sich Ihre Widerstände an und finden Sie das Gute darin! Schreiben Sie die drei Dinge auf, bei denen Sie aus der Haut fahren. Wenn Ihnen das Thema Wut schwer fällt, schreiben Sie drei Dinge auf, bei denen Sie sich so verhalten, dass Sie sich über sich selbst ärgern. Also Gegebenheiten, bei denen Sie unzufrieden damit waren, wie Sie sich verhalten haben. Legen Sie dazu auf einem Blatt zwei Spalten an. Links schreiben Sie das Verhalten auf, dass Sie ärgert. Rechts schreiben Sie auf, wofür dieses Verhalten gut war, ist oder in Zukunft sein .

 

Heldenreise und Beruf: Die Artikelserie

Geschichten sind weit mehr als nette Unterhaltung – sie können uns den Weg durch unser Leben weisen! Das Konzept dahinter heißt „die Heldenreise“. Ich habe eine kleine Artikelserie zum Thema Heldenreise und Beruf geschrieben, hier sind die einzelnen Beiträge:

Das Leben als Heldenreise
Die eigene Berufung finden
Übung zur inneren Stimme: Meine 100 Ziele
Abenteuer Traumberuf: Ihre magischen Kräfte und treuen Gefährten
Übung zu den eigenen Ressourcen: So finden Sie Ihre Kräfte und Gefährten
Gefahren auf der Heldenreise bestehen
Übung zu den Monstern: Schwächen in Stärken verwandeln (dieser Artikel)

Und: Wie war es für Sie?

Wie immer freue ich mich über Kommentare, wie es Ihnen mit dieser Übung gegangen ist.

Abenteuer Traumberuf: Gefahren auf der Heldenreise bestehen

Was ist der spannendste Teil einer Geschichte? Es ist die Auseinandersetzung mit dem Bösen, der Kampf des Helden, seine schwierigste Prüfung. Und was sind die Momente in unserem alltäglichen Leben, vor denen wir uns am meisten fürchten und denen wir aus dem Weg gehen? Sie ahnen es: Auch das sind Prüfungen und Auseinandersetzungen. Das Gute: Es gibt eine Möglichkeit mit Prüfungen heldenhaft umzugehen.

Der Widersacher im Alltag kann die schwierige Kundin sein, der cholerische Chef, die aufbrausende Kollegin oder der besserwisserische Partner. Manchmal sind es nicht konkrete Personen, sondern vielmehr Situationen, die uns einschüchtern oder sogar verängstigen: Sei es nun der Vortrag vor vielen Menschen, Autofahren, Arbeitslosigkeit oder sogar der Umgang mit Krankheit und Tod.

Was Prüfungen bedeuten

Dabei spielen alle diese Situationen die gleiche Rolle wie in den Geschichten: Es sind Prüfungen. Im Rückblick fällt uns das oft viel einfacher zu sehen: „Das war eine entscheidende Wendung in meinem Leben, als ich den schrecklichen Job hinter mit gelassen habe“, sagen wir dann. „Das war gut, als ich ihm endlich mal meine Meinung gesagt habe.“ Nur wenn wir selbst gerade im tiefsten Tal sitzen, in der dunklesten Höhle umherirren oder uns unseren schlimmsten Feinden stellen müssen, wünschen wir uns weit weg. Dann fühlt es sich alles andere als bedeutungsschwanger oder gar heldenhaft an.

Stationen der Heldenreise: In tiefsten Tiefen. Bild: Held in der Dunkelheit

Abstand gewinnen

Manchmal reicht der Blick aufs große Ganze, um der Prüfung etwas von ihrer Schwere zu nehmen: „Ah, das ist ein schwerer Teil meines Weges“ oder „Das ist eine Prüfung.“ Die Heldenreise ist ein hilfreiches Instrument, um ein Problem in eine Herausforderung umzudeuten.

Das Geschenk der Prüfung

Eine Prüfung versperrt uns nicht nur einfach den Weg zum Schatz. Nein, es geht viel weiter: Unsere Absicht und Standfestigkeit kommen auf den Prüfstand. Wollen wir die Veränderung wirklich? Oft sind die Widerstände viel kleiner, als wir denken. Und wenn wir den Widerstand überwunden haben, geht es geradezu mühelos weiter. Dann öffnet sich wie von Zauberhand ein Tor – um in der Sprache der Märchen zu bleiben.

Prüfung durch einen Schwellenhüter

In Geschichten wacht an bedeutenden Übergängen oft ein Torwächter, auch Schwellenhüter genannt. Diese Figur schützt den Übergang und bewacht den Eingang zur verborgenen oder verbotenen Welt. In eine solche unbekannte Welt wollen auch wir, wenn wir zum Beispiel unsere Stelle wechseln oder vielleicht den ganzen Beruf.

Figuren der Heldenreise: Der Hüter der Schwelle. Bild: Der Held steht vor einer riesenhaften Ratte.

Wie der Held den Schwellenhüter überwindet

Der Held kann vor dem Schwellenhüter fliehen, ihn umgehen, ihn überlisten oder ihn bekämpfen. Die edelste Art ist dabei, den Torwächter so zu überwinden, dass aus ihm ein Verbündeter wird. Hier liegt ein echtes Geheimnis. Die Frage ist: Was können wir aus Widerständen, seien es nun reale Personen oder innere Widerstände, lernen?

Wie ich meine Schwäche in eine Stärke verwandelte

Früher hat es mich mitunter sehr mitgenommen, wenn andere aggressiv oder laut wurden. Sei es nun in Beziehungen oder im Beruf. Solche „Angriffe“ haben mich regelmäßig überrumpelt. Ich bin da sehr empfindlich. Es hat eine Weile gedauert, bis ich erkannt habe, dass empfindlich auch etwas mit empfindsam zu tun hat. Oder anders ausgedrückt: Ich bin feinfühlig, empathisch. Diese Feinfühligkeit ist andererseits eine große Stärke. Für meinen Beruf als Coach ist sie sogar meines Erachtens eine Grundvoraussetzung: Ich spüre, was den anderen bewegt.

Was wenn wir versagen?

Selbst wenn wir scheitern, wenn wir die Prüfung nicht bestehen, können wir viel gewinnen – nämlich Informationen! Eine Prüfung ist meist nur in diesem Moment gescheitert und nicht grundsätzlich für alle Zeiten. Es ist eine wichtige Erfahrung, davon bin ich überzeugt. Auch wenn sich das natürlich wie blanker Hohn für jemanden anhört, der gerade scheitert. Wie zum Beispiel einen Lehramtsstudenten, der im Moment an seinem Staatsexamen verzweifelt.

Was ist der Gewinn des Scheiterns?

Wie könnte diese Information aussehen, die wir aus dem Scheitern gewinnen? Es könnte sein, dass wir noch nicht alles beisammen haben, was wir benötigen, um diese Prüfung zu bestehen. So wie der Held nur mit der richtigen Waffe das Monster besiegen kann oder mit dem richtigen Zauberwort die Höhle öffnen kann. Im Falle des gescheiterten Staatsexamens könnte es sein, dass dem Prüfling entweder inhaltliches Verständnis oder die Fähigkeit fehlt, mit Prüfungsstress umzugehen. Eine wichtige Information: Denn Lehrer ist ein stressiger Beruf und es wichtig, mit Stress umgehen zu können.

Burnout: Nichts geht mehr!

Aber was ist, wenn alles zusammenbricht? Wenn Körper und Geist anscheinend den Dienst versagen? Wenn ich zum Beispiel mit Burnout zusammenbreche? Auch da hat eine Umdeutung angefangen. Längst sprechen Psychologen wie Gunther Schmidt davon, dass Burnout eine Kompetenz von Körper und Geist ist. Es ist eine – zugegebene sehr deutliche – Rückmeldung, dass irgendetwas nicht mehr tragbar ist. Es ist eine bedeutende Information.

Der Weg aus dem tiefen Tal

Geschichten bieten eine beruhigende und hoffnungsvolle Botschaft für alle Scheiternden und alle, die im tiefen Tal umherirren. Zum einen sagen sie: Ihr seid nicht allein, diesen Weg sind vor euch schon viele gegangen. Zum anderen verkünden sie die Hoffnung: Es geht auch wieder aufwärts.

 

Abenteuer und Schwellenhüter? Was hat das mit dem Beruf zu tun?

Zugegeben: Ich mag Fantasy – und falls Sie Interesse haben, kann ich Ihnen eine ganze Reihe an Büchern, Comics, Filmen und Hörspielen empfehlen – doch das ist nicht der (einzige) Grund, weshalb ich mich mit Abenteuern und Schwellenhütern beschäftige. Die Heldenreise, auf die ich mich beziehe, ist ein universale Blaupause für unser Leben. Sie beschreibt, wie der Held und damit auch wir, durchs Leben schreiten und Herausforderungen meistern. Mehr dazu im Blogpost Heldenreise.

Meine Frage an Sie: Wie war es für Sie?

Wie ist es Ihnen mit dieser Übung ergangen? Schreiben Sie mir doch bitte in den Kommentaren, ob sie Ihnen gefallen hat, was hilfreich war und was nicht.

Im nächsten Blogpost gibt es wieder eine Übung. Dann geht es darum, Widerstände umzudeuten und so langfristig in Stärken zu verwandeln.

Übung zu den persönlichen Ressourcen: So finden Sie Ihre Gefährten und magischen Kräfte

Der Weg zu einer neuen Stelle oder sogar zu einem neuen Beruf gleicht manchmal einem Abenteuer: Spannung und Vorfreude wechseln sich ab mit Sorgen und Herausforderungen dazu gesellen sich überraschende Wendungen und unerwartete Gegenspieler. Daher ist es hilfreich, meine eigenen Stärken und die Menschen zu kennen, die mich durch dieses Abenteuer tragen. Herauszufinden, wer und was das ist, dabei hilft die folgende Übung. 

Auf unsere Fähigkeiten und Unterstützter stoßen wir, wenn wir einen Blick in unsere Vergangenheit werfen – weshalb ich diese auch magische Kräfte und Gefährten nenne, können Sie im Blogpost Abenteuer Traumberuf nachlesen. Diese Übung können Sie gut alleine machen, Sie brauchen dazu lediglich etwas Zeit, ungefähr eine halbe Stunde, sowie etwas zu schreiben.

Vorbereitung: Das brauchen Sie für die Übung

Optimal sind Moderationskarten in zwei Farben, Sie können jedoch auch Karteikarten verwenden oder einfache DIN-A4-Blättern. Wenn Sie letztere nehmen, empfehle ich Ihnen, die Blätter zu halbieren oder zu dritteln. Legen Sie sich ruhig rund 30 dieser Blätter oder Karten zur Seite.

1. Das Abenteuer: Welche Krise haben Sie erfolgreich überwunden?

Jetzt suchen Sie sich eine herausfordernde Situation oder Krise aus Ihrer Vergangenheit aus, die Sie erfolgreich bewältigt haben. Nehmen Sie sich Zeit und stellen sich die Situation möglichst genau vor. Was ist damals passiert? Wie ging es Ihnen damit? Wenn Sie die Situation vor Ihrem inneren Auge sehen, nehmen Sie ein Papier und beschreiben die Situation mit zwei, drei Worten. Ich hatte zum Beispiel mit dem Abschluss meines Studiums zu kämpfen und würde auf den Zettel „Magisterarbeit“ schreiben. Diesen Zettel legen Sie vor sich auf den Boden.

2. Die Gefährten: Wer hat Sie begleitet?

As nächstes fragen Sie sich, welche Menschen in dieser Situation, in dieser Krise für Sie wichtig waren. In Beispiel des Abschlusses meines Studiums sind es drei, vier Freundinnen und Freunde, meine Eltern, meine Schwester und ein Coach gewesen. Für jede Person, die für Sie eine Bedeutung hatte, nehmen Sie ein neues Papier und schreiben deren Namen darauf. Diese Zettel legen Sie jetzt nacheinander um den ersten Zettel, der die Situation beschreibt. So wächst langsam ein Netz von Menschen, die Sie durch diese Krise begleitet haben. Wenn Sie merken, dass Sie alle wichtigen Personen aufgeschrieben haben, kommt die zweite Phase der Übung.

Eine Übung in 4 Schritten: Das Abenteuer, die Gefährten, die Magie und der Schatz

3. Die Magie: Welche Fähigkeiten haben Ihnen geholfen?

Jetzt überlegen Sie sich, welche Fähigkeiten Ihnen geholfen haben, diese Krise zu meistern. Jede Fähigkeit schreiben Sie auf einen neuen Zettel und ordnen diese um die Personen. Wenn Sie verschiedenfarbige Karten oder Blättern haben, wählen Sie für die Fähigkeiten eine andere Farbe als für die Personen.

Vielen fällt es schwer die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu sehen. Leichter fällt das anderen, vor allem Menschen, die uns nahestehen. Daher hilft es, wenn ich mich an eine dieser Personen wende. Das kann ich übrigens auch für mich alleine, ganz hypothetisch tun: Was würde diese Person sagen, wenn ich sie frage, welche meiner Fähigkeit mir damals geholfen hat?

Ich würde zum Beispiel überlegen: Was würde meine Schwester antworten, wenn ich Sie frage, welche Fähigkeit mir geholfen hat, meine Abschlussarbeit zu schreiben. Die Antwort, die ich darauf – wenn auch nur in meinem Kopf – ist: Humor!

Die Zettel mit den Fähigkeiten, die Sie über diesen Umweg aufspüren, können Sie gerne der betreffenden Person zuordnen. So wächst um den ersten Ring aus Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern ein zweiter Ring aus Fähigkeiten und inneren Kräften.

Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, treten einen Schritt zurück und betrachtet das Bild, das vor Ihnen auf dem Boden liegt. Fragen Sie sich: Was fehlt noch? Was muss noch gesagt werden? Warten Sie einen Augenblick, dann schreiben Sie auf, was noch kommt.

4. Der Schatz: Was bringen Sie mit zurück aus dem Abenteuer?

Wenn Sie alles Wichtige aufgeschrieben haben, mach Sie wieder einen Schritt zurück und lassen alles auf sich wirken. Spüren Sie, was es mit Ihnen macht, wenn Sie all diese Menschen und Fähigkeiten sehen, die Sie durch die Krise getragen haben.

Zum Abschluss gehen Sie wieder zu dem Bild und nehmen einen Zettel nach dem anderen auf. Vielleicht empfinden Sie dabei so etwas wie Dankbarkeit für Ihre Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter und Ihre Kräfte.

In der Heldenreise ist dieser Abschnitt – die Rückkehr – besonders wichtig: Der Held kehrt zurück in seine normale Welt und bringt etwas mit, das er im Abenteuer, in der Andreswelt errungen hat. In den Sagen und Geschichten sind das der heilige Gral, die Prinzessin oder ein anderer Schatz. In dieser Übung kann uns klar werden, was wir in unserer Krise gewonnen haben. Diese Erkenntnis, wer und was uns unterstützt, ist unser Gral.

Sinn und Ursprung der Übung

Diese Übung dient dazu, dass Sie sich Ihrer Ressourcen bewusst zu werden. Es ist ein Ausschnitt aus einer Übung namens Timeline, die aus dem Systemischen Arbeiten stammt. In der Regel führt Sie ein Coach oder Therapeut durch diese Übung. Meist wirken solche Übungen stärker, wenn Sie jemand begleitet, der die Methode bereits kennt und beherrscht. Sie können die Übung aber auch, wie oben beschrieben, gut alleine durchführen. Sie wirkt auch so.

Wann machen Sie den ersten Schritt? Ihre Heldenreise wartet!

Mit Ihren Fähigkeiten im Gepäck und Ihren Begleiterinnen und Begleitern an Ihrer Seite sind Sie gut gerüstet für Ihre Reise. Wohin sie Sie am Ende führt und was Ihnen unterwegs bevor steht, das erfahren Sie erst, wenn Sie losgehen. Ich wünsche Ihnen ein spannendes Abenteuer.

 

 

Magie? Gefährten? Was soll das denn?

Wieso spreche ich von Gefährten und „magischen“ Kräften? Hört sich nach Fantasy à la Herr der Ringe an – und ja, ein Stück weit stimmt das auch. Ich beziehe auf die Reise des Helden, die jeder Erzählung, jedem Märchen und Sage zugrunde liegt. Dabei ist die Heldenreise mehr als eine Blaupause für gutes Storytelling, sondern eine Richtschnur für unser Leben. Lesen Sie mehr im Blogpost Heldenreise.

Meine Frage an Sie: Wie war es für Sie?

Wie ist es Ihnen mit dieser Übung ergangen? Schreiben Sie mir doch bitte in den Kommentaren, ob sie Ihnen gefallen hat, was hilfreich war und was nicht.

Die Heldenreise als Blaupause fürs Leben

Die Heldenreise ist der Weg eines Helden durch sein Abenteuer. Es ist die Blaupause für jede Erzählung. Sie liegt als Schablone unter Filmen, Comics und Märchen. Deswegen interessieren sich Autoren von Hollywood-Filmen ebenso brennend für sie wie Marketingexperten. Dabei ist die Heldenreise mehr als eine Anleitung für gute Geschichten – sie hilft uns unser Leben besser zu verstehen und zu meistern!

Die Heldenreise besteht, grob gesagt, aus drei Teilen: Am Anfang verlässt der Held seine vertraute Umgebung und bricht auf in das Unbekannte. Dort erlebt er eine Prüfung, wobei er im Idealfall etwas gewinnt. Mit diesem Schatz kehrt er zurück in seine vertraute Umgebung. So weit, so einfach, so verständlich. Neben diesen drei Grundphasen gibt es übrigens viele weitere Stationen, die der Held auf seiner Reise durchlaufen kann. Aber woher stammt dieses Geschichtengrundgerüst?

Das Ursprung aller Geschichten: Der Monomythos

Von den alten Sumerern über die Aborigines bis hin zu den amerikanischen Ureinwohnern untersuchte der Mythenforscher Joseph Campbell mythische und religiöse Erzählungen. Schließlich fand er ein zugrundeliegendes Erzählmuster, das über Zeiten, Orten und Kulturen hinweg bestand: Er nannte es den Monomythos – oder halt: die Reise des Helden. (Ausführlich dazu in seinem Buch „Der Heros in tausend Gestalten“)

Unser ganzes Leben ist eine einzige Heldenreise.

Campbell sah in den Mythen einen Schlüssel, um Herausforderungen und Strukturveränderungen in unserem Leben zu bewältigen; heute würden wir sagen: um den Change zu bewältigen. Die Heldenreise ist damit ein Schlüssel, der uns quasi angeboren ist, und eine Methode, die der menschlichen Psyche entspricht.

Riten und Zeremonien: Den Mythos selbst durchleben

Dieses erzählerische Grundmuster findet sich auch in Initiationsriten. Es handelt sich dabei um Methoden, um Übergänge durch- und erlebbar zu machen und uns so zu erleichtern. Ob Geburt, Erwachsenwerden, Hochzeit oder Tod für jede einschneidende Wendung im Leben gibt es eine Zeremonie – in allen Kulturen und zu allen Zeiten.

Wie wichtig diese Riten für uns als Mensch sind, sehen wir in unserer eigenen Kultur, in der sich ein wachsender Teil von den organisierten Religionen abwendet. Dennoch feiern wir Hochzeiten und treffen uns zum Leichenschmaus wie eh und je. Der Grund: Ganz einfach, weil wir sie brauchen – die Riten und Zeremonien, die uns auf unserer Reise durchs Leben begleiten.

Initiationsriten: So funktionieren sie

Auch den Übergang vom Kind zum Erwachsenen durchlaufen Menschen seit Jahrtausenden mit Hilfe einer Zeremonie – der Initiation. Diese Initiationsriten folgen ebenfalls dem dreiteiligen Muster der Heldenreise aus Aufbruch, Prüfung und Rückkehr:

  • Aufbruch: Verlassen der Gemeinschaft und Überschreiten der Schwelle
  • Prüfung: Bewährung in der Anderswelt, der Schwellenzeit
  • Rückkehr: Heimkehr und Aufnahme in die Gemeinschaft sowie Teilen des Erlebten

In indianischen Kulturen gingen die Heranwachsenden bei ihrem Initiationsritus auf eine Visionssuche. Sie verließen die Gemeinschaft und mussten mehrere Tage allein überleben. Diese Kulturen waren überzeugt, dass der Suchende auch die normale Welt verließ, in dem er eine Schwelle überschritt.

Während dieser Schwellenzeit – oder in der Anderswelt – nahm der Suchende Kontakt mit dem Göttlichen oder Unbewussten auf. Er bekam eine Vision seiner selbst. Mit dieser Erkenntnis im Gepäck überschritt er am Ende ein zweites Mal die Schwelle: Er kehrte zurück in die Gemeinschaft und teilte seine Erkenntnis im Kreis der erwachsenen Stammesmitglieder, zu denen er nun zählte.

Selbst Held sein – oder der Heldenreise-Workshop

Wenn Heldenreise und Initiationsriten von so elementarer Bedeutung für uns Menschen sind, wieso sie dann nicht auch heute zur Selbsterfahrung nutzen? Paul Rebillot dachte sich etwas ähnliches und schuf ein mehrtägiges Heldenreisen-Seminar (Mehr dazu im Buch Die Heldenreise von Paul Rebillot). Hilfreich – aber wir brauchen nicht unbedingt bei jedem Anlass einen langwierigen Initiationsritus.

Um die Kraft der Mythen zu nutzen, gibt es auch andere, kürzere Wege. Den einfachsten beschreiten viele von uns übrigens auch in der modernen Gesellschaft tagtäglich: Wir lassen uns von Geschichten unterhalten! Aber bringt das was?

Geschichten: Wirklich nur unterhaltsam?

Ja, selbst wenn wir eine Geschichte nur hören, als Buch lesen oder als Film sehen, wirkt sie. Geschichten können unser Verhalten verändern! Es ist, als seien Geschichten unser ureigene Art Wissen und Erfahrungen weiterzugeben und anzueignen. Vor allem Wissen, wie wir schwierige Situationen bewältigen. Jonathan Gottschall nannte den Mensch daher in seinem gleichnamigen Buch „The Storytelling Animal“. Welche Ironie, wenn unsere selbsternannte aufgeklärte Gesellschaft oft genug das „Unterhaltende“ dem „Informativen“ als unterlegen ansieht.

Werkzeug Heldenreise: Die Macht von Geschichten

Wie Geschichten uns den Weg zeigen

Wir können aber auch noch gezielter Geschichten nutzen, um zu lernen. Einer der Menschen, die mich auf meinem Weg begleiteten, empfahl mir vor Jahren das Buch „Der Alchemist“ von Paulo Coehlo (Und wer es von Ihnen tatsächlich noch nicht kennt, dem lege ich es hiermit wärmstens ans Herz). In dem Buch geht es um die Reise des Hirtenjungen Santiago, der seinem Traum folgt, von Spanien nach Afrika bis – aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Wie weit bin ich in meinem Abenteuer?

Auf meinem persönlichen Weg fragte mich mein Begleiter ab und zu: Und wo stehst du (im Vergleich zu Santiago)? Bist du noch in Spanien oder bereits in Afrika? Hast du deine Schafe schon verkauft? Hast du das eine schon verloren? Oder hast du das andere schon gewonnen? Diese Fragen haben mir geholfen, meinen eigenen Standort zu bestimmen. So habe ich meine Situation besser verstanden.

Was beruflicher Change mit der Heldenreise zu tun hat

Die Heldenreise ist also ein seit Jahrtausenden erprobtes und mächtiges Werkzeug, wenn ich Umbrüchen in meinem Leben bewältigen will. Und die berufliche Veränderung, sei es nun der Neuanfang in einer Abteilung, einer neuen Firma oder sogar in einem völlig anderen Beruf, ist ein solcher Umbruch. Daher beschreibe ich Ihnen in den nächsten Beiträgen die Suche und den Weg zu einem neuen Beruf anhand der Stationen der Heldenreise. Folgen Sie mir auf diesem teilweise spannenden, teilweise beängstigend, manchmal mühsamen, manchmal poetischen und hoffentlich lehrreichen Abenteuer des beruflichen Neustarts.

 

Meine Frage an Sie: Wie hat es Ihnen gefallen?

Wie spannend fanden Sie die Heldenreise? Schreiben Sie mir doch bitte in den Kommentaren, ob Ihnen der Blogpost gefallen hat, was noch fehlt, was hilfreich war und was nicht.

 

Lese-Tipps

Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten.
Epochales Werk zur Heldenreise. Im Gewand einer anthropologischen Abhandlung, anspruchsvoll geschrieben, mag für heutige Leser streckenweise gestelzt wirken.

Christoph Vogler: Die Odyssee des Drehbuchschreibers.
Verständliche und leicht zu lesende Einführung in die Heldenreise anhand populäre Filme. Ursprünglich für Autoren gedacht.

Paul Rebillot: Die Heldenreise. Das Abenteuer der kreativen Selbsterfahrung.
Handbuch für die Heldenreise als mehrtägiges Seminar.

Petra Sammer: Storytelling. Die Zukunft von PR und Marketing.
Einführung ins Storytelling als Mittel in der professionellen Kommunikation. Anschauliche Beispiele und direkt einsetzbare Methoden.