Mechthild Schroeter-Rupieper: Wenn Kinder trauern

#Eltern-Gedöns Episode #017

Mechthild Schroeter-Rupieper: Trauer – Eltern-Gedöns-Podcast mit Christopher End

Trauer ist ein Gefühl, was hierzulande immer noch tabuisiert wird. Eigentlich ist Trauer lebenswichtig, wir brauchen das Gefühl, um mit Abschied, Verlust und Tod umgehen zu können. Um so wichtiger, das Kinder früh lernen zu trauern. Wie Eltern sie dabei unterstützen können, erklärt Familientrauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper im Interview in dieser Podcast-Folge.

Mechthild Schroeter-Rupieper

Mechthild ist Familientrauerbegleiterin – und das seit 25 Jahren. Sie hat quasi die Familientrauerarbeit nach Deutschland gebracht. Heute hat sie ein eigenes Institut, bildet Trauerbegleiter aus, bietet Fortbildungen unter anderem für Erzieherinnen und Lehrer an und hat zahlreiche Bücher über das Thema geschrieben.

„Behalt die Oma so in Erinnerung, wie sie war.“

Tod und Trauer sind in unserer Gesellschaft mittlerweile Tabus. Manche Eltern versuchen ihren Kindern die unangenehmen Gefühle zu ersparen. Kinder werden nicht zu Beerdigungen mitgenommen. Oder Eltern sind selbst mit ihren Gefühlen überfordert und fragen zum Beispiel Mechthild, ob sie ihren Kindern die schlimme Botschaft überbringen könne. Dabei, so Mechthild, ist es so wichtig, dass Eltern ihren Kindern die schreckliche Nachricht sagen. Kinder wünschen sich, dass in einer solchen Situation ihre Eltern für sie da sind.

Trauer gehört in den Alltag.

Es ist wichtig, dass wir den toten Menschen sehen – auch und gerade als Kind. Auch den Tod können Kinder manchmal erst begreifen, wenn sie den Toten angefasst, „begriffen“ haben.

Küche des Lavia Trauerinstitut in Gelsenkirchen

„Trauer gehört an den Küchentisch“, sagt Mechthild und schaffte kurzerhand für die Trauerarbeit eine wohnliche Küche in ihrem Institut.

Wenn die Oma stirbt

Kinder, deren Oma oder Opa stirbt, brauchen in der Regel keine Trauergruppe, meint Mechthild. „Das ist normale Trauer, wenn die Oma stirbt“, sagt Mechthild. Der Kreislauf des Lebens. Wie wertvoll ist es, wenn Eltern die Kinder jetzt in ihrer Trauer begleiten können.

Wir sollten viel mehr Anlässe nutzen, um traurig zu sein, so Mechthild. Eltern gibt sie das sehr unmissverständlich mit: „Irgendwann wird dein Kind dastehen und mit der Traurigkeit um deinen Tod umgehen müssen.“

Kinder vor Trauer schützen?

Mechthild plädiert dafür Kinder an die Hand zu nehmen und Trauer zu üben – gemeinsam. Außenvorlassen ist nicht schützen. Außenvorlassen ist Ausschließen. Und das verletzt oder verunsichert Kinder viel mehr, als mit ihnen gemeinsam durch die Trauer und Traurigkeit zu gehen.

 

Wenn Mama weint …

Traurigkeit ist ansteckend. Alle Gefühle sind ansteckend. Freude ist ansteckend. Wut ist ansteckend. Enkel ist ansteckend. Gefühle sind notwendig.

Wir können einen Verlust nur verarbeiten, wenn wir traurig sind. Wir brauchen also unsere Traurigkeit, um mit dem Verlust umzugehen.

Und es hilft, zusammenzusitzen und traurig zu sein. Wenn die  Traurigkeit Raum hat, dann hat auch wieder Freude Platz.

Wenn wir Gefühle wie Trauer nicht zulassen

Rettungsring im Lavia-Trauerinstitut

Ein Rettungsring im Lavia-Trauerinstitut

Das Problem, dass wir nicht traurig sein wollen. Wir werden erzogen, indem uns jemand sagt: Tut doch nicht weh. Stimmt aber nicht. Es tut weh. So erziehen wir unseren Kindern eine Wahrnehnungsstörung an, meint Mechthild. Deswegen sollten wir zuerst die Wahrnehmung bestätigen – und dann können wir schauen, wie wir einen Umgang damit finden.

Jungen weinen nicht

Leider ist es in unserer Gesellschaft immer noch so, dass Jungen sich das Weinen abgewöhnen. In der Grundschule fängt es schon an. Dabei sind  Jungs genauso traurig wie die Mädchen. Aber was macht eine Junge nun, wenn er traurig ist und nicht trauern kann?

In unserer Gesellschaft beginnen auch Frauen sich für ihre Traurigkeit entschuldigen. Hier läuft etwas verkehrt, ist Mechthild überzeugt.

Wie mit Trauer umgehen?

Das Gefühl zuzulassen ist der erste Schritte. Aber es geht nicht nur darum zuschauen, sondern vielmehr eine Form zu finden. Eine Form, wie ich meine Trauer ausdrücken kann. Mechthild empfiehlt, Kinder  miteinzubeziehen. Gemeinsam können Eltern und Kinder überlegen, was sie tun möchten und können.

Kinder könnten die Totenbriefe bemalen und sie in der Nachbarschaft verteilen – und so die Eltern tatsächlich ein stückweit entlasten. Kinder können den Sarg mit aussuchen. Es gibt viele Möglichkeiten. Im Podcast hat Mechthild noch viele Tipps parat, wie wir Kinder auch bei einer Beerdigung unterstützen.

Wieviel Trauer ist normal?

Musikzimmer im Lavia TrauerinstitutDie Traurigkeit wird immer da sein, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, sagt Mechthild. Aber der Schmerz verändert sich. Die Traurigkeit darf belieb. Sie hat etwas mit Liebe zu tun. Ohne Traurigkeit wäre Gleichgültigkeit da.

Wie bereiten wir Kinder auf Trauer und Tod vor?

Trauer ist mehr als nur die Traurigkeit über den Tod, so Mechthild. Trauer passiert immer, wenn ich etwas verliere, was mir wichtig ist. Daher sind auch die kleinere Abschiede, wie der Übergang zur Schule oder ein Umzug Anlass für Trauer. Zu den größeren Verlusten zähen neben Tod auch Scheidung und Flucht (Verlust der Heimat).

Buchtipps von Mechthild

Mechthild meint, Kinderbücher über Trauer  gehören in jeden Familienhaushalt, in Kindergarten und Schule. Denn Kinder können erst Fragen stellen, wenn sie Wissen haben. Es braucht gar nicht den großen Abschied, den Tod, um sich mit Trauer zu beschäftigen. Über Abschied sprechen können wir im Herbst oder bei Veränderungen wie Abschied vom Kindergarten, bei kirchlichen Feiertagen.

Mechthild empfiehlt Bilderbücher – auch Erwachsenen, denn Trauernden haben oft nicht die Kraft und die Konzentration, um längere Texte zu lesen. Zwei Kinderbücher zum Einstieg sind „Wie der kleine rosa Elefant einmal sehr traurig war und wie es ihm wieder gut ging“ von Monika Witze und Eric Batet und „Hat Opa einen Anzug an?“ von Amelie Fried.

Über Mechthild Schroeter-Rupieper

Information zu Mechthilds Arbeit findest du auf ihrer Webseite familientrauerbegleitung.de und ihrer Facebook-Seite. Du kannst sie auch per E-Mail erreichen unter info@familientrauerbegleitung.de.

Mechthild Schroeter-Rupieper vor dem Eingang zu ihrem Lavia Trauerinstitut

Mechthild Schroeter-Rupieper vor dem Eingang zum Lavia Trauerinstitut.

Mechthild hat eine ganze Reihe Bücher zur Trauerarbeit geschrieben. Sie selbst empfiehlt zum Einstieg folgende beide Titel:

Geschichten, die das Leben erzählt, weil der Tod sie geschrieben hat (ISBN: 978-3-8436-0882-4)

Für immer und anders. Das Buch für Familien in Zeiten der Trauer und des Abschieds (ISBN-10: 3796614566)

Alle Bücher von Mechthild und viele weitere Literaturempfehlungen von anderen Autoren, Filmtipps und das Ganze thematisch geordnet (Scheidung, Trauma, Suizid usw.)  findest du unter familientrauerbegleitung.de/publikationen.html

Trauerarbeit unterstützen

Wenn du Mechthilds Arbeit unterstützen willst und Familien Trauerarbeit ermöglichen willst, die sich das sonst nicht leisten können, dann lege ich dir den Förderverein Lava Verein für Familientrauerbegleitung e.V. ans Herz.

„Trauer braucht ein Zuhause.“
Mechthild Schroeter-Rupieper

Das Lavia Trauerinstitut in Gelsenkirchen

„Trauer braucht ein Zuhause“, meint Mechthild Schroeter-Rupieper – und schuf das Lavia Trauerinstitut in Gelsenkirchen.

"Trauer-Gefühle sind Talente." Mechthild Schroeter-Rupieper über Trauer bei Kindern im Eltern-Gedöns-Podcast.


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Erholung statt Familienstress im Urlaub

Strandbild mit Sonnenschirmen. Stress im Familienurlaub? Christopher End Eltern-Coach Köln
Ferienzeit = Familienzeit = Familienstreit? Wir sehnen uns oft ein ganze Jahr danach endlich in den Urlaub zu fahren, nur um dann festzustellen, dass am Urlaubsort der Streit bereits auf uns wartet. Woran liegt das – und viel wichtiger: Wie geht es anders?

Die Gründe für den Familienstreit im Urlaub sind vielfältig, ganz grundlegend würde ich sagen: Wer den Stress miteinpackt, darf sich nicht wundern, wenn er ihn am Urlaubsort wieder auspackt. Das heißt Familien, die eh schon dauergestresst sind, laufen eher Gefahr, dass auch im Urlaub Stress und Streit sie begleitet. Das soll keine Vorwurf sein, ich habe wirklich viel Mitgefühl mit Familien – denn die haben heutzutage einfach viel zu schultern …

Viele Gründe für Stress im Urlaub …

Gerade wenn der berufliche und familiäre Alltag stressig ist, sehnen wir uns nach Erholung. Dann sparen wir uns quasi unser Bedürfnis nach Ruhe, Stille und Harmonie für den Urlaub auf. Nach dem Motto: Jetzt beiße ich die Zähen zusammen– bald kann ich entspannen. Das kreiert jedoch zwei Probleme: Zum einen ändern wir nichts am grundlegenden Stressmodell, was uns langfristig schaden kann, und zum anderen bauen wir so hohe Erwartungen auf, die uns kurzfristig den Urlaub versauen können.

Hotelpool. Stress im Familienurlaub? Christopher End Eltern-Coach Köln

Auf der Hotel-Webseite sieht alles so friedlich und harmonisch aus – die eigene Familie kann den Streit selbst ins Urlaubs-Paradies tragen 😉

Hohe Erwartungen

In den hohen Erwartungen, dass im Urlaub alles anders wird, liegt eine Gefahr: Wenn wir als Eltern nicht etwas anders machen, kann uns das Ganze um die Ohren fliegen – der angestaute Stress plus die Erwartungen. Kinder können sehr sensible auf Erwartungen reagieren. Dass sie so sein sollen und nicht so, wie sie gerade sind, bedeutet für sie nämlich Stress und schon fliegen die Fetzen …

Das Gleiche machen oder zu viel …

Wer ein durchgetaktes Leben führt und diese hohe Schlagzahl mit in den Urlaub nimmt, darf sich nicht wundern, wenn die Erholung ausbleibt. Wir Menschen regenerieren jeden Tag im Schlaf, im Nichtstun. Genauso brauchen wir auch im Jahresrhythmus das Nichtstun. Deswegen plädiere ich für Pause machen– das heißt nicht, dass ich unbedingt den ganzen Tag verschlafen muss (auch wenn das für den ein oder anderen wirklich angebracht ist). Pause machen heißt, etwas anders zu machen. Das bisherige Tun zu unterbrechen.

Zeit für ungeklärte Konflikte und Gefühle

Doch selbst wenn es mir gelingt, den Urlaub nicht zu überfrachten und als Pause einzurichten, knallt es in manchen Familien. Manchmal liegt das schlicht daran, dass jetzt Zeit für alles das ist, für das bisher keine Zeit war. Das können leider auch ungeklärte Konflikte oder angestaute Gefühle sein. Manchmal fällt von uns schlicht die Last des Alltags ab. Das kann uns erschöpfen. So wie manche am Samstag Kopfschmerzen bekommen oder erst in den Ferien krank werden. Bis dahin hatten wir uns ja zusammengerissen …

Wenn das Zusammensein ungewohnt ist …

In Familien, in denen sehr viel gearbeitet wird und Kinder und Eltern sich nur selten sehen, kann noch eine andere Herausforderung dazu kommen: Die Familie ist es unter Umständen gar nicht gewohnt so viel Zeit miteinander zu verbringen. Je dichter dieses Zusammensein im Urlaub jetzt wird – und auch noch harmonisch und erholsam verlaufen soll, desto eher knallt es. Was tun?

 

3 Lösungsansätze für harmonische Urlaube

Die Lösungen klangen natürlich ein stückweit schon in der Beschreibung der Ursachen an. Ich empfehle im Wesentlichen drei Ansätze:

  1. Etwas anders machen
  2. Weniger machen
  3. Für jeden sorgen

Anders machen

Der große Paul Watzlawick sagte schon, dass „mehr desselben“ das Problem zementiert statt zu lösen. Wer dazu neigt, viel zu machen, zu organisieren und zu erreichen, könnte vielleicht mal probieren dieses Tun loszulassen. Am Beispiel eines Besuchs in Paris könnte das heißen, statt möglichst viele „wichtige“ Sehenswürdigkeiten wie den Eifelturm oder den Louvre abzuhaken, sich einfach mal treiben zu lassen: An der Seine spazieren gehen und sich spontan in ein Café setzen.

Stein am Strand. Stress im Familienurlaub? Christopher End Eltern-Coach Köln

Sich in der Betrachtung eines Steines am Strandes zu versenken, kann unglaublich entspannend sein – vorausgesetzt wir stellen vorher die richtigen Weichen …

Wenn weniger mehr ist

Oder direkt auf den Abstecher in die große Stadt verzichten und lieber einen Tag mehr am Strand verbringen. Die Zahl der Ausflüge reduzieren. Sich mehr Zeit lassenfür ganz grundlegende Dinge wie Einkaufen, Kochen und gemeinsam Essen.

Der Urlaub soll die schönste Zeit des Jahres sein – eigentlich. Nicht selten gibt es jedoch Zoff.

Es ist oben schon mal angeklungen, aber ich betone es hier nochmal: Weniger Erwartungen bedeuten häufig auch mehr Harmonie. Dazu kann es tatsächlich hilfreich sein, sich erst einmal von der Vorstellung eines harmonischen Urlaubs zu verabschieden. Hört sich paradox an. Also den Streit miteinzukalkulieren. Wenn nämlich gestritten werden darf, entspannt das gerade Kinder. Denn jetzt müssen sie gar nicht „lieb“ sein. Und entspannte Kinder fördern die Harmonie ungemein …

Für jeden sorgen

Gerade bei Familien ist es hilfreich, wenn die Bedürfnisse von allen erfüllt werden: Weder dient es der Harmonie, wenn die Eltern ihr Programm durchziehen und die Kinder gegen ihren Willen mitschleifen. Noch können die Eltern entspannen, wenn sich alles nur um die Wünsche der Kinder dreht. Ich finde es wichtig und richtig, wenn für jeden etwas dabei ist: Mama wünscht sich einen Museumsbesuch? Papa einen Vormittag im Liegestuhl? Die Tochter einen Tag planschen im See? Wie kann für alle gesorgt werden?

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wundervollen, entspannten Urlaub – mit nicht zu viel Harmonie ;-)!

 

PS: Die Bilder sind 2016 auf Kreta entstanden – traumhafter Ort.

 

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Trotzphase oder Autonomiephase: Was tun mit einem wütenden Kind?

#Eltern-Gedöns Episode #016

Wütendes Kind in der Trotzphase / Autonomiephase: Was tun? | Eltern-Gedöns-Podcast mit Christopher End

Wenn Kinder wüten oder trotzen, sind auch Eltern schnell verzweifelt oder wütend. Was hilft dann? Was besser hilft als Strafen wie ein Auszeit für das Kind. Wie Eltern ihre Kinder in dieser fordernden Zeit begleiten können, so dass das Kind lernt mit seinen Gefühlen umzugehen, erkläre ich in diesem 5-Minuten-Solo-Tipp.

In dieser Folge beantworte ich die Frage einer Hörerin. Sie schreibt:

„Henry* (3) wird in verschiedenen Situationen sehr wütend und das steigert sich dann auch in körperlicher Form, also er haut und wirft Sachen umher. Ich werde des Öfteren in der Kita von den Erziehern angesprochen oder besser gesagt, darüber informert, dass er dort auch das Verhalten hat.

Er wirft mit Steinen und Stöckern, er geht andere Kinder an wenn in seiner Wahrnehmung irgendetwas störend ist. Und hier zu Hause nimmt es dann Züge an, dass er seine große Schwester (6) bei den unterschiedlichsten Situationen haut, auch mal an den Harren zieht, kneift und wütend ist. Gesteigert wird das auch noch, dass ich feststelle, dass er das auch teilweise grundlos (in meiner Wahrnehmung) tut. Also eher provozieren möchte.

Wir haben hier zu Hause die Regel mit ihm, wenn er übergriffig wird, muss er raus in die Diele und dort auf der Dielenbank eine Auszeit nehmen.

Wie umgehen mit Wut?

Kurz zur Einleitung: Ein wütender, schreiender Dreijähriger – das hört sich für mich nach einem Kind an, das in der Autonomiephase steckt. Die Autonomiephase kann vom zweiten bis zum fünften Lebensjahr dauern. Sie ist herausfordernd für Kind UND Eltern! (Ausführlicher dazu in diesem Artikel– und wieso das nicht mehr Trotzphase heißt) Mir helfen dabei drei Dinge:

  1. Wissen, was beim Kind passiert
  2. Methoden, um mit einem Wutanfall umzugehen
  3. Der Blick auf mich

1. Was passiert bei dem Kind während der Autonomiephase?

Kinder kommen in der Autonomiephase häufig an ihre Grenzen – und sind entsprechend oft enttäuscht, traurig oder wütend. Hilfreich zu wissen: Sie können meist noch nicht zu jeder Zeit ihre Gefühle alleine regulieren. Und die Gefühle von Frust, Wut und Enttäuschung sind in diesem Alter wirklich groß! Auch die Neurobiologie unterstreicht diese Erkenntnis: Der Bereich im Gehirn, der die Gefühle bewusst regulieren kann, bildet sich während der Kindheit erst heraus. Das heißt: Das Kind kann gar nicht anders. Es wird regelrecht von den Gefühlen überschwemmt. Dieses Wissen hat mir zumindest einen völlig neuen Blick auf das schreiend Kind gegeben, das vor mir zusammenbrach.

2. Sofort-Hilfe bei Gefühlsausbrüchen

Bei schreienden Babys handelnd die meisten von uns intuitiv: Sie nehmen den Säugling auf den Arm, wiegen ihn und sprechen beruhigend auf ihn ein. Dann überlegen wir, was das Kind gerade braucht, welches Bedürfnis es hat (Hunger, Nähe, Wärme etc.). Nicht anders gehen wir vor, wenn ein Kind völlig überfordert ist und in der Autonomiephase zusammenbricht. Nur weil das Kind laufen und sprechen kann, heißt das nicht, dass es seine Gefühle regulieren kann. Manchmal gelingt es ihm, sich zusammenzureißen (z.B. tagsüber im Kindergarten), manchmal gelingt ihm das nicht. In diesen Momenten der Verzweiflung braucht das Kind unseren Halt, Zuwendung und unsere Nähe.

Das Kind ernst zu nehmen, ist der erste Schritt. Seine Gefühle zu spiegeln ein weiterer. Das geht, indem wir einfach das Gefühl benennen, das wir beim Kind vermuten: „Du bist gerade wütend.“ Wenn wir dabei die Stimme ruhiger werden lassen, erhält auch das Kind die Chance ruhiger zu werden. Weniger Worte helfen. Denn wenn das Kind einen Wutanfall durchlebt, sind die Bereich des Gehirns heruntergefahren, die sich mit Logik und komplizierten Satzstrukturen befassen können. Nähe und Berührung können helfen – manche Kinder können allerdings es nicht vertragen,  wenn sie in den Arm genommen werden, während sie wütend sind. Da hilft nur ausprobieren.

Lösung finden oder Streit klären

Erst wenn sich das Kind beruhigt hat, klären wir die eigentliche Herausforderung oder den Anlass – falls das noch nötig ist.

3. Was macht die Wut des Kindes mit mir?

Zum Schluss finde ich es für mich sehr aufschlussreich zu sehen, was die Wut des Kindes mit mir macht! Bin ich entspannt, während das Kind sich schreiend auf dem Boden wälzt oder sogar nach mir schlägt? Oder werde ich selbst wütend, frustriert? Schäme ich mich, wenn „mir“ das in der Öffentlichkeit passiert – oder vor Freunden, Verwandten, gar den eigenen (Schwieger-)Eltern? Diese Antworten sind für mich wichtig. So kann ich erkennen, was bei mir noch an „unerledigter Arbeit“ liegt.

Es ist die Chance, mir meine Themen anzuschauen. Und wenn ich mir das anschaue, besteht die große Möglichkeit, dass ich mich besser verstehe, liebevoller mit mir umgehen kann – und dann auch wieder mit dem Kind. Insofern ist die Autonomiephase nicht nur eine Zeit, in der das Kind geradezu Unglaubliches lernt, sondern in der auch die Eltern noch geradezu Unglaubliches lernen können.

* Namen geändert

 


Wutanfälle meistern und gefühlsstarke Kinder begleiten

4-Wochen Kurs in Köln: Gelassen Wutanfälle meistern

In einem kombinierten Offline-Online-Training zeige ich dir, wie du dein Kind durch Wutanfälle begleiten kannst. Der Kurs Wutanfälle gelassen meistern besteht aus zwei Nachmittagsseminaren in Köln und zwei Online-Videos. Der Kurs startet am 18. November 2019.


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Christoph Kraus: Der Kreis der Väter

#Eltern-Gedöns Episode #015

Christoph Kraus: Im Kreis der Väter | Der Eltern-Gedöns-Podast mit Christopher End

Was bedeutet Vatersein heute? Christoph Kraus und ich sprechen in dieser Folge über unser Vatersein, über unsere Kinder und über unsere Eltern. Wir sprechen darüber,  dass Väter heute manchmal ganz schön allein dastehen. Deswegen bieten wir einen Kreis für Väter ein. Was das ist und ob das was für dich ist, erfährst du in dieser Podcast-Folge.

Christoph Kraus ist Vater, Mental- und Entspannungstrainer und Tantra-Masseur. Er hilft Menschen auf achtsame Weise ihre Sexualität neu zu entdecken. Ich habe ihn in seinem Haus im Bergischen Land besucht. Christoph arbeitet ansonsten in Köln.

Diese Podcast-Folge ist besonders, finde ich. Und das aus mehreren Gründen: Erstens ist Christoph mein erster männlicher Gast im Podcast. Alle Gäste bis dahin waren Frauen! Wenn ich mir so meine Gästeliste anschaue, dann frage ich mich, ob Erziehung und Leben mit Kindern nicht immer noch zu großen Teilen Sache der Frauen ist. Genau da sind ja wir Väter gefragt. Und damit sind wir schon bei der zweiten Besonderheit dieser Folge. Diesmal geht es um ein Angebot von uns beiden, von Christoph & Christopher: Der Kreis der Väter! Und da dies unser gemeinsames Projekt ist, habe ich diesmal auch kein Interview geführt, in dem ich die Fragen stelle, sondern ein Gespräch, in dem wir beide zu Wort kommen. Das wäre dann die dritte Besonderheit. Ach ja: Und schneiden musste ich diesmal auch so gut wie gar nicht.

Mehr Infos zum Kreis der Väter

Der Kreis der Väter erstreckt sich über einen Zeitraum von einem halben Jahr. Etwa einmal im Monat kommen wir an einem Abend zusammen. Es wird Meditation, Musik, Übungen und Austausch im Kreis geben. Jeden Abend widmen wir dabei einem eigenen Thema.

Wenn du dich für den Kreis der Väter interessierst, dann kannst du dich auf der Info-Seite zu Der Kreis der Väter vormerken lassen. Wir informieren dich dann, sobald die Termine stehen und die Anmeldung beginnt.

Über Christoph Kraus

Informationen zu Christophs Arbeit findest du auf der Webseite Praxis Liebesleben und auf seinem Web-Profil. Du kannst auch über sein Facebook-Profil mit ihm in Kontakt treten.

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Liebevoll oder besser streng? Was tun als Eltern?

#Eltern-Gedöns Episode #014

Eltern-Gedöns Podcast mit Christopher End | Liebevoller oder strenger als Eltern?

Ist ein strenger oder freier Erziehungsstil besser? Muss ich meine Kinder eng führen oder ihnen eher viele Freiräume lassen? In dieser Solo-Nummer erkläre ich dir, wieso ich glaube, dass Zuneigung und Grenzen setzen nur zwei Seiten einer Medaille sind – und zum Leben mit Kindern dazugehören.

Liebe heißt für mich, dass ich mein Kind annehme, so wie es ist. Mein Nein oder Ja, meine Grenzen oder meine Zuneigung gilt immer nur dem Verhalten des Kindes.

Der Fluss zwischen Freiheit und Verbot

Mir hilft das Bild eines Flusses, der zwei Ufer hat. In der Mitte fließt der Fluß frei, an den Seiten besteht die Gefahr, dass das Boot auf Grund läuft. Die eine Seite ist die Freiheit, da lasse ich dem Kind jede Möglichkeit, sich auszudrücken. Die andere Seite ist das Verbot, da ist alles vorgeben und starr. Ich glaube Kindern tut es gut, wenn sie lernen sich zwischen diesen beiden Seiten zu bewegen, ohne dass Eltern in eines der Extreme verfallen.

Wenn wir Kindern keine Grenzen setzen, lernt das Kind auch nicht die Grenzen anderer zu achten oder gar wahrzunehmen. Setzen wir dem Kind hingegen keine Grenze, so verlernt es sich zu entfalten. Es ist als ob der Wunsch sich auszudrücken stirbt oder begraben wird.

Fragen zum Reflektieren

Meine grundsätzliche Frage: Nehme ich meine Kind so an, wie es ist? Und wenn nicht, wo nehme ich mein Kind nicht an? Oder welche Teile von ihm?

Das Ja zu meinem Kind ist die Grundlage

Oder ich frage mich: Warum sage ich Nein? Oder warum sage ich kein Nein? Meine Erfahrung ist, dass viele meiner Entscheidungen keine bewusste Entscheidungen sind, sondern alte Muster. Jeder Mensch hat meines Erachtens eine Tendenz – eine Tendenz eher zu verbieten oder eher zu erlauben.Viele dieser Muster haben wir selbst mal uns angeeignet – nicht selten in der eigenen Kindheit. Das ist auch gar nichts Schlechtes.

Was muss ich erlauben, was darf ich verbieten?

Bei uns zuhause ist es zum Beispiel verboten, auf dem Sofa zu springen. Bei anderen Familien ist das hingegen erlaubt. Diese unterschiedlichen Regeln fordern uns als Eltern natürlich heraus. Kinder spüren diese Unterschiede und wollen häufig durchsetzen, was für sie gerade passend ist.

Jede Familie hat ihre eigenen Regeln

Ich finde es legitim, wenn jede Familie ihre eigenen Regeln hat. Und ich finde es legitim, wenn Kinder lernen, dass jedes System seine eigenen Regeln hat.

 

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Nicola Herrmann: Einfach zuckerfrei leben mit Kindern

#Eltern-Gedöns Episode #013

Nicola Herrmann: Einfach zuckerfrei leben mit Kindern | Eltern-Gedöns-Podcast mit Christopher End

Kindheit ohne Süßigkeiten? Was sich erstmal wie ein Paradoxon anhört, macht viel Sinn, wenn man Nicola Hermann zugehört hat. Im Interview erklärt sie sowohl die Gründe und wie es geht!

Nicola ist Hebamme, Ernährungsberaterin und Leiterin einer Elternschule – und vor allem hat sie selbst den Weg vom Zucker-liebenden Kind zum erwachsenen „Gemüsejunkie“ vollzogen (wie sie sich selbstironisch nennt). Eine humorvolle Gesprächspartnerin, die jede Menge familienerprobte Tipps und Tricks auf Lager hat.

Stracciatella-Keks-Brei vs. Möhren

Dass Stracciatella-Keks-Brei nicht das ist, was Kinder evolutionär bedingt als Nahrungsmittel erwarten, ist eigentlich trivial. Allerdings war mir nicht klar, wie stark Kinder und zwar schon im Säuglingsalter geschmacklich geprägt werden – was das für Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben haben kann und wie geschickt das Kinder an Produkte bindet …

Das Gute: Es ist nie zu spät, ein Gemüsejunkie zu werden, sagt Nicola. Sie sei das beste Beispiel. Denn als Kind habe sie sich alles andere als gesund ernährt. Wie es dazu kam und vor allem wie sie den Weg daraus gefunden hat, erklärt sie im Podcast.

3 Schritte, um zuckerfrei mit der Familie zu leben

Nicola hat drei einfache Regeln, mit der es gelingt die ersten Schritte in Richtung zuckerfrei zu schaffen – auch als Familie mit kleinen Kinder!

  1. Nichts über Knie brechen
  2. Kinder mitnehmen -> gemeinsamer Beschluss der Familie
  3. Bei mir selber anfangen

Was hilft auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung, ist eine klare Haltung, so Nicola. Dazu zählt auch  ihre Überzeugung, dass Süßigkeiten keine Lebensmittel sind!

Schokolade dank Kinderarbeit?

Süßes kann ganz schön sauer aufstoßen kann: Vor allem wenn man sich mit den Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern beschäftigt, meint Nicola. Problematisch sei die Kakao-Gewinnung für Schokolade, erklärt die Ernährungsberaterin. Das sei keine Kinderarbeit, so Nicola – sondern etwas viel Schlimmeres …

Wieso ihr auf Fairtrade achten solltet!

Daher empfiehlt Nicola nur fair gehandelt Schokolade – doch statt das Kindern einfach vorzuschreiben, ist es viel sinnvoller, wenn Kinder und Eltern sich das gemeinsam erarbeiten. Also: ran an den Computer und einfach mal in die Suchmaschine Kakao und Kinderarbeit eingeben …

Über Nicola Herrmann

Du erreichst Nicola über ihre Webseite nicola-herrmann.de – dort findest du alle Informationen zu ihren Webinaren, Seminaren und anderen Angeboten wie ihr wundervoll gestaltetes und
kostenlose Mini-Kochbuch (PDF). Ach ja: Und hier gibt es den im Podcast erwähnten Gemüse-Lutscher.

Ansonsten kannst du Nicola auf ihrer Facebook-Seite, auf Instagram und Pinterest folgen. Empfehlenswert ist dabei dienstags um 8 Uhr morgens auf Facebook vorbeizuschauen: dann kocht Nicola live in ihrer Küche – natürlich zuckerfrei ;-)!

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