• Deine eigene Kindheit klären mit deinen Eltern

Eltern-Gedöns Episode #EG286

Du willst etwas aus deiner eigenen Kindheit mit deinen Eltern klären? Dann solltest du folgende 3 typische Fallen kennen und wie du ihnen entgehst. Ich zeige dir, wieso das Klären mit den eigenen Eltern alles andere als leicht sein kann und wie du doch zum Ziel kommst.

Der Wunsch mit den Eltern etwas zu klären

Dinge aus der eigenen Kindheit mit den eigenen Eltern klären. Das ist etwas, was mir so häufig begegnet.

Ich kenne es auch aus meiner eigenen Geschichte: Rückblickend sehe ich, was mir damals in meiner Kindheit oder Jugend nicht gut getan hat. So habe ich zum Beispiel erkannt, dass meine Mutter mich an einer wichtigen Stelle in meinem Leben nicht unterstützt hat, mein Vater überhaupt viel nicht da war oder mein Lehrer mich vor der ganzen Klasse erniedrigt hat. Alles schmerzhafte Erfahrungen. Erfahrungen, die mich auch teilweise stark geprägt haben. So sehr, dass ich die Folgen heute noch als Erwachsener spüre.

Nach solchen Erkenntnissen kommt oft der Wunsch, den andern damit zu konfrontieren. Meinem Vater, meiner Mutter oder dem Lehrer die Meinung zu sagen.

Doch häufig führt das gar nicht zum erwünschten Ziel!

Meinen Klientinnen und Klienten sagen dann zum Beispiel:
„Christopher, ja, ich hab es versucht denen das zu erklären – doch die hören mir gar nicht zu.“

Oder: „Die verstehen mich nicht. Die können mich einfach nicht verstehen.

Oder: „Jetzt habe ich den Mut aufgebracht und es ihnen gesagt und dann werden die auch noch wütend! Ich meine, ich bin doch derjenige, der eigentlich das Recht hat wütend zu sein.“

Wenn du so eine Erfahrung machst, möchte ich dir sagen, das ist total verständlich und es ist total normal – es ist in meinen Augen eine sehr häufige Erfahrung.

So traurig das auch sein mag: Oft sind die eigenen Eltern nicht bereit, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

Ich zeige dir jetzt drei Gründe auf, weshalb das so ist, und damit drei Fallen, in die wir reintappen können, drei Dinge, die du wissen solltest und natürlich, wie es anders gehen kann.

Bereit?

Okay, dann geht es los.

3 Dinge, die du wissen solltest, bevor du etwas klärst

Erstens.

Wenn du in deiner Kindheit die Erfahrung gemacht hast, dass du nicht gesehen wurdest, dass du nicht verstanden wurdest und dass du nicht angenommen wurdest, dann besteht leider eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen das auch heute nicht tun:

  • dass sie dich auch heute nicht sehen …
  • dass sie dich auch heute nicht verstehen und
  • dass sie dich auch heute nicht wirklich annehmen.

Das ist traurig und gleichzeitig eine Realität – und irgendwie logisch: Also die Menschen, die damals ein kleines Kind schon nicht gesehen haben, wieso sollen die jetzt heute sehen, was damals passiert ist und wie es dir damit geht? Wieso sollen die heute verstehen, dass dich das als Kind vielleicht verletzt hat?

Wir hoffen immer, dass da bei unseren Eltern eine Einsicht gekommen ist, denn bei uns ist die Einsicht ja augenscheinlich eingetreten.

Als Kind konnten wir damals nicht sehen, wie ungut das war.

Heute als Erwachsene sehen wir das.

Klar, wir sind ja auch erwachsen geworden.

Aber die Menschen auf der andern Seite, die häufig genug unsere Eltern waren, sind halt genau so erwachsen oder wenig erwachsen, wie sie damals waren.

Sie sind leider oft genug die gleichen geblieben, die sie damals waren.

Das heißt: Sie haben nicht den Erkenntnisprozess durchlaufen, den du durchgemacht hast.

Vielleicht ahnen sie, dass das für das Kind alles andere als gut war.

Vielleicht sehen sie, dass du etwas mit deinem Kind jetzt anders machst.

Vielleicht haben sie ein ungutes Gefühl.

Leider sind viele noch nicht so weit, sich das anzuschauen. Gerade wenn sie damals nicht hingeschaut haben, ist die Chance groß, dass sie das auch heute nicht tun.

Daher: Laufe nicht zur leeren Quelle!

Zweitens.

Ja, wir laufen zur leeren Quelle und damit sind wir beim zweiten Punkt, weil damit ist eine Gefahr verbunden: Die Gefahr, dass wir hier und jetzt die gleiche Erfahrung wie damals machen – auch wenn wir heute erwachsen sind.

Wir laufen zu unseren Eltern und hoffen, dass sie uns jetzt sehen, dass sie uns jetzt verstehen und dass sie uns jetzt (endlich) annehmen – nur: die tun uns nicht den Gefallen.

Ganz im Gegenteil.

Uns begegnet im besten Fall Unverständnis, oft genug aber eine abweisende Reaktion oder ein Leugnung im schlimmsten Fall sogar Vorwürfe, Abwertung oder Angriffe.

Damit erfahren wir jetzt die gleiche Verletzung wie damals.

Es ist wie ein Schlag in die gleiche Kerbe, in die alte Wunde.

Die Wunde heilt also nicht, sondern wird eher wieder angestoßen oder im schlimmsten Fall gar aufgerissen …

Drittens.

Damit kommen wir zum dritten Punkt: Indem du zu deinen Eltern gehst in der Hoffnung, dass sie dich jetzt verstehen, ja sich vielleicht sogar entschuldigen, bleibst du abhängig von den Eltern. Bleibst abhängig davon, dass etwas im Außen passiert.

Und ja: Früher als Kinder waren wir abhängig von unseren Eltern oder den Menschen, die uns begleitet haben (Das umfasst auch Erzieher*innen, Aupair und Kinderfrau, Lehrer*innen, Trainer*innen, Pfarrer*innen, Klavierlehrer*innen, Pfadfinderleiter*innen, Nachbar*innen und so weiter und sofort).

Kinder sind nun mal abhängig und zwar in höchstem Maße: Ihr Überleben hängt ab von den Erwachsenen.

Damals als Kind hätten wir es daher gebraucht, dass wir gesehen werden, dass wir verstanden werden, dass unsere Gefühle anerkannt werden und unsere Bedürfnisse gesehen und erfüllt werden.

Ja, wir hätten gebraucht, dass wir, so wie wir sind, angenommen werden.

Wenn wir all das jetzt realisieren, ist der Wunsch so verständlich für mich (und ja, ich kenne ihn auch): Dass unsere Eltern wenigstens heute sehen, wie es uns damals ergangen ist. Dass sie sich vielleicht sogar dafür entschuldigen.

Ja, es ist verständlich.

Leider ist er wie schon gesagt in manchen Fällen auch unwahrscheinlich.

Ich weiß, wie befreiend es sein kann, wenn das von der anderen Seite kommt: Wenn diese Anerkennung endlich kommt, wenn jemand sagt: „Das tut mir leid.“

Aber es ist halt auch eine Falle.

Denn: Du bleibst abhängig.

Abhängig davon, dass deine Eltern dich verstehen, sehen und anerkennen …

Du bleibst auf eine Weise in dieser kindlichen Abhängigkeit.

Das meine ich damit, wenn ich sage, lauf nicht zur leeren Quelle.

Dein Weg in die Unabhängigkeit

„Okay, Christopher“, fragst du jetzt „und was soll ich stattdessen tun?“

Meine Antwort: Wende dich dir selbst zu. Tu die Arbeit in dir, im Innen:

  • Lerne dich selbst zu sehen, dann kannst du auch die Erfahrung machen, dass du dich gesehen fühlst.
  • Beginn dich selbst zu verstehen. Dann kannst du die Erfahrung machen, dich verstanden zu fühlen.
  • Und lerne dich anzunehmen, damit du die Erfahrung machst, was Annahme bedeutet.

Wenn du diese Schritte gegangen bist, wenn du es in dir geklärt hast und nur dann (!) gehst du nach draußen und klärst das draußen – und von mir aus auch mit deinen Eltern.

Denn wenn du es in dir geklärt hast, bist du nicht mehr abhängig davon, wie deine Eltern reagieren. Dann kannst du das mit ihnen klären und erklären, wie es für
dich war. Aber du bist nicht mehr abhängig von ihrer Reaktion.

Solltest du dich jetzt fragen, wie du das in dir klärst, dann lautet meine Empfehlung: lasst dich begleiten!

Natürlich gibt es auch viele Methoden und Möglichkeiten, das alleine zu tun. Das für dich alleine zu klären. Ohne Begleitung. Geht. Vorausgesetzt: du bist geübt in so was und du hast genügend Halt!

Ein schnellerer Weg, bei dem du zugleich gehalten bist, ist die persönliche Begleitung.

Ja, als Erwachsene sind wir nicht mehr so abhängig von den anderen, wie wir das als Kind waren. Stimmt.

Doch wir bleiben soziale Wesen.

Und: Um die verletzende Beziehungserfahrung zu verändern, die wir damals gemacht haben, kann es sehr hilfreich sein, jetzt als Erwachsene eine neue Beziehungserfahrung zu machen. Und das geht halt vor allem in Beziehung, also mit einem anderen Menschen.

Das ist das, was ich tue, was einen Teil meiner Arbeit ausmacht.

Bereit für eine neue Erfahrung?

Wenn dich belastet, was damals geschehen ist (oder nicht geschehen), und du was ändern möchtest, wenn du bereit bist hinzuschauen (das ist wichtig!), dann begleite ich dich gerne.

Ich weiß, das kann auch manchmal unangenehm sein, doch ich bin in diesem Prozess für dich da.

Es darf meines Erachtens herausfordernd sein. Es darf sogar wehtun. Solange es nicht überwältigend ist. Solange du dich nicht verloren fühlst. Oder allein gelassen.

Ich bin dann an deiner Seite.

Das ist Teil der neuen Erfahrung, die du machen kannst: Jemand ist da und bleibt da.

Wie sieht diese Begleitung konkret aus?

Oder wie kannst du starten?

Wir beginnen ganz unverbindlich mit einem kostenlosen telefonischen Erstgespräch. Da schilderst du mir deine Situation und dein Anliegen. Und ich erkläre dir, wie ich arbeite. Wir beide schauen, ob das mit uns passt. (So begleite ich zum Beispiel nicht alle Themen. Wenn etwas meine Kompetenz überschreitet, dann sag ich dir das und verweise eventuell an Kolleg*innen.)

Hier erfährst du noch mehr über meine Arbeit (Umfang, Preise, Online und Praxis in Köln).

Oder du buchst dir direkt auf Doctolib ein kostenloses telefonisches Erstgespräch. Völlig unverbindlich, wie gesagt. Zum Kennenlernen.

Ein erster Schritt.

Wenn du bereit bist.

Foto: Mona Dadari

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