• Politik: Große Sorgen & Chancen – deine Stimem zählt | Christopher End

Eltern-Gedöns Episode #EG306

Kriege, Umweltkatastrophen oder Rechtsruck, Sorgen über die Welt oder die Zukunft können uns lähmen – oder beflügeln! Zuerst ist es einmal wichtig zu lernen mit der Flut der schlechten Nachrichten umzugehen und dann einen Weg zu finden, dass du dich und deine Stimme gehört fühlst. Wie das geht, das erkläre ich in dieser – zugegebenermaßen eher politischen – Folge von Eltern-Gedöns.

Informationspflicht oder besser News-Abstinenz?

Der Strom der schlechten Nachrichten scheint nicht abzureißen – und er schlägt uns auf das Gemüte, vorsichtig formuliert. Denn: Zu viele schlechte Nachrichten können sogar krank machen!

Ein probates Mittel: Verzicht auf Nachrichten.

Doch so einfach ist es nicht: Wenn ich einfach auf  Informationen verzichte, mich dem Strom der News entziehe, dann entziehe ich mich auch auf eine Weise der Welt.

Das könnte man auch als Spiritual Political Bypassing bezeichnen: Also indem man einen Konflikt oder Dilemma entgeht, indem man ihn vermeidet.

Im Fall der Politik ist es sogar fatal, wenn wir die Entscheidung treffen: Das Ganze beträfe uns nicht und es wäre spirituell sowieso besser sich nicht an der Schlammschlacht und der „bösen“ Politik zu beteiligen.

Denn im schlimmsten Fall überlassen wir so anderen das Feld.

Genau das passiert gerade im Fall von Rechtsextremismus: Kräfte, die unsere demokratische Grundlage angreifen, das Miteinander, die offene Gesellschaft, gewinnen an Boden.

Wenn wir uns jetzt immer weiter zurückziehen, zum Beispiel nicht mehr wählen gehen, dann profitieren davon vor allem die extremen Kräfte und Parteien.

Zum Glück gibt es Möglichkeiten sich dem Dauerfeuer der Bad News zu entziehen ohne sich gleich der Welt zu entziehen.

Von schlechten zu guten Nachrichten

In dieser Folge von Eltern-Gedöns erklärt Ronja von Wurmb-Seibel, wie wir von schlechten zu guten Nachrichten kommen können.
Die Kurzfassung lautet: Weniger ständiges Bombardement von Mini-Newsschnipseln hin zu tiefgründigeren Nachrichten.
Täglich oder stündlich beispielsweise einen Krieg wie den Ukraine-Krieg zu verfolgen und jede Truppenbewegung nachzuvollziehen, bringt uns auch inhaltlich kaum weiter. Wenn ich statt jeden Tag 10 Minuten oder mehr mit neusten Frontnachrichten zu bringe, mir diese Zeit nehme, um ein Buch über die Ukraine, Russland (oder von mir aus auch über Waffensysteme) lese, dann habe ich nach einem Jahr sicherlich ein tieferes Verständnis für den Konflikt.
Gleichzeitig entziehe ich mich so dem medialen Dauerfeuer (sorry für das Wortspiel), das mich wahrscheinlich eher emotional trifft.
Also: Statt Dauerbeschallung mit schlechten Nachrichten (dank Insta auf dem Handy), lieber Indeep-BEschäftigung mit einem Thema.
Kleiner Tipp am Rande: Längst gibt es auch Nachrichtenportale, die sich explizit guten Nachrichten verschrieben haben. Hier ein paar
Kugelzwei.de (auch WDR) | Insta

Teilhabe und mitgestalten

Fünf Möglichkeiten dich einzubringen und deiner Stimme Gehör zu verleihen.

  1. Stimm ab: Petitionen
  2. Meld dich doch mal: Mails und Briefe schreiben
  3. Werde Teil: Parteien und Organisationen
  4. Zeig dich: Veranstaltungen und Demonstrationen besuchen
  5. Wähle – und motiviere andere Menschen zur Wahl zu gehen

Real talk: 3 Wahrheiten über Politik

  1. eine Partei kein Wunschkonzert
    So sehr ich die Frustration oder sogar Ärger verstehen kann, wenn die Partei, die ich gewählt habe, nicht (alles) das macht, was ich mir wünsche (oder sie sogar versprochen hat): Das ist die Realität. Keine Partei und auch kein Abgeordnete*r kann alles umsetzen, was ich mir wünsche. Und gleichzeitig kommen wir nicht ohne Parteien, nicht ohne Abgeordnete aus – wie sagte Winston Churchill so schön:

    „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staats­ formen, ausgenommen alle anderen.“

  2. die Wirklichkeit ist komplex
    Ja, ich wünsche mir auch viel mehr und viel schnellere und einfachere Lösungen – leider ist die Wirklichkeit oft extrem komplex. Und am Ende sind politische Lösungen manchmal widersprüchlich und lösungsbehindernd. Ja. Doch es hilft nicht, sich nur das Versagen von Politik und Verwaltung anzuschauen – wenn wir nicht ein grundlegendes Verständnis für die dahinterstehende Komplexität haben. Ernüchternd ist zum Beispiel sich einmal in eine Sitzung eines Ausschusses (Stadtrat) zu setzen, um einen Eindruck zu bekommen,  wie vielen Ebenen zum Beispiel bei einem Schulweg betroffen sind.
  3. Wirf einen Blick über den Gartenzaun
    Ja, hierzulande läuft einiges schief – ich bin bei dir. Doch das sollte uns nicht dazu verleiten, aufzugeben oder uns zurückzuziehen. Denn zum einen ist unser demokratisches System viel freier und unsere Sozialsystem viel sozialer als in vielen anderen Ländern der Welt. Und gerade ist es in Gefahr, dass diese freien und sozialen Grundlagen vom extrem rechten Rand  zerstört werden. Zum anderen sind wir nicht machtlos, nein wir haben Macht, sind wir nicht alleine, sondern sind viele. Nutzen wir unsere Macht.

Organisationen für mehr Demokratie

Hier ein paar Möglichkeiten, wenn du eher grundsätzlich unsere Demokratie unterstützen willst:

abgeordnetenwatch.de

lobbycontrol.de

transparency.de

Und hier eine Möglichkeit – auch parteilos – für mehr Freiheit, Menschlichkeit, Umweltschutz und Demokratie zu trommeln:

campact.de

Aus meiner Sicht empfehlenswert in Sachen Umweltschutz:
bund.net

nabu.de

greenpeace.de

Foto: Mona Dadari

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