• Brav in der Kita, Wut zu Hause – was dahinter steckt | Christopher End

Eltern-Gedöns Episode #EG369

„Mein Kind kann sich woanders benehmen, ja da kann es gut den Regeln folgen, aber zu Hause knallt es, da heißt es dauernd „NEIN.““ So oder ähnlich schildern diese Situation mir viele Eltern. Das kann erst mal etwas verstörend sein. Wieso das häufig der Fall so ist, ich würde sogar sagen, oft ein normales Verhalten ist, und was du dann tun kannst, das erklär ich dir in dieser Folge.

zu Hause knallt es, da heißt es dauernd NEIN.

Das Zitat oben stammt übrigens aus meinem  Programm Wut gut mach’s gut von einer Teilnehmerinnen. Die schilderte mir in der ersten Coaching-Sitzung, wie  herausfordernd das für sie war, dass ihr Kind eigentlich Regeln versteht und befolgen kann, dass es sich eigentlich mit anderen Menschen arrangieren kann und dass es dann zuhause so eine große Wut ihr gegenüber ausdrückt.

Wie gesagt, das ist eine häufige Reaktion, die ich sehe – und zwar eine häufige Reaktion des Kindes und eine häufige Reaktion der Eltern!

Draußen in der Kita in der Schule, bei Freunden kannst das Kind sich quasi benehmen und drinnen, in der Familie, bei uns benimmt es sich „daneben“.

Und mit uns Eltern mach das dann was, auf vielen Ebenen. Exemplarisch greife ich mal drei Dinge raus:

  1. Viele verstehen das einfach nicht. Dann lautet die Frage: wieso kann mein Kind das nicht hier bei uns zuhause, oder wieso will mein Kind bei mir nicht kooperieren? Wieso ist es so wütend auf mich?
    Ungelöste, unbeantwortete Fragen können in uns eine innere Spannung erzeugen. Und wenn es Fragen sind, die tief gehen, weil sie unser Zusammenleben berühren oder die Entwicklung unseres Kindes betreffen, dann ist die Spannung auch höher. Stress. Und davon haben wir Eltern eigentlich schon genug.
  2. Stress ist ein guter Stichpunkt, damit sind wir beim zweite Punkt: diese ganzen Wutausbrüche sind nämlich an sich einfach stressig für die meisten von uns. Die Lautstärke allein kann herausfordernd sein. Die Größe der Emotion. Dieses Gefühl, dass ich das nicht stoppen kann. Dass ich dem ausgeliefert bin. Vielleicht auch das Gefühl, nie zu wissen, wann der nächste Ausbruch kommt.
    Dann ist es so als laufe ich durch ein Art Geysirfeld und weiß nie, wann da so Eruption kommt. Und ja auch, wenn ich ganz viele Ressourcen habe,  ist ein Wutanfall zu begleiten, natürlich anstrengender als auf der Couch zu liegen. Das alles kann Stress erzeugen.
  3. Kommen wir zum letzten Punkt: Nicht wenige Eltern haben das Gefühl, dass das so ne Undankbarkeit auf Seiten des Kindes ist. Dann kommen so Gedanken wie: „ich mach schon so viel für mein Kind. Ich mach schon so viel anders als meine Eltern. Ich hab schon so viel Bücher gelesen und auch Kurse gemacht. Und jetzt steht mein Kind da und schreit mich an wegen so einer Lappalie, weil die Lieblingssocken jetzt in der Waschmaschine sind. Oder weil die Socken kratzen. Kind seid doch froh, dass du überhaupt Socken hast und ein Dach überm Kopf und ne liebevolle Mutter.“
    Das sind Gedanken, die häufig kommen. Und es ist auch völlig normal – und gleichzeitig ist es ne Belastung, wenn ich mein Kind durch so ne Brille sehe.

Eigene Kindheit aufarbeiten

Vieles von dem, was uns belastet, hat leider die Ursache in unserer eigenen Geschichte. Wenn du das verstehen willst und einen neuen Umgang findest willst, buch dir eine Einzelsitzung.

Selbstzweifel und -vorwürfe verstärken das leider noch …

Das waren nur ein paar der Dinge, die Eltern in solchen Situationen belasten können. Und es ist nur ne kleine Auswahl. Es gibt noch weitere. Mann kann den Mist noch steigern.

Zum Beispiel mit Selbstzweifel:
Gerne bei Menschen, die es gut machen wollen. Gerne bei Menschen, die schon viel wissen. Und besonders hart kann es Menschen treffen, die es von ihrer Ausbildung, von ihrer Profession her wissen müssten, wie es geht.

Also Erzieher*innen, Pädagog*innen, Fachkräfte, Lehrer*innen, Psychotherapeut*innen, Ärzt*innen – die trifft diese Selbstzweifel und Selbstvorwürfe oft noch mal stärker.

Warum Kinder zuhause Widerstand leisten, sich auflehnen oder Wutausbrüche haben

Und jetzt möchte ich dich einladen, mal auf das Kind zu schauen und zu schauen, ob wir da einen Perspektivwechsel hinkriegen …

Und vielleicht kennst du das auch schon. Gleichzeitig lade ich dich ein, dennoch hinzuschauen, noch mal neu dich einzufühlen:

Wenn ein Kind in der Kita, in der Schule oder bei Freunden sich benimmt, funktioniert, sich anpassen kann, dann ist das erst mal ne Anpassungsleistung. Und wenn es Zuhause seine Wut zeigen kann, dann ist das erst mal ein Zeichen dafür, dass es verschiedene Verhalten an den Tag legen kann.

Und dann kann man das so interpretieren, dass man sagt: das Kind kann sich draußen anpassen und dann zu Hause im sicheren Hafen kann es loslassen. Da vertraut es.

Und wie gesagt, ich bin kein Kinder- und Jugendpsychotherapeut, das ist keine Diagnostik hier.

Es ist nur ein anderer Blick, den ich dir anbiete:

Ah, das Kind macht da draußen ne Anpassungleistung und das ist ne Leistung. Und das fordert halt Kraft und wenn es damit fertig ist und kommt nach Hause, dann kann es sein, dass sich das entlädt. Quasi das was angestaut ist. Es kann aber auch einfach sein, das es ne Erschöpfung ist. Oder dass dann das Nein kommt, weil die Autonomie draußen vielleicht nicht so gelebt wurde, wie es das Kind bracuhte.

⇒ Deswegen kommen dann bei Mama so häufig Nein.
⇒ Deswegen ist das Gefühl dann so groß.

Weil es so viel war und jetzt in Mamas Armen, in Papas Armen ist da der Raum alle das loszulassen …

… und das Kind sehnt sich dann danach:

  • dass es verstanden wird
  • dass es gesehen wird
  • dass es gehalten wird
  • dass es sein kann mit seiner Wut
  • dass es sich beruhigen kann

Wie gesagt, das sind nur Ideen und Annahmen, die ich jetzt mal formuliere. Es ist wichtig bei jedem Kind da individuell drauf zu schauen.

Das ist auch die Herausforderung von einem 5-Minuten-Podcast. Ich biete einen neuen Blick an, d.h. aber nicht, dass der immer und überall gültig sein muss.

Selbstregulation & Meditation mit Kindern

Lily & Tom: Der kleine Samurai

Eine fantastische Abenteuergeschichte plus kindgerechte Übungen zur Selbstregulation: Lily & Tom landen durch ein magisches Amulett im alten Japan. Dort erleben sie gemeinsam mit dem Samurai-Jungen Toshiro einige Abenteuer. Ganz schön spannend und aufregend – zum Glück zeigt ihnen Toshiro einige Samurai-Techniken, wie man mit Angst umgehen kann.

Alle Techniken & Meditationen sind so beschrieben, so dass ihr sie sofort nachmachen könnt.

Lily & Tom – Der kleine Samurai findet seine Mitte. Meditation und Selbstregulation für Kinder

(hier bestellen)
Christopher End & Anando Würzburger
mit Audio-Meditation (ca. 20 Min.)

Was bedeutet das für dich?!

Und auch wenn wir sagen, dass es auf ne Weise normal ist, dass das Kind draußen sich anders verhält als drinnen also in der Familie, in dem sicheren Hafen, der du bist, nichtsdestotrotz ist da ja Stress.

Und wenn Stress da ist, dann ist es gut hinzuschauen: ist das quasi für das Kind okay dieser Stress, ist der für dich okay.

Könnt ihr mit dieser Ladung und Entladung umgehen oder braucht das vielleicht noch was anderes?

Es geht bei Gefühlen nämlich nicht nur darum, dass die sich entladen und entladen und immer wieder neu entladen. Nur die Wut auszuagieren kann auf lange Sicht zu wenig sein. Gefühle verweisen ja auch auf Bedürfnisse. Und da ist es gut mal grundsätzlcih drauf zu schauen: Worauf verweist die Wut meines Kindes? Worauf verweist meine Wut?

Und das ist wieder dieser Punkt, wo man gut hinschaut auf alle Beteiligten in dem System.

Wie du das üben kannst – mit mir in Wut, mach’s gut

Wenn du dir das wünscht, da das jemand drauf schaut und der dich dabei begleitet, dann komm in Wut mach’s gut.

Das ist das, was wir da tun: Auf dich und dein Kind schauen. Und keine fertigen Konzepte fahren. Das ist kein Kurs von der Stange. Das ist eine individuelle Begleitung.

Und ganz bewusst in einer Gruppe. Denn allein die Tatsache, dass du damit mehreren Leute in diesem Programm bist und merkst, ich bin nicht damit alleine, das kann schon so erleichtert sein.

Das ist was anderes, als wenn wir eins zu eins arbeiten und ich sage dir:ja das hört sich normal an. Das ist ne völlig andere Geschichte, wenn du noch ne Handvoll weitere Leute erlebst, die ähnliche Erlebnisse erzählen.

Es macht einen Unterschied, wenn du einen Ort hast:

  • Wo du Menschen hast, die dich verstehen.
  • Wo du  Menschen hast, mit denen du dich austauschen kannst.
  • Wo du Menschen hast, die zu Vertrauten werden.
  • Wo du Menschen hast, mit denen du auch zusammen üben kannst.

Das ist das, was Wut, mach’s gut (ausführliche Infos & Anmeldung) bietet.

Foto: Mona Dadari

Vielleicht kannst du es dir angesichts von ständiger Wutanfälle, Schreien und Toben gerade kaum vorstellen – doch wie wäre es, wenn du selbst bei Wutausbrüchen deines Kindes ruhig bleibst, dein Kind beziehungsorientiert begleitest und ihm so beibringst sich selbst zu beruhigen?!

(Und lernst dich selbst zu beruhigen?!)