• Scham, weil du genervt bist von den großen Gefühlen deines Kindes?

Eltern-Gedöns Episode #EG373

Ich liebe mein Kind. Wirklich. Und trotzdem hab ich manchmal diesen Moment, wo ich mir denke: Kann das bitte einfach aufhören?! Wenn du sowas kennst, bist du nicht allein – und du bist auch kein schlechter Mensch, keine schlechte Mutter und kein schlechter Vater.

Wieso du so reagierst und wie es anders gehen kann, und wie du mit der Scham umgehen kannst das erklär ich dir in dieser Folge.

Genervtsein und die Liebe für dein Kind können nebeneinander existierten

Vielleicht kennst du das: Du willst einfühlsam sein, dein Kind gewaltfrei, beziehungsorientiert, friedvoll begleiten. Und gleichzeitig nervt dich dein Kind.

Diese beiden Gefühle – Liebe und Genervtsein – schließen sich nicht aus.

Sie sind menschlich und sie gehören zum Elternsein dazu.

Das ist ein häufiges Missverständnis, eine Fehlannahme, dass Liebe und Genervtsein nicht zusammenpassen, dass nicht zwei widersprüchliche Gefühle da sein können.

Es ist eigentlich ganz einfach: Beide Gefühle haben ihre Berechtigung.

Beide Gefühle verweisen auf etwas, das wichtig ist – für dich.

Das Genervtsein kommt aus einer Überforderung.

Da reagiert unser Nervensystem – auf diese Herausforderung, die Überforderung, den Stress. Nicht auf Logik.

Dein Genervtsein entwertet nicht deine Liebe. 

Bei vielen kickt dann diese Scham rein: „Das darf ich doch nicht denken!“

Und manchmal steckt etwas Tieferes dahinter:
All die Überzeugungen wie „Ich darf nicht genervt sein“ oder „Ich muss es perfekt machen“.

Diese Reaktionen sind normal.

Und gleichzeitig müssen sie nicht bleiben.

Also, was kannst du tun – statt dich zu verurteilen?

Wie kommst du aus der Scham raus?

Den ersten Schritt sind wir schon gegangen:
Denn Wissen ist ganz häufig die Grundlage für Veränderung.

Also: Zu wissen, dass Gefühle gleichzeitig da sein können, dass sie sich nicht gegenseitig aufheben und dass Genervtheit nicht deine Gefühle von Liebe und Zuneigung infrage stellt – das ist die Grundlage.

Ich sage immer: Aus Verstehen erwächst Verständnis.

Gefühle dürfen nebeneinander bestehen.

Deine Gefühle sind für dich da – und nicht gegen dein Kind.

Im nächsten Schritt kannst du wahrnehmen, was in dir da ist.
Wahrnehmen bedeutet: Ich spüre, da ist etwas in mir – ein Gefühl, eine Emotion. Und dann kann ich sie benennen.

Ohne sie dem anderen – in dem Fall meinem Kind – um die Ohren zu hauen.

Das ist ein Unterschied, ob ich merke:
„Ich bin gestresst, ich bin erschöpft, ich will eigentlich nicht mehr meinem Kind zuhören.“

Oder ob ich sage: „Du nervst mich! Geh mir nicht auf den Senkel!“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Eigene Kindheit aufarbeiten

Vieles von dem, was uns belastet, hat leider die Ursache in unserer eigenen Geschichte. Wenn du das verstehen willst und einen neuen Umgang findest willst, buch dir eine Einzelsitzung.

Verstehen lernen: Was ist die Ursache der Genervtheit?

Und es ist wertvoll hinzuschauen:

Woher kommt dieser Druck eigentlich, dieser Stress, diese Überforderung?
Kommt das aus dem Jetzt, aus meiner aktuellen Situation?

Dann ist das ein guter Hinweis, weil ich dann schauen kann, was ich im Moment verändern kann.

Vielleicht kommt es auch aus meiner persönlichen Geschichte – dann ist es ebenfalls wertvoll, genauer hinzusehen.

Denn dann kann es sein, dass sich etwas immer wiederholt.

Und auch dem könntest du dich widmen: Wie kann ich mit diesem Muster aus der Vergangenheit anders umgehen?

Das mit den Gefühlen wahrzunehmen, zu verstehen, woher sie kommen –
vor allem aus der Vergangenheit – das braucht meistens Zeit, um das herauszufinden und zu lernen.

Und genau deswegen: Sei sanft mit dir.

Ein Schlüssel zu Veränderung: Sei sanft zu dir!

Sanftheit ist ein gutes Stichwort. Denn an dieser Stelle hilft einfach: Selbstempathie, Selbstmitgefühl.

Zum Beispiel:
Meine jugendlichen Kinder kommen gerne abends rein, wenn wir gemütlich auf dem Sofa liegen und fernsehen.

Dann wollen sie etwas erzählen oder etwas von uns haben.

Sie kommen dann sehr spät – und manchmal bin ich einfach genervt.

Wenn ich an dieser Stelle Selbstmitgefühl praktiziere und auf mich schaue,
merke ich vielleicht: Ich habe keine Lust mehr, meinem Kind zuzuhören.

Aber dahinter liegt: Ich bin erschöpft.

Ich will nicht noch mehr regulieren. Ich hab ja schon den ganzen Tag in der Praxis Menschen reguliert … .

Ich bin erschöpft, es war ein langer Tag – dann kann ich ein bisschen freundlich mit mir sein.

Das kann auch ein Satz sein, den du dir mitnimmst –
etwas wie:

  • „Es war ein langer Tag.“
  • „Ich bin gerade erschöpft.“
  • „Das war gerade anstrengend für mich.“

Die Wut meiner Kinder war oft der Moment, in dem ich meine eigenen Grenzen gespürt habe – nicht immer liebevoll, aber ehrlich und authentisch.

In „Wut macht’s gut“ schauen wir genau dahin.

Und zwar nicht mit dem Anspruch, jetzt alles richtig zu machen,
sondern so, dass du es in deiner Geschwindigkeit, auf deine Weise machen kannst – so dass es zu dir und deinem Kind passt.

Die meisten Eltern, die ich begleite, wissen genau, was sie anders machen wollen. Sie haben schon viel gelesen – aber dann klappt es nicht.

Nicht, weil sie zu wenig wissen, sondern weil da etwas Tieferes sitzt.

Und genau da gehen wir hin. Schritt für Schritt.

Wie beim Vokabellernen: Nicht alles auf einmal, sondern im Alltag, mit Zeit zum Üben – in kleinen, machbaren Schritten.

Deshalb nehmen wir uns auch zwölf Wochen Zeit dafür.

Ich begleite dieses Programm jetzt schon einige Jahre –
und ich kann dir sagen: Veränderung ist möglich. Auch für dich.

Eine meiner Fähigkeiten, glaube ich, ist, dass ich genau auf dich schaue
und mit dir – wenn du möchtest – in die Tiefe gehe,
damit sich wirklich etwas verändern kann.

Und das soll gleichzeitig leicht sein – in Schritten, die für dich auch tragbar und machbar sind.

Denn das ist mir wirklich wichtig:
Dass du am Ende sagst: „Oh, cool – ich habe wirklich etwas verändert in meinem Familienleben.“

Wenn du dich darin wiederfindest, schau dir das Programm an. Ich freu mich auf dich.

Foto: Mona Dadari

Vielleicht kannst du es dir angesichts von ständiger Wutanfälle, Schreien und Toben gerade kaum vorstellen – doch wie wäre es, wenn du selbst bei Wutausbrüchen deines Kindes ruhig bleibst, dein Kind beziehungsorientiert begleitest und ihm so beibringst sich selbst zu beruhigen?!

(Und lernst dich selbst zu beruhigen?!)