• Narzisstische Partner – Wenn Liebe zur Falle wird | Anne Johne

Eltern-Gedöns Episode #EG429

Manchmal fühlt sich Liebe wie ein warmer Raum an – und manchmal wie ein Käfig, den du erst bemerkst, wenn dir die Luft ausgeht. In dieser Folge spreche ich mit der Psychotherapeutin Anne Johne, Autorin von Der unsichtbare Käfig, über das Leben in einer narzisstischen Beziehung: Wie entsteht diese Dynamik? Warum bleiben so viele, obwohl sie leiden? Und was kannst du tun, wenn du Kinder hast und spürst: Das hier ist nicht gesund.
Ein Gespräch über Gaslighting, Schuldumkehr, Grenzen, den Mut zum Hinschauen – und die leise Kraft, wieder du selbst zu werden.

Anne Johne

Anne ist psychologische Psychotherapeutin und Expertin für häusliche Gewlat und narzzistischen Missbrauch. Sie hat zum Thema einen Ratgeber geschrieben: Der unsichtbare Käfig – Warum wir Narzissten verfallen und wie wir uns von ihnen lösen können | Wege aus der Sucht und Abhängigkeit (buch7).

Hier findest du mehr von Anne

Annes website ist annejohne.com, ansonsten ist sie vor allem auf Instagram aktiv.

Worüber ich mit Anne unter anderem gesprochen habe

  • Wie narzisstische Beziehungen entstehen und warum sie sich so vertraut anfühlen
  • Gaslighting, Schuldumkehr und die Mechanismen emotionaler Manipulation
  • Warum Betroffene bleiben – und was sie brauchen, um gehen zu können
  • Kinder in narzisstischen Familiensystemen: Was hilft wirklich?
  • Grenzen, Empathie und Selbstverantwortung als Weg in die Freiheit

Was ist eigentlich Narzissmus

Narzissmus ist zunächst kein Schimpfwort, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Jeder Mensch braucht ein gesundes Maß an Selbstwert und Selbstbezug. Problematisch wird es dort, wo dieser Selbstwert brüchig ist und ständig von außen stabilisiert werden muss. Dann stehen Bewunderung, Kontrolle oder Überlegenheit im Vordergrund – während echte Empathie, Verantwortungsübernahme oder gleichwertige Beziehung schwerfallen.

Hinter narzisstischem Verhalten steckt häufig keine Stärke, sondern eine tiefe Unsicherheit. Das macht das Verhalten nicht harmlos – aber erklärbarer. Wichtig ist auch: Nicht jedes egozentrische oder verletzende Verhalten ist gleich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. (Letztere ist eine Diagnose, die von Psychiater*innen oder psychologischen Psychotherapeut*innen gestellt werden kann. ) Für Betroffene fühlt es sich dennoch oft verwirrend, manipulativ oder emotional instabil an.

Wut gelassen begleiten

Du kannst lernen, die Wut deines Kindes gelassener zu begleiten: In 1:1-Sitzungen (online oder in der Praxis in Köln) finden wir deinen persönlichen Weg in deine Ruhe, Kraft und Zuversicht. Ein Weg, der deine Situation, deine Herausforderungen und deine Stärken berücksichtigt.

Narzisstische Elternteile und ihre Kinder

Kinder brauchen Resonanz, Verlässlichkeit und die Erfahrung: Ich darf sein, wie ich bin. Wenn ein Elternteil stark narzisstisch geprägt ist, erleben Kinder häufig etwas anderes: Liebe und Aufmerksamkeit sind dann oft an Bedingungen geknüpft – Leistung, Anpassung oder Loyalität. Gefühle des Kindes können übergangen oder umgedeutet werden („So schlimm ist das nicht“, „Du bist zu empfindlich“).

Manche Kinder entwickeln dadurch ein übergroßes Verantwortungsgefühl, werden sehr angepasst oder versuchen, die Stimmung des Elternteils permanent zu regulieren. Andere reagieren mit Rückzug oder Wut. Besonders belastend kann es werden, wenn Kinder in Loyalitätskonflikte geraten oder subtil gegen den anderen Elternteil positioniert werden. Das untergräbt langfristig das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Was können Eltern tun, wenn das andere Elternteil narzisstisch ist?

Der wichtigste Schritt ist innere Klarheit. Wer in einer solchen Konstellation lebt, zweifelt oft an sich selbst. Deshalb ist es entscheidend, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu holen – therapeutisch, beratend oder im Austausch mit stabilen Bezugspersonen.

Für die Kinder ist es zentral, mindestens eine verlässliche, emotional präsente Bezugsperson zu haben. Das bedeutet: Gefühle spiegeln, Realität benennen, Sicherheit geben – ohne das andere Elternteil offen abzuwerten. Klare Grenzen sind wichtig, ebenso wie transparente Kommunikation auf Sachebene.

Kinder profitieren davon, wenn sie erleben: Konflikte zwischen Erwachsenen sind nicht ihre Verantwortung. Und selbst wenn ein Elternteil emotional nicht verfügbar ist, kann das andere Elternteil ein stabiles Gegengewicht bilden – durch Beziehung, Vorhersehbarkeit und ehrliche, altersangemessene Gespräche.

Foto: Mildred Klaus

Wie wäre es, wenn du selbst bei Wutausbrüchen deines Kindes ruhig bleibst, dein Kind beziehungsorientiert begleitest und ihm so beibringst sich selbst zu beruhigen?!

(Und lernst dich selbst zu beruhigen?!)