Freunde gewinnen – oder: von Kindern lernen

Ich habe nicht nur am Wochenende Zeit für meine Kinder. Nein, auch unter der Woche bin ich für sie da, hole sie vom Kindergarten ab, spiele, zeichne, erzähle und koche mit ihnen. Sie erstaunen mich immer wieder. Wie letztens meine Tochter, als sie mir zeigte, dass es so einfach ist: Freunde finden!

„Hier arbeitet Maria“, ruft meine fünfjährige Tochter frohgelaunt auf dem Weg zum Kindergarten.
„Welche Maria?“, frage ich und schau zu dem Haus, an dem wir gerade vorbei radeln.
„Die aus der Bahn“, lautet die Antwort.
„Ach, die mit dem Kind. Wie hieß das noch mal?“, frage ich glücklich, den Namen einordnen zu können. Meine Tochter und meine Frau haben auf der morgendlichen Bahnfahrt eine andere Mutter und Tochter kennengelernt – so viel weiß ich.
„Weiß nicht. War so ein komischer Name“, antwortet meine Tochter.
„Amelie! Stimmt’s?“, werf ich erleichtert ein.
„Ja. Aber Amelie ist nicht ihr Kind“, erklärt sie mir.
„Ich dachte das wäre Mutter und Tochter“, erwidere ich etwas verwirrt.
„Nein, die Mama heißt anders. Maria ist eine andere Frau“, klärt sie mich auf.
Oh, da lag ich wohl falsch. Ich versuche trotzdem weiter Licht ins Dunkel zu bringen: „Und woher kennt ihr jetzt Maria?“
„Aus der Bahn!“
Da waren wir doch schon mal, denk ich, atme einmal tief durch und frage weiter:
„Und wie habt ihr Maria kennen gelernt?“
„Ich habe „hallo“ gesagt“, lautet die alles erklärende Antwort.
„Und was ist dann passiert?“, bohr ich weiter. Jetzt will ich es wissen.
„Sie hat gefragt, ob wir Freunde sein wollen“, berichtet mein Kind und erklärt: „Da habe ich überlegt und dann gesagt: „Ist gut.““

Tja, so einfach geht das mit dem Freunde kennen lernen.
Es geht tatsächlich genau so einfach: „Hallo“ sagen ist der erste Schritt zur Freundschaft. Du findest jemanden nett oder interessant? Sag „Hallo“ und schau was passiert!

 

Übung: Menschen ansprechen

Fremde Menschen anzusprechen ist dir noch zu aufregend? Dann hab ich eine kleine Übung für dich: Das nächste Mal, wenn du irgendwo mit anderen Menschen warten musst, sei es auf den Bus oder in der Schlange an der Supermarktkasse, sprich jemand an. Irgend jemand. Jemand, der vor dir, hinter dir oder neben dir steht. Die Verkäuferinnen und Verkäufer sind übrigens (in der Regel) dankbare Übungspartner: Beim Bezahlen ist zwischen „Hallo“, „Bitte“, „Danke“ und „Tschüss“ immer noch Platz für einen netten Satz. Es geht nur darum, immer wieder einen freundlichen Satz zu sagen. Mehr nicht. Du wirst sehen, es ändert sich etwas: Es fällt dir von mal zu mal leichter. So trainierst du ein klein wenig dein Selbstsicherheit, du legst die Scheu vor anderen Menschen ab und übst nebenbei deine Schlagfertigkeit. Vor allem: Es macht Spaß!

Ach ja: Dabei lächeln hilft. Und wie die Kinder sich einfach freuen, dass wir für einen kurzen Moment eine Brücke zu einem anderen Menschen geschlagen haben, dass wir jemand begegnet sind. Es muss ja nicht immer gleich eine Freundschaft fürs Leben werden.

Foto: unsplash.com / Anoir Chafik (CC0 Lizenz)

Übung zu den Monstern: Schwächen in Stärken verwandeln

Mit diesem Blogpost lernen Sie Schwächen in Stärken zu verwandeln. In Filmen und Geschichten lieben wir den spannenden Moment, in unserem Leben wünschen wir uns hingegen oft weit weg: Der Moment, in dem wir geprüft werden, indem wir in Gefahr sind, indem wir mit unseren inneren oder äußeren Monstern ringen. In dieser Übung zeige ich Ihnen, wie Sie das Monster als Verbündeten gewinnen.

Meine Schwachstelle: Schimpfen im Auto

Nehmen Sie sich eine Sache, bei der Sie sich aufregen. Bei mir ist das das Autofahren. Autofahrer, die es mit den Verkehrsregeln nicht so eng sehen, die zu dicht und schnell auffahren, Radfahrer, die nachts ohne Licht fahren, Fußgänger, die vor Kindern bei Rot über die Ampel gehen, können mich zur Weißglut treiben. Hier bin ich schnell in meiner Wut. Und jetzt kommt die große Frage: Wofür ist das gut?

Es geht darum die Wut umzudeuten. Wir neigen dazu unsere Gefühle zu verdrängen, sie zu unterdrücken, zu leugnen oder gar nicht erst zu spüren. Dabei sind Gefühle ein großartiges Signal des Körpers.

Was ist gut daran, wenn ich mich aufrege?

Es ist wichtig, den Widerstand zu würdigen. Sonst bleibt er da und wird zum Schatten. Würdigen bedeutet anzuerkennen, dass dieses Verhalten oder dieser Charakterzug einen guten Zweck hat oder einmal hatte. Denn alles was wir tun, folgt einem Zweck oder diente mal einem Zweck. Indem wir diesen Zweck herausfinden, erkennen wir an, dass diese Fähigkeit nützlich ist oder war und sie ein Teil von uns ist.

Erst wenn wir diesen Zweck gesehen, gewürdigt und akzeptiert haben, können wir loslassen. Dabei ist das Loslassen nichts, was wir aktiv tun. Es ist die natürliche Folge, wenn wir etwas wirklich annehmen. Deswegen ist es so wichtig und so hilfreich, sich die eigenen dunklen Seiten anzuschauen, die Widerstände und Widersacher.

Widerstand erkannt und sofort gebannt?

Es heißt leider nicht, dass die Sache garantiert verschwindet, wenn ich sie mir einmal angeschaut habe. Manchmal reicht es tatsächlich eine Angewohnheit wahrzunehmen, um sie abzustellen. Oft braucht es allerdings Zeit, Übung und viel Geduld.

Wir können vor unseren Monstern davonlaufen, sie bekämpfen oder sie in Gefährten verwandeln.

Und: Wofür ist die Wut nun gut?

Meine Neigung mich beim Autofahren aufzuregen und jede klitzekleine Grenzüberschreitung in diesem Bereich wahrzunehmen und sofort bereit zu sein – verbal – zurückzuschlagen, stand lange im völligen Gegensatz dazu, wie ich sonst handelte. Wenn jemand im Alltag meine Grenze überschritt, habe ich das erst viel später wahrgenommen und lange nicht so verteidigt, wie ich das beim Autofahren tat.

Der Wert der Wut: Grenzen aufzeigen

Dadurch, dass ich hier und jetzt beim Schreiben darüber nachgedacht habe, habe ich etwas erkannt: Ich sehe jetzt den Wert, der in dieser Wut liegt. Diese Wut erlaubt es mir, mein Leben zu schützen. Und für diese Wut und diese Aufmerksamkeit, wann meine Grenze überschritten ist, bin ich sehr dankbar, wenn ich mich in meinem sonstigen Leben damit abgrenzen kann – zum Beispiel gegen den cholerischen Chef.

Aus einer Schwäche erwächst eine Stärke

Somit wird aus der Wut, meinem maßlosen Aufregen im Auto, plötzlich etwas Positives: Die Fähigkeit zu erkennen, wann meine Grenze überschritten wird und die Kraft, diese Grenze zu verteidigen.

Die Übung: Und jetzt sind Sie dran!

Nun lade ich Sie ein: Schauen Sie sich Ihre Widerstände an und finden Sie das Gute darin! Schreiben Sie die drei Dinge auf, bei denen Sie aus der Haut fahren. Wenn Ihnen das Thema Wut schwer fällt, schreiben Sie drei Dinge auf, bei denen Sie sich so verhalten, dass Sie sich über sich selbst ärgern. Also Gegebenheiten, bei denen Sie unzufrieden damit waren, wie Sie sich verhalten haben. Legen Sie dazu auf einem Blatt zwei Spalten an. Links schreiben Sie das Verhalten auf, dass Sie ärgert. Rechts schreiben Sie auf, wofür dieses Verhalten gut war, ist oder in Zukunft sein .

 

Heldenreise und Beruf: Die Artikelserie

Geschichten sind weit mehr als nette Unterhaltung – sie können uns den Weg durch unser Leben weisen! Das Konzept dahinter heißt „die Heldenreise“. Ich habe eine kleine Artikelserie zum Thema Heldenreise und Beruf geschrieben, hier sind die einzelnen Beiträge:

Das Leben als Heldenreise
Die eigene Berufung finden
Übung zur inneren Stimme: Meine 100 Ziele
Abenteuer Traumberuf: Ihre magischen Kräfte und treuen Gefährten
Übung zu den eigenen Ressourcen: So finden Sie Ihre Kräfte und Gefährten
Gefahren auf der Heldenreise bestehen
Übung zu den Monstern: Schwächen in Stärken verwandeln (dieser Artikel)

Und: Wie war es für Sie?

Wie immer freue ich mich über Kommentare, wie es Ihnen mit dieser Übung gegangen ist.