Touchdown: Ausstellung in Bonn mit & von Menschen mit Down-Syndrom

Ausstellung Tauchdown. Ausflugs-Tipp. Eine Ausstellung mit und von Menschen mit Down-Syndrom.

Wer im Rheinland kurz dem Karneval entfliehen will, dem empfehle ich die Ausstellung TOUCHDOWN – eine Ausstellung mit und von Menschen mit Down-Syndrom. Die sehenswerte Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn ist auch schon was für Familien mit Kindern. 

Texte, Videos, Zeichnungen und sogar persönliche Gegenstände von Menschen mit Down-Syndrom. Diese Ausstellung ist persönlich, sie geht mir nahe. Teilweise sind es heftige Momente: Der Brief einer Mutter an eine Zeitung. Ihr Sohn, der Down-Syndrom hatte, wurde ermordet.

Nahe beieinander: Freude und Schrecken

Viele der Texte sind unglaublich poetisch. Es ist wie als wäre das Magazin Ohrenkuss zum Leben erwacht. Ohrenkuss ist ein Magazin, das von Menschen mit Down-Syndrom geschrieben wird.

Die Verbrechen im Nationalsozialismus. Die Ausstellung basiert auf dem Forschungsprojekt TOUCHDOWN 21.

Gemälde, die zwei Liebende zeigen. Aus der Ausstellung Touchdown.

 

Eine Ausstellung mit gelungenem Storytelling

Die Ausstellung wird als Geschichte erzählt:
„Im Oktober 2016 landen 7 Astronauten und Astronautinnen von einem fremden Planeten auf der Erde.
Sie nennen sich „Second Mission” (zweite Mission).
Sie haben das Down-Syndrom.
Vor 5.000 Jahren sind die ersten Außerirdischen ihrer Art auf der Erde
 gelandet.“

Texte in Klare Sprache: Für Kinder top

Das Besondere: Die Texte sind in Klare Sprache. Klare Sprache ähnelt Leichter Sprache. Sie richtet sich an Menschen, die nicht so gut Deutsch lesen können. Das macht die Texttafeln auch für Kinder gut lesbar. Unser 10-Jähriger war von der ganzen Ausstellung total begeistert, die 5-Jährige hat sich immerhin eine halbe Stunde tapfer geschlagen.

Noch bis zu 12. März in Bonn

TOUCHDOWN gastiert noch bis zum 12. März in der Bundeskunsthalle in Bonn. Danach wandert die Ausstellung weiter. Wir haben als vierköpfige Familie sieben Euro Eintritt bezahlt. Das lesenswerte Buch zur Ausstellung kostet ebenfalls nur sieben Euro. Eindeutige Kaufempfehlung.

Zeichnung Comic: Vincent Burmeister / TOUCHDOWN

Zeichnungen (Liebespaar): Marie Bodson

Nein sagen: Wie setze ich Grenzen in der Erziehung?

 

Bild. Kind auf Laufrad. Text: Nein sagen – so geht'sWann sage ich Nein zu meinem Kind und wie ziehe ich Grenzen, ohne dass das Kind dabei Schaden nimmt? Das ist die Frage einer Mutter, die ich hier beantworte.

Frage: Wenn das Kind bockt oder seinen Willen haben will, wie lange gehe ich darauf ein? Wann setze ich mich durch und „breche seinen Willen“? Ich will ja, dass das Kind seinen Willen entwickelt und sich auch durchsetzen kann. Aber wo kann ich die Bockhörner abschleifen, ohne dass es weh tut?

Es geht nicht darum, grundsätzlich meinen Willen als Eltern durchzusetzen oder gar den Willen des Kindes zu brechen. Es geht auf der anderen Seite auch nicht darum, dem Willen des Kindes überall nachzugeben. Es geht darum die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen – und meine Bedürfnisse. Wichtig sind dabei zwei Dinge. Erstens: Wünsche sind meist keine Bedürfnisse. Zweitens: Als Erwachsene sind wir verantwortlich, dass die Bedürfnisse aller in der Familie befriedigt werden. Das ist nicht Aufgabe des Kindes.

Zeichnung eines Kindes. Text: es geht um Bedürfnisse, nicht um Wünsche.

 

 

Warum Nein sagen?

Nein sagen ist aus verschiedenen Gründen wichtig. Nein sagen schützt. Es schützt das Kind vor Gefahren: Nein – es ist gefährlich auf die Straße zu rennen. Es schützt das Kind davor schlechte Gewohnheiten zu entwickeln: Nein – ich möchte nicht geschlagen werden. Es schützt Sie als Eltern vor Überforderung: Nein – ich möchte meine Ruhe haben. Vor allem lernt das Kind von Ihrem Nein selbst Nein zu sagen. Nein sagen bedeutet sich abgrenzen zu können. Das ist ein wichtiger Baustein, um sich im Leben behaupten zu können.

Wann soll ich Nein sagen?

Ich kann nicht sagen, bei welchen Themen Sie Nein sagen sollten und an welchem Punkt Sie sich durchzusetzen haben. Wichtig ist aus meiner Sicht, überhaupt Nein zu sagen. Also überhaupt in den Konflikt, in die Auseinandersetzung zu gehen. Die Stelle, an der Sie Nein sagen sollten, müssen und können nur Sie selbst herausfinden. Es geht darum, dieses Nein in mir zu spüren. Dieses: „Nein, das geht mir zu weit!“

Nein sagen zeigt meine Grenze auf

Dieser – oft erst einmal nur –  innere Impuls, Nein zu sagen, ist sehr bedeutend. Er zeigt mir meine Grenze auf. Und da es meine Grenze ist, unterscheidet sie sich von der Grenze anderer. In den meisten Fällen gibt es keine allgemeingültige Regel, wann wir Nein zu sagen haben.

Grenzen sind von Person zu Person unterschiedlich

Meine Frau kann selbst nach einem Arbeitstag meist viel länger Kinderlärm ertragen als ich – und dann hat sie schon den ganzen Tag mit Kindern gearbeitet, denn das ist ihr Job. Ich beschäftige mich aber mit Menschen im Zweiergespräch oder sitze alleine vor meinem Schreibtisch und schreibe. Und dennoch reißt mir am Ende des Tages vielleicht schon nach einer Viertelstunde Kinderlärm der Geduldsfaden. In diesem Moment bin ich dann an meine Grenze gekommen.

Foto eines Schaukeltiers auf einem Spielplatz. Text: Darum sind Grenzen so wichtig.

Wie sage ich denn Nein? Oder: Wie sage ich es meinem Kinde?

Es ist eine Sache, meine Grenze zu spüren und eine andere, diese zu kommunizieren. Wie heißt es so schön – der Ton macht die Musik. Tatsächlich ist es eine Mischung aus sehr vielen Einzelheiten, die unsere Kommunikation ausmacht: Also Tonfall, Wortwahl, Körpersprache und so weiter.

Der Ton macht die Musik

Beispiel Tonfall: Ich kann in einer leisen, flötenden Stimme Nein sagen. Ich kann ruhig und bestimmt Nein sagen. Ich kann lauter werden. Ich kann schreien und brüllen. All das macht einen Unterschied. Ich sage nicht, dass das Leisesein immer angemessen ist. Manchmal wird es in Familien laut. Das ist aus meiner Sicht besser, als wenn Konflikten aus dem Weg gegangen wird.

Wie finde ich die richtigen Worte?

Oder die Wortwahl: Es macht einen Unterschied, ob ich mein Kind bitte („Geh bitte auf dein Zimmer“),um Verständnis werbe („Schau mal, der Papa ist müde“), es besteche („Wenn du mich jetzt in Ruhe lässt, dann darfst du …“), ihm drohe („Wenn du weitermachst, dann darfst du nicht …“) oder einfach klar bin („Ich möchte, dass du auf dein Zimmer gehst.“).

Wie kommuniziere ich überhaupt mit meinem Kind?

Es hilft sich im ersten Schritt zum Beispiel Tonfall oder Ausdruck bewusst zu machen. Also mir die Frage zu stellen: Wie kommuniziere ich überhaupt mit dem Kind? Hier hilft oft die Rückmeldung der Partnerin oder des Partners. Die sehen häufig ganz gut, wo unsere Schwachstellen in der Kommunikation liegen. Im zweiten Schritt kann ich mir dann überlegen: Wie möchte ich denn kommunizieren? Oder wie kann ich meine Botschaft klarer rüberbringen?

Foto von bemalten Steinen. Text: Es kommt nicht auf Regeln an, sondern auf die Haltung.

Die Gefahr, wenn ich nur auf meine Worte achte

Dennoch: All das birgt die Gefahr, an der Oberfläche zu bleiben. Dann studiere ich Wörter ein, verstelle meine Stimme oder unterdrücke meine Wut. Das Gegenüber – und insbesondere die eigenen Kinder – spüren jedoch die unterschwelligen Gefühle. Im schlimmsten Fall beginnen die Kinder dann ihren eigenen Gefühlen nicht mehr zu trauen. Denn das, was sie bei ihren Eltern fühlen, deckt sich nicht mit dem, was die Eltern sagen.

Daher ist Ausdruck und Tonfall nur die Oberfläche der Kommunikation. Alles steht und fällt mit meiner inneren Haltung. Am Ende gibt meine innere Haltung den Ausschlag – und nicht einzelne Wörter!

Meine Haltung: Mein Ja und mein Nein

Mein Ja zu meinen Kindern ist, dass ich sie annehme. Dass ich für sie da bin – ohne Wenn und Aber. Das werden die meisten unter Liebe verstehen. Ich spreche aber auch aus Liebe, wenn ich zu meinen Kindern Nein sage. Dabei stelle ich natürlich nicht die Beziehung zu meinen Kindern in Frage. Und wenn ich Liebe sage, heißt das nicht, dass ich mit säuselnder Stimme flöte. Liebe heißt nicht Verliebtsein und Familie heißt nicht heile Welt!

Anders gesagt: Sie können nicht immer Freundin oder Freund Ihres Kindes sein. Das geht nicht. Liebe heißt, dem anderen neben meinem grundsätzlichen Ja auch mein Nein zu zeigen. Und wenn ich Nein sage, wird mein Gegenüber das mit hoher Wahrscheinlichkeit erst einmal nicht als angenehm empfinden.

Muss ich konsequent sein?

Ich halte übrigens nicht viel von Konsequenz – zumindest nicht in dem Sinne, dass es unumstößliche Regel gibt. Ich halte vielmehr davon auf die Menschen zu schauen. Also: Was braucht mein Kind jetzt? Und was brauche ich jetzt?

Sie haben gerade mit Grabesstimme das Ende der Spielplatzzeit angedroht ? Jetzt sehen Sie, dass Ihr Kind völlig versunken im Förmchenbacken ist und Sie bringen es nicht übers Herz es aus dem Spiel zu reißen? Wenn Sie die Zeit haben, dann lassen Sie es in Gottes Namen spielen. Genießen Sie den Augenblick und den Anblick Ihres Kindes. Wenn Sie hingegen einen wichtigen Termin haben, dann unterbrechen Sie das Spiel. Es bringt keinem etwas, wenn Sie danach durch den halben Tag hetzen, nur weil sie dem Kind einen schönen Augenblick gönnen wollten.

Muss ich mein Nein begründen?

Nein, müssen Sie nicht. Macht aber manchmal Sinn. Wie gesagt: Es kommt wieder darauf an. Bei sehr kleinen Kindern halte ich lange, vermeintlich logische Erklärungen für kontraproduktiv. Die Kinder nehmen dann eher mit, dass über alles diskutiert werden kann. Natürlich wandelt sich das im Laufe der Zeit. Kinder werden größer und beginnen zu fragen und ihre eigene Meinung zu haben. Aber auch hier finde ich, muss ich nicht alles erklären. Wie soll ich auch begründen, wenn ich etwas einfach nicht möchte?

Nein sagen stößt vor den Kopf

Das Aussprechen meiner Wahrheit, also wie ich die Welt wahrnehme, kann den anderen vor den Kopf stoßen. Das gilt für alle Beziehungen: Weise ich meinen Kollegen darauf hin, dass er nach Knoblauch riecht, kann das erst zu einer peinlich Gesprächspause führen. Vielleicht ist er aber später dankbar, dass ich ihm das vor dem wichtigen Gespräch mit dem Kunden gesagt habe.

Je enger die Beziehung, desto heftiger sind meist unsere Reaktionen. Wenn ich meiner Frau sage, was mich an unserer Beziehung stört, muss ich mich wahrscheinlich warm anziehen. Zu dem Nein-Sagen zählt aus meiner Sicht auch, wenn ich vom anderen etwas möchte: Also, wenn ich möchte, dass der andere sein Verhalten ändert. Dann sage ich zu ihm quasi: Nein, so geht das nicht (mehr).

Keine Dankbarkeit oder Einsicht erwarten

Wenn Sie Ihrem Kind sagen, dass es ab sofort im Haushalt mithilft und die Spülmaschine ausräumt, dann erwarten Sie nicht, dass es Ihnen dafür freudig um den Hals fällt. Vielleicht wird es Ihnen in zwanzig Jahren dankbar sein, dass Sie es zu einem selbständigen Menschen erzogen haben. Vielleicht. Aber für den Moment würde ich mit Widerstand rechnen – vielleicht sogar mit erheblichem Widerstand.

Mit Widerstand rechnen

Mit Widerstand können wir eigentlich immer rechnen, wenn wir etwas ändern wollen. Das System versucht schlicht und einfach den Status quo zu erhalten. Denn sich zu ändern ist mit Aufwand verbunden. Wir verlieren etwas Gewohntes und wissen nicht, ob das Neue das wert ist. Deswegen rechnen Veränderungsmanager in Unternehmen mit Gegenwind, wenn Sie einen Change-Prozess anstoßen. Der Widerstand ist sogar elementarer Teil der Veränderung.

Lernen aus dem Nein: Was das Kind gewinnt

Das Kind lernt aus Ihrem Nein eine ganze Menge. Die Sache, um die es vordergründig geht, ist dabei langfristig völlig unerheblich. Um beim Beispiel mit der Spülmaschine zu bleiben: Natürlich lernt das Kind, wie es einen Geschirrspüler aus- und einräumt. Es lernt aber weiterhin in diesem Beispiel, dass es eine Aufgabe in der Familie zu übernehmen hat – und übernehmen darf! Und vor allem lernt es von Ihnen, Nein zu sagen, also zu sich und seinen Grenzen zu stehen. Und wie das geht, wenn ich mich in einer Beziehung behaupte.

Starke Eltern helfen ihren Kindern stark zu werden

Es ist unglaublich wichtig, zu wissen, dass und wie ich Nein sagen kann – gerade in engen Beziehungen. Diese Fähigkeit braucht das Kind, der Jugendliche oder die Erwachsene, um sich abzugrenzen und sich zu schützen. Zwei Beispiele: Sei es die 14-Jährige die Nein zu ihrem ersten Freund sagt, der mit ihr schlafen will. Oder der 18-Jährige, der Nein zu seinen Freunden sagt, die ihn zu einem Schnaps überreden wollen.

Wenn wir Nein sagen können zu dem Verhalten und gleichzeitig Ja sagen können zu dem Menschen – dann sind wir weit gekommen.

Viel Spaß bei Ihrem nächsten Nein.

Literaturtipps

Jesper Juul: Nein aus Liebe, Klare Eltern – starke Kinder, Kösel, 2008

Peter Schellenbaum: Das Nein in der Liebe, Abgrenzung und Hingabe in der erotischen Beziehung, dtv, 1984

 

 

 

 

Streit ums Zeugnis? So unterstützen Sie Ihr Kind wirklich

Bild eines Zeugnisses. Text: Das Zeugnis

Der große Tag: Es gibt Zeugnisse! Nicht wenigen Kindern graut davor – und auch etlichen Eltern. Denn mit dem Zeugnis kommt häufig der Streit um die Noten und die Leistung. Dabei braucht Ihr Kind jetzt etwas völlig anderes.

„Ich bin wieder zuhause“, hallt es normalerweise fröhlich durch das Treppenhaus. Nicht so heute. Dieser Tag ist anders. Das Kind kommt leise nachhause. Schleicht sich in die Küche. Legt ein Blatt auf den Tisch. Verschwindet wortlos in seinem Zimmer. Es ahnt, was folgt. „Das kann doch nicht wahr sein“, erhebt sich kurz darauf eine Stimme aus der Küche, „komm SOFORT her.“ Heute ist ein besonderer Tag: Heute gab es Zeugnisse.

1. Eigene Gefühle sehen und hintenanstellen

Als erstes finde ich es wichtig, dass wir als Eltern unterscheiden zwischen den Gefühlen unseres Kindes und unseren eigenen. Viel zu oft reagieren wir aus unserem Gefühl und übersehen das Kind. So habe ich mich mal über eine Klassenarbeit meines Sohnes aufgeregt. Ich war der Ansicht, mein Sohn wäre zu schlecht bewertet worden. Meine Frau pfiff mich schnell zurück. Sie fand, dass mein Sohn mit der Note zufrieden war. Hier hatte ich meinen Gefühlen zu viel Raum gegeben. Klar kann ich mich über die Benotung aufregen – aber nicht vor meinem Kind. Zuerst kommt also der Blick auf das Kind.

Ein Zeugnis kann für ein Kind eine hochemotionale Situation darstellen. Selbst wenn wir im Grunde vorher ahnen, wie das Zeugnis ausfällt. Manchmal wissen wir es sogar. In der Schule unseres Sohnes haben die Lehrerinnen und Lehrer sogar fast alle Noten in der Woche davor mit jedem Kind besprochen. Wir kennen das Zeugnis also schon sehr gut. Dennoch ist es ein besonderer Moment: Jetzt steht da schwarz auf weiß, wie meine Leistung war. Oder zumindest, wie die Lehrerinnen und Lehrer glauben, dass meine Leistung ist. Aber Sinnhaftigkeit von Noten ist ein anderes Thema.

Bild eines Zeugnisses mit Dreien und Vieren. Text: Was hast du in Mathe?

Was ist ein schlechtes Zeugnis? Dreien und Vieren? Dieses Exemplar stammt übrigens von mir :-)

Traurig oder wütend wegen schlechter Noten

Wenn Kinder mit ihrem Zeugnis nicht zufrieden sind, kann sie das belasten. Sie sind vielleicht traurig, verärgert, wütend oder fühlen gar nichts. Sie können sich die Noten nicht erklären, sind perplex, fühlen sich wie vor den Kopf gestoßen. Sind Kinder hochemotional, dann brauchen Sie echten Beistand. Sie brauchen das Gefühl, angenommen und geliebt zu werden – auch und gerade mit schlechten Noten. Dazu kommt eventuell der soziale Druck in der Gruppe.

Der Zeugnis-Vergleich: Und was hast du in Mathe?

Die meisten Kinder vergleichen ihre Noten. Offen oder verdeckt. Zumindest kennen sie die Noten ihrer Freunde. Wer sich am unteren Ende der Skala wieder findet, braucht ein dickes Fell. Vielleicht fallen sogar fiese Bemerkungen? Umso mehr braucht das Kind einen Ort, an dem es sich geborgen fühlt. Einen sicheren Hafen – und das sollten die Eltern sein.

Bild: Zeugnis mit Einsen. Text: Einsen und Zweien – gibt trotzdem häufig Streit.

Studie: Noten sorgen in der Hälfte der Familien für schlechte Stimmung

Vielleicht spielt sich die Zeugnisübergabe bei Ihnen nicht so drastisch ab, vielleicht gehen Sie ganz entspannt mit Noten und Zeugnissen um. Tatsache ist: Bei fast der Hälfte der Familien führen schlechte Noten zu schlechter Stimmung oder sogar zu Streit. Das zeigt eine Umfrage von forsa im Auftrag des Studienkreises (Link unten). Und das Kuriose: Selbst bei einem vergleichsweise guten Notendurchschnitt, das heißt überwiegend Einsen und Zweien auf dem Zeugnissen, kommt es über Noten zum Streit. Und ja, es gibt Kinder, die heute noch befürchten, für schlechte Noten Schläge zu bekommen.

Streit gehört dazu – nur nicht wenn das Kind hochemotional ist

Ich bin weder gegen Streit – in einer lebendigen Beziehung kommen Sie um Konflikte nicht herum – noch dagegen dass Eltern Ihre Gefühle zeigen. Ganz im Gegenteil. Ich finde Eltern sollten authentisch sein. Denn wer etwas anders sagt, als er meint, sendet widersprüchliche Signale an sein Gegenüber. Und die eigenen Kinder sind sehr geschult, diese Signale zu empfangen. Dennoch gilt die Einladung zum Konflikt und die eigene Gefühle zu zeigen, nicht für einen Tag wie die Zeugnisübergabe. Hier haben Sie, haben wir als Eltern eine völlig andere Aufgabe.

Wenn Ihr Kind mit dem Zeugnis nachhause kommt, braucht es jemand, der einfach da ist. Hören Sie einfach zu. Versuchen Sie Ihr Kind zu sehen: Wie geht es ihm? Und seien Sie aufmerksam Ihren eigenen Gefühlen gegenüber. Dies ist nicht der Zeitpunkt, Ihre Gefühle zu zeigen, davon bin ich überzeugt.

Bild eines Zeugnisses mit der Note ausreichend bei Deutsch. Text: Schlechtes Zeugnis = Zukunft verbaut?

Das ist eins meiner Zeugnisse: Die 4 in Deutsch hat mich lange begleitet – dennoch habe ich später eine Ausbildung als Redakteur gemacht. Heute lektoriere ich die Texte anderer Menschen.

Schlechte Noten? Lösungen suchen! Nur halt später …

Mir geht es in diesem Artikel nur um den Tag der Zeugnisübergabe. Wenn Ihr Kind schlechte Noten hat und Sie und Ihr Kind damit unzufrieden sind, dann dürfen und sollten Sie nach einer Lösung suchen. Nur bitte nicht in einer hochemotionalen Situation. Dann braucht das Kind erst einmal diesen sicheren Hafen, der Eltern oder Familie heißt.

 

Links

Studie zu Streit um Noten: Umfrage von forsa im Auftrag des Studienkreises

Frage eines Kindes, das Angst hat wegen seines Zeugnisses geschlagen zu werden